VDL wird Canoo-Fahrzeuge fertigen

Das erste Canoo-Serienmodell soll ab 2022 im niederländischen Fertigungswerk VDL NedCar gebaut werden.

Canoo plant künftig drei Modelle, darunter einen Pick-up und einen Van (re.). | Foto: Canoo
Canoo plant künftig drei Modelle, darunter einen Pick-up und einen Van (re.). | Foto: Canoo
Gregor Soller

VDL ist bisher eher für Busse und Nutzfahrzeuge bekannt. Jetzt kommen kompakte Stromer hinzu. Denn die Niederländer sollen jetzt das erste Canoo-Modell namens „Lifestyle Vehicle“ für den US- und die europäischen Märkte herstellen, allerdings in kleiner Serie: Laut Chairman und CEO Tony Aquila plant Canoo bis zu 1.000 Einheiten 2022 und dann 15.000 Einheiten in 2023. Ab 2024 möchte Canoo dann selbst mit einer Eigenproduktion starten. Die erste eigene Produktionsstätte – in Anlehnung an Tesla- „Mega-Mikrofabrik“ genannt, soll laut Canoo im US-Bundesstaat Oklahoma entstehen. Dort gibt es in der Gemeinde Tulsa den MidAmerica Industrial Park, in dem Cabnoo bis zu 2.000 Jobs schaffen möchte. Durch den parallelen Aufbau von Auftrags- und Eigenfertigung wolle Canoo seine Zusage einhalten, die Produktion zu starten und die Fahrzeuge im vierten Quartal 2022 auszuliefern. Aquila erklärt dazu:

„Die strategische Partnerschaft mit VDL Nedcar wird es uns ermöglichen, Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, während wir unsere Fabrik in Oklahoma bauen. Sie positioniert uns auch stark für die geografische Expansion in Europa und baut eine dauerhafte Beziehung zu den Unternehmen der VDL Groep auf.“

Je nach Variante soll das vanartige Nutzfahrzeug zwischen 34.750 und 49.950 Dollar kosten. Von dem Fahrzeug soll es eine Liefer-, Basis- und Premium-Variante geben. Zudem soll es einen Lifestyle- und Adventure-Trimm für das Fahrzeug geben, die detaillierten Preise will Canoo aber erst in den kommenden Monaten bekannt geben. Finale Daten zum Antrieb nennt Canoo auch noch nicht. Man spricht nach wie vor von 220 kW Leistung, 450 Nm Drehmoment und einer Reichweite von bis zu 400 Kilometern, die mit 80-kWh-Akkus erreicht werden sollen.

John van Soerland, Vorstandsvorsitzender von VDL NedCar, freut sich:

„Diese Partnerschaft bringt unsere strategische Vision voran, eine Lösung für die Auftragsfertigung anzubieten und unsere Expertise im Bereich der Elektrofahrzeuge zu erweitern.“

VDL NedCar mit Sitz in Born verfügt nach eigenen Angaben über das einzige Automobilwerk in den Niederlanden, in dem Serienmontagen für Dritte durchgeführt werden.

Massive Änderungen: Plattform für Dritte

Gegenüber der einstigen Studie, die einst als Van und Personentransporter für Großstädte geplant war, mit der Möglichkeit, das Fahrzeug autonom fahren zu lassen war, gibt es einige massive Änderungen. Die Stoßfänger wurden angepasst und es trat eine höhergelegte Adventure-Version sowie ein Pick-up dazu. Die Plattform „electrive.net“ vermutet, dass es sich dabei um einen Strategieschwenk unter CEO Tony Aquila handelt. Der hatte das Management seit Ende 2020 als Executive Chairman ergänzt und sollte mit seiner Investoren-Erfahrung den Börsengang begleiten.

Hinter den Kulissen hat Aquila die Neuausrichtung des Unternehmens vorangetrieben – wohl auch in Hinblick auf die Erwartungen der Börse. Ende April 2020 übernahm er dann offiziell den Posten als CEO von Ulrich Kranz. Canoo will seine E-Plattform künftig an andere Autobauer verkaufen, sondern künftig vorrangig die eigenen Fahrzeuge vor allem an Flotten und Sharing-Dienste vertreiben. Auch en Vertrieb änderte man: Einst wollte Canoo seine Modelle nur im Abo anbieten, jetzt sollen die Fahrzeuge auch klassisch verkauft werden.

Canoo nimmt bereits Vorbestellungen für das Lifestyle Vehicle an (gegen 100 Dollar erstattungsfähige Reserviergebühr). Der Grundversion sollen dann ein Lieferwagen und ein Pick-up folgen. Im B2B-Bereich lassen sich mit großen Lieferflotten schneller hohe Stückzahlen erreichen.

Was bedeutet das?

Die ersten Bilder des Canoo waren sehr futuristisch, was auch für Ausrichtung und Vertrieb galt: Abo und autonomes fahren sollten die Raumkapsel von der Konkurrenz abheben, zum Marktstart hat man das Ganze jetzt etwas Richtung elektrisches Standard-Nutzfahrzeug respektive –„Van“ heruntergebrochen

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