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Verkehrssysteme: Max Bögl bringt Magnetbahn für den Nahverkehr

Nicht als "Transrapid" für hohes Tempo und weitere Distanzen, sondern als leises und leich zu realisierende Nahverkehrsmittel sieht Max Bögl sein TSB, das jetzt vorgestellt wurde. 

Flott, lautlos, wartungsarm: Baulöwe Max Bögl wollte sich nicht mit dem Ende der Magnetschwebebahn abfinden und ersann den TSB. | Fotos: Firmengruppe Max Bögl
Flott, lautlos, wartungsarm: Baulöwe Max Bögl wollte sich nicht mit dem Ende der Magnetschwebebahn abfinden und ersann den TSB. | Fotos: Firmengruppe Max Bögl
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Johannes Reichel

Das oberpfälzer Bauunternehmen Max Bögl hat ein fahrerloses automatisches Personentransportsystem für den Nahverkehrseinsatz in Ballungsgebieten vorgestellt. Anders als der Transrapid, an dessen Umsetzung Bögl bis zum endgültigen Ende des Projekts 2006 beteiligt war, soll das sogenannte TSB (Transport System Bögl), ein "elektromagnetisches Schwebesystem mit kombinierter Trag- und Führfunktion", nicht den High-Speed-Bereich bedienen, sondern etwa doppeltes S-Bahn-Tempo bieten. Dadurch kann das System technisch abspecken und auch der Raumbedarf ist deutlich geringer. Zudem hält Bögl dadurch die Energiekosten im Rahmen, was die Wirtschaftlichkeit des TSB weiter erhöhen soll. Auch die Teststrecke in Sengenthal im Landkreis Neumarkt/Oberpfalz ist deutlich filigraner als die Teststrecken des gescheiterten High-Tech-Projekts. Dadurch soll sich die zwölf Meter lange Magnetbahn, in der 127 Passagiere Platz finden, auch leichter in bebaute Areale einfügen lassen. "Irgendwo zwischen S-Bahn und Straßenbahn" sieht Bögl sein System und klar in der Nahverkehrsanwendung verortet.

Zwischen fünf und 30 Kilometer Trassen hält er man bei Bögl für ideal. Im Vergleich zu einer U-Bahn sei das System deutlich preiswerter und schneller zu bauen. Und im Vergleich zu öffentlichen Buslinien stehe man damit nicht im Stau. Gegenüber den verbleibenden Systemwettbewerbern Tram-Bahn und S-Bahn führt Bögl die weniger anfällige Technik ins Feld, etwa weil es keine Oberleitungen braucht. Das mit zehn Linearmotoren angetriebene TSB schwebt dank Elektromagnettechnik berührungslos über den Betonuntergrund, das reduziere den Wartungsaufwand und Verschleiß. Neu im Vergleich zum Transrapid ist auch, dass das TSB vom Gleis umfasst wird und nicht mehr der Zug den Beton umklammert. Dadurch soll das System leiser laufen und die Frostbildung reduzieren.

Die Wirtschaftlichkeit für das TSB will Bögl bereits nachgewiesen haben, jetzt geht es darum, die großen Städte in Deutschland, aber auch weltweit zu begeistern. Hierzulande sieht Firmenchef Stefan Bögl keine so große Innovationsfreude mehr wie früher, wie er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung anmerkte. Vor allem deshalb nimmt man auch China als Markt für das TSB ins Visier. Mit der 14-Millionen-Einwohner-Metropole Chengdu hat man jüngst einen Vertrag für eine 3,5 Kilometer lange Teststrecke unterzeichnet. Aber auch für Zubringerverkehre zu Messearealen, Fußballstadien oder auch Flughäfen hält man bei Bögl das TSB für prädestiniert.

Seit mehr als 15 Jahren entwickelt und liefert das Unternehmen nach eigenen Angaben "technisch führende Fahrwegsysteme" für Hochgeschwindigkeitszüge und Magnetbahnen. Auf dem Gleistragplattensystem FFB – Feste Fahrbahn Bögl fahren auf mehr als 10.000 Kilometern Länge Züge mit bis zu 380 km/h quer durch China und Europa. Bereits seit 2012 testet man das neue System auf der 820 Meter langen, werkseigenen Erprobungsstrecke am Firmensitz Sengenthal. Nach einer Fahrleistung im Probebetrieb von über 65.000 Kilometern und mehr als 100.000 Fahrten laufe derzeit das Zulassungsverfahren in Deutschland.

Was bedeutet das?

Solche Innovationen in der Mobilität braucht das Land, das, wie auch Bögl feststellt, nicht mehr sonderlich innovationsfreudig ist. Gut, dass sich der konstruktiv begabte, visionäre Bauunternehmer aus der Oberpfalz nicht damit abfinden wollte, dass die Magnetschwebetechnik in Deutschland keine Zukunft haben soll. Er hat sie vereinfacht, damit sie eine Zukunft hat. Und er kommt quasi "just in time" in die anhaltende und ungelöste Diskussion um den kollabierenden Verkehr in den Städten. Die TSB taugt sicher nicht für alles. Aber könnte eine hochinteressante Ergänzung im ÖPNV-Mix darstellen. Und etwa Innenstädte mit Messegeländen oder außerhalb gelegenen Flughäfen verbinden. Dann könnte man als Münchener doch noch "direkt in den Hauptbahnhof einsteigen", wie der Spiritus Rector des Transrapid Edmund Stoiber damals in seiner entusiastischen Rede haspelte. Und muss sich nicht auf die chronisch überlastete, lahme und pannenanfällige S-Bahn verlassen. 

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