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Verbrenner-Boom und alte Autos: Experten fordern neue Abwrackprämie

Autos in Deutschland werden immer länger gefahren - und die Rollback-Debatte um den Ausstieg aus den Verbrennerausstieg bestärkt viele Autofahrer. Für die Verkehrswende ist das verheerend, auch die Luftreinhaltung in den Städten leidet unter dem Altbestand. Ob eine neue "Abwrackprämie" helfen könnte, ist die Frage. In China ist das jedenfalls geplant.

Verbrenner, wollt Ihr ewig fackeln? Die Bestandsflotte in Deutschland wird immer älter und das ist ein Problem für die Verkehrswende und die Luftreinhaltung. | Foto: dpa/Marijan Murat
Verbrenner, wollt Ihr ewig fackeln? Die Bestandsflotte in Deutschland wird immer älter und das ist ein Problem für die Verkehrswende und die Luftreinhaltung. | Foto: dpa/Marijan Murat
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Johannes Reichel

Autos in Deutschland werden immer länger gefahren - und die aktuelle Debatte um den "Ausstieg aus dem Verbrenner-Ausstieg", die vor der EU-Wahl vor allem von konservativen und rechten Parteien, aber auch der deutschen FDP, forciert wird, um Wählerstimmen zu fangen, wirkt sich offenbar verheerend aus, für den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge. Laut Daten des Kraftfahrtbundesamts sind aktuell in Deutschland die Fahrzeuge im Schnitt zehn Jahre alt, Tendenz steigend. Davon unterliegen 13,4 Millionen Pkw den Uraltnormen Euro 1 bis Euro 4, 10,6 Millionen Euro rollen nach Euro 5. Nur jeder achte Neuwagen in Deutschland ist ein Elektroauto, 1,4 Millionen in absoluten Zahlen sind von den 15 Millionen, die sich die Regierung bis 2030 vorgenommen hat, meilenweit entfernt, wie der Spiegel jüngst berichtete.

"Die Abgase der Bestandsflotte sind ein riesiges Problem", erklärte Umweltexperte Axel Friedrich von der Deutschen Umwelthilfe gegenüber dem Spiegel. Er hatte auch den Stein beim VW-Abgasskandal ins Rollen gebracht.

Speziell der durch die Mär vom "sauberen Diesel" beflügelte Selbstzünder-Boom bis 2017 hat hier einen großen Anteil. Zudem sind Oldtimer immer beliebter, die gar nicht mal irrelevant sind: 2024 waren 850.000 historische Fahrzeuge, also älter als 30 Jahre, in Deutschland zugelassen, ein Plus von 6,7 Prozent und eine Verdreifachung innerhalb der letzten zehn Jahre. Diese stellen zwar nur 1,4 Prozent des Kfz-Bestnds dar, emittieren allerdings überdurchschnittlich Abgase, wie der TÜV Nord schon 2017 in einer Studie feststellte: Acht Prozent der Feinstaub-, 86 Prozent der Kohlenwasserstoffemissionen sowie 6,9 Prozent der Kohlenmonoxidemissionen stammen demnach aus alten Auspuffen. Der Oltimerverband prognostiziert weiter steigende Zahlen, weil der Lebenszyklus der Pkw seit Jahrzehnten steigt. Bis 2040 rechnet man mit fünf Prozent Ü30-Autos.
 

Experten fordern eine neue "Abwrackprämie" - bei Tausch gegen E-Auto

Gegen diesen Trend etwas zu unternehmen, ist daher eine Überlegung von Umweltschützern und Fachleuten, erst recht vor dem Hintergrund einer ab 2030 nochmal verschärften Luftqualitätsrichtlinie der EU. Die vorgesehenen 20 Mikrogramm NOx etwa wurden 2023 noch an vielen Messstationen überschritten. Laut DUH emittiert ein Euro-4-Diesel im Schnitt 1087 Milligramm Stickoxid pro Kilometer, Euro-5-Diesel kommen auf 968 Milligramm.

Die europäische Umweltdachorganisation Transport & Environment schlägt daher eine Einschränkung des Gebrauchtwagenhandels ab einem bestimmten Alter vor - und die Prüfung einer neuen "Abwrackprämie" sowie Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb von Seiten der EU. Die Hoffnung auf Synfuels solle man lieber nicht schüren. In China ist ein solches Programm geplant: Dabei stehen 1.300 Euro Prämie im Raum, wenn man seinen alten Verbrenner ausmustert und ein E-Auto oder Plug-in-Hybrid anschafft. Auch höhere Kfz-Steuern für alte Verbrenner könnten ein schnell wirksames Mittel sein, das das Bundesverkehrsministerium allerdings wie so viele andere gegen fossile Antriebe gerichtete Maßnahmen ablehnt. Auch eine "Abwrackprämie" sei nicht geplant, so das Wissing-Haus gegenüber dem Spiegel.

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