VDA zum Verbrenner-Ausstieg: Richtiges Ziel, falscher Weg

Der Lobbyverband der Automobilindustrie sieht den jüngst präsentierten EU-Plan „Fit for 55‘ kritisch. Das Ziel sei richtig, der Weg aber falsch, befindet die VDA-Präsidentin.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller steht hinter den Zielen von „Fit for 55“, warnt aber vor einer Überforderung vor allem der Automobilzulieferer. | Bild: VDA
VDA-Präsidentin Hildegard Müller steht hinter den Zielen von „Fit for 55“, warnt aber vor einer Überforderung vor allem der Automobilzulieferer. | Bild: VDA
Johannes Reichel
von Tobias Schweikl

Der Verband der Automobilindustrie hat sich zu den am Mittwoch verkündeten Plänen der EU-Kommission im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets geäußert. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte, die Automobilindustrie unterstütze das Ziel der EU-Kommission, Europa als ersten Kontinent der Welt bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen.

„Unsere Industrie geht daher bereits energisch voran und investiert bis 2025 mehr als 150 Milliarden Euro in klimaneutrale Antriebe, Elektromobilität und die Digitalisierung des Verkehrs. Deutschland ist schon heute Europameister bei E-Autos“, so Müller.

Das „Fit for 55“-Paket, mit dem die Klimapolitik der EU umfassend neugestaltet werden soll, verfolge daher zwar die richtigen Ziele, schlage dabei aber an wichtigen Stellen den falschen Weg ein, so die VDA-Präsidentin. Bei den ehrgeizigen Zielen zur Minderung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen bliebe unberücksichtigt, dass wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Transformation mit den vorgeschlagenen Instrumenten nicht geschaffen würden. Mit dem für 2035 vorgesehenen Flottengrenzwert von 0g schlage die EU-Kommission faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren vor. Das gelte auch für Hybride und für leichte Nutzfahrzeuge.

„Das ist innovationsfeindlich und das Gegenteil von technologieoffen. Die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher wird unnötig eingeschränkt. Die dadurch geforderte Beschleunigung der Transformation ist vor allem für viele Zulieferer kaum zu schaffen. Die Auswirkungen für die Arbeitsplätze in diesem Bereich werden erheblich sein. Es fehlt an einer Abwägung, die alle Aspekte der ökonomischen und sozialen Auswirkungen einbezieht", befindet die Chef-Lobbyistin.

Positiv hervorzuheben sei, dass die Kommission das Instrument einer verbindlichen Regulierung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorschlägt. Die Vorgaben müssten jetzt aber auch schnell und flächendeckend in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden, so der VDA. Neben Aufbauverpflichtungen seien deswegen auch europaweit Förderprogramme und die Beseitigung regulatorischer Hemmnisse in vielen Mitgliedstaaten gefragt.

„Nicht zuletzt brauchen wir 100 Prozent Ökostrom für alle Elektrofahrzeuge. Nur so können wir das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher gewinnen. Auch die Tankinfrastruktur für Wasserstoff sollte deutlich schneller ausgebaut werden als von der Kommission vorgeschlagen“, so Müller.

Den Vorschlag für die Einführung des marktwirtschaftlichen Instruments des Emissionshandels für Verkehr und Gebäude findet der VDA begrüßenswert. Er sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem einheitlichen EU-Emissionshandel für alle Sektoren. Allerdings gehe der im Verkehr wichtigste Anwendungsbereich durch die Festlegung des Flottengrenzwerts auf 0g im Jahr 2035 verloren.

Auch der Vorschlag für eine neue „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ (RED) sei nicht ehrgeizig genug. Anzuerkennen sei, dass die Quote für erneuerbare Kraftstoffe deutlich erhöht werde. Allerdings greife der Vorschlag zu kurz. Nach Berechnungen des VDA wären 30 Prozent erneuerbare Kraftstoffe im Bestand für 2030 erforderlich, damit auch der Fahrzeugbestand ausreichend zur Erreichung der Klimaziele beitragen könne.

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