VDA/VDIK/ZDK: Autohandel schnellstmöglich wieder öffnen

Ein gemeinsamer Aufruf mahnt die Politik, den Lockdown im stationären Autohandel bald aufzuheben. Verbände warnen vor Liquiditätsengpässen und Rückwirkung auf das Wiederanfahren der Produktion.

Bei aller Liebe zur Technik, aber ganz können auch digitale Instrumente den Besuch im Showroom nicht ersetzen. Spitzenverbände fordern jetzt eine Wiederöffnung des stationären Handels. | Foto: Audi
Bei aller Liebe zur Technik, aber ganz können auch digitale Instrumente den Besuch im Showroom nicht ersetzen. Spitzenverbände fordern jetzt eine Wiederöffnung des stationären Handels. | Foto: Audi
Redaktion (allg.)

Der stationäre Verkauf von Automobilen an Endkunden soll so schnell wie möglich wieder erlaubt werden. Mit diesem als  Vorschlag betitelten dringlichen Appell haben sich die automobilen Spitzenverbände VDA (Verband der Automobilindustrie), VDIK (Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller) und ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) sowie die IG Metall in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Ziel des konzertierten Vorgehens ist es, die wirtschaftlichen Aktivitäten so schnell und wie gesundheitlich verantwortbar wieder hochzufahren.

Vorfinanzierte Lagerfahrzeug drücken in die Bilanzen

In dem Schreiben, unterzeichnet von VDA-Präsidentin Hildegard Müller, dem IG Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann sowie VDIK-Präsident Reinhard Zirpel und ZDK-Präsident Jürgen Karpinski, weisen die Spitzenvertreter auf die immer bedrohlicher werdende Situation bei Herstellern, Zulieferern und im Handel hin, die für insgesamt rund 1,3 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland stünden. Der Handel sei mit einer kaum noch zu verkraftenden Menge vorfinanzierter Lagerfahrzeuge konfrontiert, die wegen der angeordneten Schließung seiner Verkaufsstellen stationär nicht mehr veräußert werden dürften.

„Noch mehr Fahrzeuge können die Betriebe nicht aufnehmen. Damit kommen auch Zulieferung und Produktion zum Stillstand bzw. können nicht wieder angefahren werden", warnen die Unterzeichner.

Die "Bitte" laute daher, "schnellstmöglich und in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und den Bundesländern den stationären Verkauf von Kraftfahrzeugen an Endkunden nach dem nächsten Treffen der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder wieder zu erlauben“, heißt es in dem Schreiben. Dadurch ließe sich das Risiko der Insolvenz einer Vielzahl von Unternehmen in einer Schlüsselbranche Deutschlands mit allen sich daraus ergebenden volkswirtschaftlichen Konsequenzen und den finanziell wie sozial schwerwiegenden Folgen von Arbeitsplatzverlusten für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien minimieren, so die Unterzeichnenden.

Wo, wenn nicht hier: Infektionsschutz wäre möglich

Sie verweisen auch darauf, dass gerade im Automobilhandel der Infektionsschutz von Kunden und Mitarbeitern in besonderem Maße gewährleistet werden könne. Die Verhältnisse seien geprägt von vergleichsweise großen Flächen und einer geringen Zahl gleichzeitig anwesender Kunden. Die Mindestabstände zwischen einzelnen Personen von 1,5 bis 2 Metern könnten dort viel müheloser gewahrt werden als etwa in Lebensmittelgeschäften, Baumärkten, Tierbedarfsgeschäften und Blumenläden. Warteschlangen an der Kasse, Gedränge an Regalen, das Wechseln von Einkaufswagen von Kunde zu Kunde sowie der ständige Austausch von Ware gegen Bargeld im persönlichen Kontakt kämen im Automobilhandel nicht vor.

Vor kurzem hatten sich die Verbände bereits gemeinsam per Brief an die Bundesregierung gewandt, um gegen die vielerortige Schließung der Kfz-Zulassungsstellen zu protestieren und kontaktlose Zulassungsmöglichkeiten angemahnt.

Was bedeutet das?

Der lang anhaltende Stillstand in einer Branche, die das Just-in-time Verfahren geradezu perfektioniert hat und die auf eine geölte Kette aus Produktion und Abverkauf angewisen ist, schlägt sich nun krachend nieder. Die angeführten Argumente sind nachvollziehbar und nicht von der Hand zu weisen. Klar ist, ewig kann Deutschland nicht stillstehen, es muss auf mittlere Sicht ein Weg gefunden werden, Wirtschaft und Infektionsschutz unter einen Hut zu bekommen. Es muss gelingen, die Vorsicht vor dem Virus in einen teilweise normalisierten Alltag zu integrieren, denn die Problematik wird uns noch mindestens dieses Jahr begleiten.

Ein Blick nach Korea oder China zeigt, dass das funktionieren kann, unter einem neuen Reglementarium, an das sich zu gewöhnen die Leute in wochenlangem Lockdown Gelegenheit hatten. Abstand halten bleibt oberste Bürgerpflicht. Aber wo, wenn nicht in den vergleichsweise luftigen Autohäusern soll eine Rückkehr in die Normalität sonst beginnen. Und wem das zu riskant ist, der kann ja immer noch eine Online-Beratung buchen - und sein Fahrzeug dann möglichst kontaktfrei zugestellt bekommen oder abholen. Valentin Hein/Johannes Reichel

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