VDIK-Prognose: Absturz bei Verbrennern - Aufstieg bei Stromern

Eine Zweiteilung des Marktes sieht der Importeursverband für 2021: Während man für konventionelle Fahrzeuge einen noch heftigeren Absturz prognostiziert, legten BEVs und PHEVs massiv zu.

Gute Aussichten für Stromer: Der VDIK rechnet damit, dass sich E-Autos weiteren Platz am Markt erobern - sofern die Förderung erhalten bleibe. | Foto: Volvo
Gute Aussichten für Stromer: Der VDIK rechnet damit, dass sich E-Autos weiteren Platz am Markt erobern - sofern die Förderung erhalten bleibe. | Foto: Volvo
Johannes Reichel

Nach dem Rückgang im vergangenen Jahr hat der der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) für den deutschen Pkw-Markt 2021 einen noch heftigeren Einbruch prognostiziert. Im Gesamtjahr würden wohl nur noch 2,6 Millionen Pkw neu zugelassen, schätzen die Importeure. Dafür steige der Absatz von Batterie-Elektroautos und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen satte 70 Prozent.

„Unsere Hoffnung auf eine Erholung des Kfz-Marktes nach dem schweren Einbruch durch die Corona-Krise im Vorjahr wird 2021 enttäuscht. Allerdings liegt das Problem nicht auf der Nachfrageseite. Die Kunden wollen mehr Autos kaufen, als die Industrie produzieren kann. Gleichzeitig hat der Boom der Elektromobilität angehalten. Das ist der große Lichtblick“, fasst VDIK-Präsident Reinhard Zirpel zusammen.

Deutscher Pkw-Markt bricht ein

Der deutsche Pkw-Markt gibt dabei 2021 um elf Prozent nach. Unterm Strich werden rund eine halbe Million Neuwagen weniger zugelassen, als der Verband erwartet hatte. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 "verliert" der Markt insgesamt rund eine Million Einheiten. Allerdings lagen die Auftragseingänge auf einem guten Niveau, die Auftragsbestände sogar auf Rekordniveau. Die Automobilindustrie habe jedoch mit Produktions- und Lieferengpässen zu kämpfen.

„Der weltweite Mangel an Halbleiterprodukten trifft unsere Branche mit voller Wucht. Internationale und deutsche Hersteller sind grundsätzlich in ähnlichen Ausmaßen betroffen. Wir müssen davon ausgehen, dass uns das Problem in das kommende Jahr hinein begleiten wird", analysiert Zirpel weiter.

Boom der Elektromobilität setzt sich fort

Im Gegensatz zum Gesamtmarkt erlebten Batterie-Elektroautos und Plug-In-Hybride einen anhaltenden Boom. Im Gesamtjahr 2021 werden nach Verbandsschätzung etwa 660.000 E-Fahrzeuge neu zugelassen. Das sei ein Plus von 70 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtmarkt steigt von 13,5 Prozent im Vorjahr auf nun 25 Prozent. Jeder vierte Neuwagen ist 2021 ein Elektroauto. Insgesamt werden etwa 1,1 Millionen neue Pkw mit alternativen Antrieben neu zugelassen.

Auch Nutzfahrzeuge schaffen keine Erholung

Auch auf dem deutschen Nutzfahrzeugmarkt bleibt die erwartete Erholung aus. 2021 werden voraussichtlich rund 345.000 Nutzfahrzeuge neu zugelassen, das ist ein Minus von 1 Prozent. Die internationalen Hersteller würden ihren Marktanteil bei den Nutzfahrzeugen 2021 voraussichtlich von 28 auf rund 32 Prozent steigern.

Prognose: E-Pkw-Bestand könnte auf 2 Mio. Fahrzeuge kommen

Unter der Voraussetzung, dass sich die Versorgung mit Zulieferteilen wieder normalisiert, seien 2022 etwa 3 Millionen neue Pkw zu erwarten. Außerdem rechnet der Verband mit rund 360.000 neuen Nutzfahrzeugen.

„Wir erwarten nächstes Jahr in Deutschland außerdem rund 850.000 neue Elektrofahrzeuge. Der Bestand von Elektroautos könnte bis Ende 2022 auf rund zwei Millionen anwachsen", schätzt Zirpel.

Ampel-Koalition soll Voraussetzungen für alternative Antriebe schaffen

Im Verkehrssektor seien die alternativen Antriebe das mit Abstand wichtigste Instrument zur CO2-Reduzierung, glaubt Zirpel.

"Es kommt jetzt entscheidend darauf an, dass die neue Bundesregierung die dafür notwendigen Anreize und Rahmenbedingungen rasch beschließt", appelliert Zirpel. 

Er begrüßte in dem Kontext die im Koalitionsvertrag angekündigte Verlängerung der Innovationsprämie für Elektrofahrzeuge bis Ende 2022 in unveränderter Form und forderte gleichwohl eine Novellierung der Umweltbonus-Richtlinie als eine der ersten Amtshandlungen noch in diesem Jahr. So lasse sich der bisher drohende Einbruch des E-Auto-Marktes abwenden, meint Zirpel. Im Koalitionsvertrag ist auch eine degressive Reform der Kaufprämie vorgesehen.

„Wir müssen aber vor einem zu starken Abschmelzen des Umweltbonus in den kommenden Jahren warnen. Die Prämie bleibt für den Markthochlauf mittelfristig sehr wichtig“, befindet Zirpel weiter.

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