Meinungsbeitrag

Visionen für den Ofen: Verbrenner-Verbote ab 2030

Die Realität bietet immer die besten Satire-Shows.

Christoph Erni ist selbst seit Jahren elektrisch unterwegs. | Foto: Juice Technology
Christoph Erni ist selbst seit Jahren elektrisch unterwegs. | Foto: Juice Technology
Gregor Soller

Ein Beispiel gefällig? Immer mehr Regierungen versuchen, sich einen visionären Anstrich zu geben mit der Ankündigung von Verbrenner-Verboten. Die Idee dahinter ist gut, aber wer sich mit disruptiven Entwicklungen auseinandersetzt versteht, dass sie etwas Belustigendes an sich haben. Weil es dann nämlich schon lange keine Verbrenner mehr zu kaufen geben wird.

Denn wie der bekannte Zukunftsforscher Lars Thomsen seit 2014 unverändert prognostiziert, wird 2029 in Europa der letzte Verbrenner gebaut werden. Und wer den dann kauft, wird’s eh schon schwer haben, weil die Dinosaft-Tankstellen sich mangels Nachfrage ausdünnen. Aber auf jeden Fall gibt es bereits 2030 mindestens in Europa keine Verbrennerverkäufe mehr zu verbieten, weil der Fortschritt einmal mehr die regulative Politik überholt hat. Die Visionen der Regierungen sind für den Ofen.

Und hier mal zum Überblick, wer per wann keine Verbrenner-Neuwagen mehr zulassen will:

Richtig verstanden hat das nur Norwegen. Sie schieben den Riegel per 2025. Und sie liegen gut im Plan, bereits heute ist mehr als jedes zweite dort verkaufte Auto ein E-Auto.

Nicht gerade visionär, aber immerhin etwa zeitlich im Gleichschritt mit der Entwicklung sind Island, die Niederlande, Irland, Slowenien, Schweden und Dänemark, die ein Verkaufsverbot per 2030 anpeilen. Finnland und das Vereinigte Königreich denken an 2035, während Frankreich, Spanien und Lettland per 2040 ernst machen wollen.

Getoppt wird das von Deutschland. Die Bundesregierung findet, ein Verbot wäre für 2050 angebracht. Satire-Alarm: Das sind 30 Jahre ab jetzt! In 30 Jahren passiert aber echt viel. Denn rechnet man mal 30 Jahre zurück, dann wurde 1991 das World Wide Web erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit Modems, die 2400 Baud, also 300 Bytes in der Sekunde übertragen konnten. Allein das Laden einer damals ausgesprochen medioker gestalteten Webseite reichte locker für eine Pinkelpause.

Bisher übrigens gar nichts vorgesehen in dieser Richtung haben Rumänien, Griechenland, Italien, Litauen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Österreich, Kroatien, Estland, Ungarn, Tschechische Republik … und wieder mal die Schweiz. Ein Land ohne Autoindustrie könnte etwas mehr wagen. Oder fürchtet man einen Umsatzeinbruch an den Tankstellenshops, weil dort keiner mehr überteuert einkauft? Wo man doch beim Laden trotz der Preise für Lebensmittel und Co. viel eher mal zu einem Kaffee oder Snack greift? Anderseits, siehe oben, wird es der Markt vor jedem Regulatorium von selbst richten.

Drucken Sie diese Kolumne aus und hängen Sie sie an Ihren Kühlschrank. Und lachen Sie mit mir, wenn dereinst Neuzulassungs-Verbote in Kraft treten für Autos, die es schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr zu kaufen gibt.

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