VDA, VDIK und ZDK: Behörden sollen kontaktlose Zulassung ermöglichen

Automobil- und Kfz-Verbände kritisieren Schließung der Zulassungsbehörden, verweisen auf drastische Folgen für die Liquidität der Händler in der Krise und mahnen "kontaktlose" Lösungen an.

Sorry, we are closed: Das kann nicht die Lösung sein, wenn Kunden ihre Fahrzeuge nicht zugelassen bekommen und somit kein Geld an die Händler fließen kann. | Foto: Pixabay
Sorry, we are closed: Das kann nicht die Lösung sein, wenn Kunden ihre Fahrzeuge nicht zugelassen bekommen und somit kein Geld an die Händler fließen kann. | Foto: Pixabay

Nachdem die Kfz-Zulassungsbehörden aufgrund der Corona-Krise den Betrieb weitgehend eingestellt haben, appellieren der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) an Bund, Länder und Kommunen, durch rasches Handeln Insolvenzen und Job-Verluste im Kfz-Handel abzuwenden.

Der Automobilhandel sei bereits durch die vorgeschriebene Schließung seiner Verkaufsstellen stark beeinträchtigt und stehe vor massiven Problemen. Viele Unternehmer würden versuchen, den Geschäftsbetrieb telefonisch oder digital aufrechtzuerhalten. Nun hätten auch die Kfz-Zulassungsbehörden zum Teil die Arbeit eingestellt und Fahrzeug-Neuzulassung seien nicht möglich, beklagen die Verbände in einem gemeinsamen Communiquè. Dadurch sei es Händler nicht möglich, bestellte und zur Auslieferung bereite Fahrzeuge an ihre Kunden zu übergeben.

"Viele neue und gebrauchte Autos stehen bei den Automobilhändlern zur Abholung bereit. Allerdings erhält der Händler sein Geld erst, wenn er die Fahrzeuge zugelassen hat bzw. diese zugelassen werden können", skizzieren die Verbände. 

Dieser Fahrzeugbestand binde dann ein überlebenswichtiges Kapital, welches dem Händler nicht zur Verfügung stehe, mahnen die Verbände weiter. Sie fordern "unbürokratische Lösungen", um Zulassungen durch Händler weiterhin bundesweit zu ermöglichen.

Kontaktlose Übergabe ermöglichen

Nach ihrem Dafürhalten könnte etwa gebündelte Abwicklung von Händler-Zulassungen, gefahrlos durch Schleusen für Dokumente und Schilder, ohne körperlichen Kontakt erfolgen. Bereits zugelassene Fahrzeuge an die Käufer zu übergeben, wird ebenfalls immer schwieriger. Zwar gestatteten einige Bundesländer Auslieferungen, andernorts werde es Händlern jedoch wegen „Social Distancing“ untersagt, das neue Automobil an den Kunden zu übergeben. "Auch hier könnte die Lösung darin bestehen, dass die Fahrzeugübergabe ohne nahen Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer erfolgt", meinen die Verbände. Die Voraussetzungen sind in den Autohäusern gegeben.

Sie forderten die Politik zum Handeln auf. Sie müsse die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Fahrzeugübergaben bundesweit einheitlich möglich sein können. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass wenn nach Ende des Produktionsstopps wieder vermehrt Autos an die Händler geliefert würden, genügend freie Stellflächen zur Verfügung stünden. fs/jr

Was bedeutet das?

Wenn VDA und VDIK und der ZDK eine gemeinsame Erklärung herausgeben, muss es wirklich dringend sein. Und das ist es auch. Während sich quer durch alle Branchen, speziell auch in der derzeit besonders "systemrelevanten" Logistik Anbieter etwas einfallen lassen, wie sich ihre Prozesse möglichst "kontaktlos" gestalten oder digitalisieren lassen, machen die Zulassungsstellen schlicht dicht. Und lösen eine Kausalitätskette aus, die vielleicht nicht bedacht wurde. Gut, dass es da Branchenverbände gibt, die sie auf die gravierenden Folgen hinweisen. Die Verbände richten die dringende Bitte an die Politik, Automobilhändler nicht im Stich zu lassen. Und wir sind sicher: Es gibt bestimmt auch für Straßenverkehrsämter Lösungen, eine kontaktlose Fahrzeugzulassung zu ermöglichen. Im Gegenteil: Eigentlich ist das schon lange fällig. Auch hier liegt in der Krise eine Chance. jr

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