Verbrenner-Ende bis 2035: Kalifornien steigt aus

Eine Entscheidung mit globaler Signalwirkung: Die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt will raus aus dem fossilen Antrieb beim Automobil. Ab 2035 sollen keine Verbrenner-Pkw mehr zugelassen werden.

Klimaschutz und Wirtschaftspolitik: Kalifornien will raus aus der Verbrennertechnologie, lässt die Alternative aber offen. | Foto: Pixabay/neufal54
Klimaschutz und Wirtschaftspolitik: Kalifornien will raus aus der Verbrennertechnologie, lässt die Alternative aber offen. | Foto: Pixabay/neufal54
Johannes Reichel

Vor dem Hintergrund der verheerendsten Waldbrände seit Generationen hat der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom das Aus für verbrennungsmotorisch angetriebene Pkw und Lkw in dem US-Bundesstaat verkündet. Von 2035 an sollen keine Personenkraftwagen mit Verbrenner mehr zugelassen werden können, ab 2045 soll das auch für Lastwagen gelten. Der Gouverneur erklärte zur Begründung, der Sektor Verkehr sei für 50 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Er trage wesentlich dazu bei, dass Kinder an Asthma erkrankten, dass der Meeresspiegel ansteige und dass die Gletscher schwänden. Hiermit müsse Schluss sein. Für Newsom spielt aber auch der Standortfaktor und die Industriepolitik klar eine Rolle: "Das ist die nächste große Weltindustrie - und Kalifornien will sie dominieren", erklärte er. Mit Tesla ist der Elektro-Auto-Pionier schlechthin in dem Staat an der Westküste ansässig. Erst vor kurzem hatte Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, auch für weniger betuchte Klientel ein E-Fahrzeug anbieten zu wollen, was neben der mangelhaften Ladeinfrastruktur ein häufig kritisierter Punkt beim Thema Elektrifizierung ist.

Bedeutung weit über die Region hinaus

Traditionell haben Entscheidungen zum Thema Umwelt, die in Kalifornien getroffen werden große Signalwirkung. Gemessen am Bruttosozialprodukt wäre Kalifornien nach Deutschland und vor Indien die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Aber auch die Zulassungszahlen haben eine Größenordnung, die die bloßen Absichtserklärungen des Verbennerausstiegs von europäischen Ländern wie Norwegen (2025), aber auch Spanien oder Frankreich (2040) in ihrer Bedeutung relativieren: Zwei Millionen Fahrzeuge werden hier jährlich neu verkauft. Zudem orientieren sich viele andere US-Staaten an dem Ökopionier im äußersten Westen. Ob die Entscheidung der Kalifornier auch USA-weit Bestand hat, wird allerdings vermutlich vor Gericht entschieden, wo der "Sunshine-State" bei diversen Umwelt- und Klimaentscheidungen mit der US-Regierung im Clinch liegt. Der Branchendienst Gasbuddy sprach jedenfalls schon mal vom "Todeskuss für Benzin und Öl".

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