VDA Technischer Kongress 2022: Mit digitalen Lösungen zur Circular Economy

Ein buntes und erfrischendes Panel befasste sich mit der Circular Economy – und wie man diese digital erreicht.

Bunte Schatztruhe im bcc in Berlin: Das VDA-Panel zur Circular Economy. | Foto: Christian Lietzmann
Bunte Schatztruhe im bcc in Berlin: Das VDA-Panel zur Circular Economy. | Foto: Christian Lietzmann
Gregor Soller

Die Eröffnung des Panels oblag Dr. Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin im Umweltbundesamt, die einen allgemeinen Überblick gab, welche Pläne und Verordnungen es bereits gibt, um die Circular Economy voranzutreiben. Und dass diese unter aktuellen Umständen nicht mehr ausreichen, respektive nachjustiert werden müssen.

Ihr folgte Philipp Leschinski, Project Manager Circular Economy, Data Driven Value Chain bei BMW, und Product Manager bei Catena-X. Bei Catena-X schlossen sich 28 Unternehmen zu einer digitalen Plattform zusammen, mit der Themen wie die Kreislaufwirtschaft weiterentwickelt werden können. Vom Sourcing bis zum Recycling, womit Leschinski eine Steilvorlage für Marius Pohl, Chief Executive Officer (CEO) der LRP Group gab. Er ist auch Vorsitzender der Fachgruppe Autorückmontage des BDSV, der hier auch mit seinem hellen, eleganten Anzug auffiel und für alle Autoverwerter sprach, als CEO des größten Unternehmens der Branche.

Die Autoentsorgung hat noch riesiges Potenzial

LRP verwertet 14.000 Altautos jährlich. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1000 Betriebe, aber: Die sind kleinteilig organsiert und: Von allen Autos kommen nur 20 Prozent kommen bei den Verwertern an und davon werden nur zwölf Prozent umfassend recycelt. Seiner Meinung nach liegt das an der Altautoverordnung, die per se zwar extrem gut sein, aber gern unterlaufen werde. Anders in Skandinavien oder den Biederlanden, wo man Autos nur Verwertungsnachweis aus dem Verkehr nehmen kann.

Oberstes Ziel: Wiederverwenden statt verschrotten

Der erste Schritt ist immer die Wiederverwertung der Komponenten, die wir gern wieder in den Markt bringen würden. Doch die Branche besteht aus lauter Mittelständlern – wenn wir hier Zugang zu Ersatzteilplattformen hätten oder Anfragen von OEMs sehen könnten, würde uns das sehr helfen. Weshalb Systeme wie Catia X ein guter Ansatz wären. Von einem Auto muss man eigentlich nichts „wegschmeißen“, aber noch immer gingen laut Pohl viel zu viele Fahrzeuge bestenfalls teilzerlegt einfach in die Presse. Das ist eine riesige Rohstoffverschwendung.

Auch Kunststoffe können recycelt und geschreddert werden, nur: Mit 500 Tonnen Kunststoff brauchen sie keinem Schredderbetrieb zu kommen. Doch wenn sich alle tausend Recyclingbetriebe in Deutschland zusammenschließen würden, hätte man ein ganz anderes Volumen – dann würde sich auch das Schreddern von Kunststoff lohnen.

Ihm folgte Dr. Andreas Levermann, Technischer Geschäftsführer Schwering & Hasse Elektrodraht GmbH und Synflex Elektro GmbH. Er erklärte:

„Ich freue mich, dass das Kupferkabel auf dem Technischen Kongress angekommen ist.“

Ein komplexes Thema, das in Zeiten knapper Rohstoffe brisant und komplex ist, zumal das Unternehmen jährlich mehrere Zigtausend Kilometer Draht erzeugt. Warum das Ganze so brisant ist, erklärte mit Levermann zusammen Michael Wieland, Geschäftsführer der SynFlex Dienstleistungsgesellschaft mbH. Er eröffnete mit der Frage:

„Kunden fragen immer Gibt es noch Kupfer? Ja, sogar so viel, dass wir es verkaufen.“

Das Problem mit den Rohstoffen sei laut Wieland nicht deren Verfügbarkeit, sondern meist ein Ort- und Zeitproblem: Meist sind sie nicht dort, wo man sie benötigt und wenn man sie benötigt sind sie zu teuer. Und man sei in einem extrem volatilen Markt unterwegs: Von der Gewinnung des Kupfers bis zum verarbeiteten Endprodukt können fünf bis sechs Wochen vergehen, da kann man schon wieder ganz andere Preise haben. Dagegen kann man sich absichern. Das könne man laut Wieland tun oder sich „sehenden Auges voll ins Risiko begeben“.

Normung tut Not – sonst Normen andere

Die Frische seines Vorredners nahm Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN Deutsches Institut für Normung e. V. auf. Er mahnte an, das Thema Normierungen, in dem Deutschland erwartungsgemäß stark ist, nicht anderen zu überlassen, denn: Mit Normierungen setzt man Standards, an die sich alle halten müssen. Und die gestaltet man Winterhalters Ansicht nach lieber selbst. Das haben auch asiatische Nationen entdeckt, die seiner Erfahrung nach in letzter Zeit verstärkt Normierungsprozesse angerstoßen und vorangetrieben haben. In der Praxis mache gerade die Diskussion mit Technikern und Ingenieuren die Normierung so spannend. Winterhalter schloss mit den Worten: „Ich bin Ingenieur und dachte mit Normierung – das ist furchtbar langweilig! Glauben Sie mir, das Gegenteil ist der Fall!“

Was bedeutet das?

Circular Economy kann extrem spannend sein. Wenn man es so bunt angeht wie das Panel auf dem VDA, das in dem Fall Kupferkabel über die Fahrzeugverwertung bis zu Catena-X reichte.

Printer Friendly, PDF & Email