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VDA-Halbjahresbilanz: "Mobilität von morgen ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Der Branchenverband konstatiert sinkende Verkaufszahlen bei Neuwagen, insbesondere in China und den USA. Man sieht in Sachen E-Mobilität und Vernetzung die Politik in der Pflicht, viel stärker in die Infrastruktur zu investieren und die Industrie nicht alleine zu lassen.

Will von der Politik nicht alleine gelassen werden: VDA-Präsident Bernhard Mattes, hier bei der Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018, sieht die Transformation der Mobilität als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. | Foto: J. Reichel
Will von der Politik nicht alleine gelassen werden: VDA-Präsident Bernhard Mattes, hier bei der Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018, sieht die Transformation der Mobilität als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Der Verband der Automobilindustrie VDA hat bei seiner Halbjahres-Pressekonferenz in Berlin vor den Folgen der Handelsstreitigkeiten und des Brexit gewarnt und sinkende Verkaufszahlen bei den Neuwagen konstatiert. Der Absatz in Deutschland werde in diesem Jahr trotz gutem ersten Halbjahr insgesamt um ein Prozent sinken, ähnliches erwartet VDA-Verbandspräsident Bernhard Mattes für ganz Europa. Schlimmer trifft es die deutschen Hersteller in den Kern- und Wachstumsmärkten USA und China, wo man mit vier Prozent niedrigerem Absatz rechnet, aber immerhin auf einen wachsenden Marktanteil der deutschen Anbieter verweist. "Handelskonflikte richten massiven Schaden an", mahnte Mattes im Hinblick auf die weiter angedrohten Sonderzölle, die US-Präsident Donald Trump in den Raum gestellt hat. Mattes sieht keinen Anlass für Entwarnung. "Drei von vier Pkw, die in Deutschland verkauft werden, gehen in den Export, die meisten nach Großbritannien und in die USA", skizzierte Mattes. In den deutschen Fabriken sank die Produktion mit 2,5 Millionen Einheiten um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr geht Mattes von einem Minus von fünf Prozent aus. Immerhin sieht man das Freihandelsabkommen der EU mit Mercosur als "hoffnungsvolles Signal".

VDA sieht Politik in der Pflicht, vor allem bei E-Ladeinfrastruktur

Generell äußerte Mattes, die Mobilität von morgen sei "eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", die sich nicht an eine Branche delegieren lasse. "Alle Akteure – Politik, Industrie, Gesellschaft - müssen ihren Teil dazu beitragen", so der VDA-Präsident. Im Zentrum steht nach seiner Ansicht in den kommenden Jahren die Elektromobilität, batterieelektrisch und als Plug-In-Hybrid. Um die für Mattes "sehr ehrgeizigen CO2-Flottengrenzwerte der EU für 2030 zu erreichen", sei die schnelle Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen notwendig.

"Auch wenn das in Brüssel nicht so laut gesagt wird: Fakt ist, dass diese Flottengrenzwerte erstmals implizit auch eine Technologievorgabe enthalten, mit der die Ziele erreicht werden können", befand der VDA-Präsident.

Aus seiner Sicht bedeuteten "Minus 37,5 Prozent CO2":, dass im Jahr 2030 in Deutschland 7 bis 10,5 Mio. E-Autos im Bestand auf der Straße sein müssten. Für Mattes ist dabei die Ladeinfrastruktur im öffentlichen und privaten Raum zentral. Er forderte, diese müsse rasch, nachhaltig und flächendeckend ausgebaut werden.

"Heute haben wir 17.400 öffentliche Ladepunkte. Notwendig sind bis zum Jahr 2030 1 Mio. öffentliche Ladepunkte, zusätzlich 100.000 Schnellladepunkte sowie mehrere Mio. private Ladepunkte", appellierte Mattes.

Der VDA-Präsident meint, das Gipfelgespräch vor einer Woche mit Spitzen der großen Koalition und Regierungsparteien sowie Gewerkschaften habe dafür "wichtige Impulse" gesetzt und alle Teilnehmer sähen "die gemeinsame Aufgabe".

Alternativen "nicht ins Regal stellen": E-Fuels, CNG, Wasserstoff

Darüber hinaus dürfe man aber andere Alternativen "nicht zurück ins Regal" stellen. Dazu gehören aus seiner Sicht klimaneutrale E-Fuels, CNG und Wasserstoff, die vor allem für die schweren Nutzfahrzeuge für das CO2-Reduktionsziel von 30 Prozent notwendig seien. "Insbesondere für sie können wir nicht alles auf die batterie-elektrische Karte setzen", meinte Mattes. Große Hoffnung setzt der VDA-Chef auch auf die "freiwillige Anrechnung regenerativer Kraftstoffe auf die CO2-Flottenziele", die er sogar als wichtigsten Baustein sieht. Dies könne im Reviewprozess der EU-Flottenregulierung - 2022 für schwere Nutzfahrzeuge und 2023 für Pkw - eingeführt werden.

Vernetzung braucht starke Netze - neue Fahrdienste neue Gesetze

In Sachen Vernetzung und Autonomes Fahren mahnte Mattes, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen müssten verbindlich geplant und festgelegt werden.

"Neben der Vernetzung brauchen wir ein besseres Verkehrsmanagement und die rechtlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen für modernste Verkehrsdienstleistungen", so der Verbandschef. 

Bis 2025 müssen wir eine flächendeckende, dynamische Mobilfunkversorgung erreichen sowie die Hauptverkehrswege und urbanen Räume mit 5G abdecken. Auch die rechtlichen Voraussetzungen für höhere Automatisierungsstufen müssen zügig geschaffen werden. Es muss gewährleistet sein, dass die Infrastruktur mit den Fahrzeugen kommunizieren kann, damit Ampeln und Fahrzeuge „miteinander sprechen“ können. Auch die KI-Kompetenz muss weiter gestärkt werden.

"Wir brauchen zudem eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes. Die bisherige Fassung ist etliche Jahre alt und passt nicht für digitale Dienste, wie etwa Ridesharing oder Ridehailing.

Mattes erhofft sich eine Entlastung des Verkehrs in den Städten sowie eine Verbesserung des Nahverkehrs auf dem Land.

Kommende IAA soll Plattform-Charakter haben

 Für die kommende IAA im September kündigte Mattes eine Umstrukturierung an, die der Transformation Rechnung trägt. Erstmals gibt es die neuen Formate “IAA Conference”, “IAA Exhibition”, “IAA Experience” und “IAA Career”. Damit soll die IAA "viel mehr als eine Showbühne" sein, sondern auch Netzwerk-, Diskussions- und Demonstrationsfläche. "Der Plattformcharakter der IAA zielt auf die Vernetzung aller Akteure der neuen Mobilität", erklärte Mattes.

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