Vello: Selbstladendes E-Faltrad mit Formel-1-Technik

Wiener Start-up hat für sein Faltrad eine Version mit selbstladendem E-Antrieb entwickelt, der auf die KERS-Technologie aus der Formel 1 zurückgreift. Rekuperation im Gefälle und Rücktritt.

Und läuft und läuft: Die Titan-Variante speckt noch mal an Gewicht ab und kommt auf unter elf Kilo, für ein E-Bike sensationell. | Foto: Vello
Und läuft und läuft: Die Titan-Variante speckt noch mal an Gewicht ab und kommt auf unter elf Kilo, für ein E-Bike sensationell. | Foto: Vello
Johannes Reichel

Das Wiener Mobilitäts-Start-up Vello hat ein Faltrad mit E-Antrieb entwickelt, das auf die KERS-Technologie aus der Formel 1 zurückgreift und seinen Akku selbst aufladen soll. Das laut Hersteller in wenigen Sekungen faltbare Vello bike+ stellt eine elektrifizierte Version des von der Konstruktion identischen Faltrads dar und verwendet eine elektrische Tretunterstützung an der Hinterachse. Dabei sind E-Motor, Akku und Steuerung in der Nabe untergebracht. Das Gewicht des 250 Watt starken Systems mit 160-Wh-Akku beträgt lediglich 3,2 Kilo. Dank Pedelec-Motor mit der sogenannten K.E.R.S.-Technologie verfügt die e-Version über eine potentiell unendliche Reichweite, wie der 2013 gegründete Hersteller wirbt.

„So gewinnt das Faltrad weiter an Relevanz: in der Stadt können weitere Strecken auch jenseits der 50 km bequem gemeistert werden, ein Akkuladen entfällt im Idealfall und sollte z.B. das Wetter nicht mitspielen, nimmt man sein Vello einfach wie gehabt mit in die U-Bahn“, beschreibt Co-Gründer Valentin Vodev seinen Ansatz.

Formel-1-Technologie für die täglichen Wege

Im Mittelpunkt der Technologie steht die bisher bei E-Bikes wenig verbreitete, bei E-Autos selbstverständliche Rekuperation. Mit Hilfe von vier effizienten Sensoren und der KERS-Technologie aus der Formel 1 wird überschüssige Energie, wie sie etwa schon in Gefälen ab 1 Prozent Neigung anfällt, dem Akku zugeführt. Damit wird dieser im niedrigsten der sechs Unterstützungsmodi auf etwa gleichem Ladestand gehalten, entsprechend 100 Prozent Rekuperation. Ein weiterer Sensor aktiviert die Energierückgewinnung wenn rückwärts in die Pedale des VELLO Bike+ getreten wird. Dies unterstütze die Bremswirkung und speist die meiste Energie ins System, wie der Hersteller skizziert. Ein zusätzlicher Sensor misst Beschleunigungskräfte und könne so bei jeder Bremsung die Energierückgewinnung aktivieren. Auch ein Sensor für das Erkennen des aufgebrachten Drehmoments ist verbaut, um etwa bei Rückenwind ebenfalls Energie zur Akku-Ladung zu gewinnen. Konventionell geladen reicht der 160-Wh-Akku für ca. 30 bis 50 km bei maximaler Motorleistung.

Leicht-Stromer: Titan-Variante mit knapp elf Kilo

Im Jahr 2019 legte der Anbieter zur Eurobike nach und präsentierte mit nur 10,9 kg Gesamtgewicht eine Titan-Variante des Bike+ Titan. Der Anbieter verweist aber auch auf die deutlich preisgünstigere Variante ohne E-Unterstützung, aber mit Shimano-Nabenschaltung vom Typ Alfine 11 kombiniert mit einem Gates-Riemenantrieb, das zudem an Gewicht spart. Die Standardvarianten mit dem Cromoly-Stahlrahmen, der eine gute Mischung aus  geringem Gewicht, Stabilität, Haltbarkeit und Fahrkomfort bieten soll, bringen es auf 8,9 und 11,9 Kilo in der konventionellen und in der E-Version. Verknüpft ist zudem eine Smartphone-App, mit der sich die Bike-Funktionen steuern und kontrollieren lassen. Das Bike+ kostet ab 2.590 Euro, die Standardversion ab 1.490 Euro.

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