Verbrauchsstatistik: Deutschland, einig Spritschlucker-Land

Nicht nur bei der von der CDU/CSU blockierten Energiewende rächt sich die Öl-Abhängigkeit, auch die Fahrzeugwende wurde verschlafen, indem man schwere Modelle förderte. Die Niederlande machte es besser.

Der Marge nach und hoch hinaus: SUV liegen speziell in Deutschland, aber auch weltweit weiter im Trend. Auch wenn sie zunehmend elektrifiziert werden, bleibt doch der bauart- und gewichtsbedingt Effizienznachteil bestehen. | Foto: VW
Der Marge nach und hoch hinaus: SUV liegen speziell in Deutschland, aber auch weltweit weiter im Trend. Auch wenn sie zunehmend elektrifiziert werden, bleibt doch der bauart- und gewichtsbedingt Effizienznachteil bestehen. | Foto: VW
Johannes Reichel

Deutschland liegt europaweit mit an der Spitze bei Leistung und Hubraum in der Fahrzeugflotte: Auf 112 kW sowie 1.717 ccm³ kommt ein Auto-Aggregat hierzulande im Durchschnitt. Vor Deutschland liegen in der EU nur noch Luxemburg sowie die Offroad-Nation Schweden. Oft wiegen die Mobile über zwei Tonnen. Mit entsprechenden Auswirkungen auf den Fahrzeugverbrauch. Neu zugelassene Wagen in den Niederlanden verbrauchten etwa ein Drittel weniger Kraftstoff, wie der Referent für Verkehrspolitik beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) Matthias Runkel gegenüber Spiegel Online berichtete. Bei ähnlicher Ausgangslage hat die Regierung des Nachbarlands bis zum Ende der Nullerjahre umgesteuert und liegt jetzt am unteren Ende der unrühmlichen Verbrauchsskala.

Schlüsselfaktor: CO2-Zulassungssteuer

Ein Schlüsselfaktor war für den FÖS-Wissenschaftler vor allem eine CO2-basierte Zulassungssteuer, die in den meisten Ländern der EU erhoben wird, mit einer der wenigen Ausnahmen Deutschland. In den Niederlanden steuert diese Regelung seit 2008 die Käufer in die richtige Richtung, Portugal oder Dänemark sind weitere Erfolgsmodelle, ebenso wie Frankreich mit einem Bonus-Malus-System, auf das man sich unter den autoaffinen CSU-Verkehrsministern nie einigen konnte. Der Anteil schwerer Premium-Fahrzeuge ist bei den deutschen Herstellern traditionell sehr groß. Die Modifikationen bei der Kfz-Steuer haben den Trend nicht brechen können.

Spritintensive Fahrzeuge ließen sich dagegen in den Niederlanden kaum noch verkaufen, berichtet Runkel. In Deutschland bildeten Mobile mit über 10 l/100 km offiziellem Verbrauch noch immer eine starke Gruppe. Das ist auch insofern relevant, als trotz des Elektrobooms der jüngsten Zeit, reine Stromer im durchschnittlich über zehn Jahre alten deutschen Fahrzeugbestand bisher lediglich auf 1,3 Prozent kommen. Noch dazu hält der schon länger zu beobachtende Trend weg von Kleinwagen, hin zu SUV und Geländewagen weiterhin an.

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