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VCD-Umweltliste: Benzin-Hybride liegen weiter vorn

Vor allem Toyota, aber auch Hyundai und Kia positionieren sich im Umweltranking mit ihren preiswerten Hybriden vorn. Doch auch Kleinwagen ohne Direkteinspritzung überzeugen. E-Autos generell auch, aber eher für Vielfahrer und Fuhrparks - und wenn man warten kann.

Auf den Punkt gebracht: Der Slogan trifft es, Autos wie der Ford Focus für Familien, der Renault Zoe für Car Sharing Fuhrparks oder der Toyota Prius als Öko-Überflieger bilden ein breites Spektrum nachhaltiger Auto-Mobilität. | Foto: VCD
Auf den Punkt gebracht: Der Slogan trifft es, Autos wie der Ford Focus für Familien, der Renault Zoe für Car Sharing Fuhrparks oder der Toyota Prius als Öko-Überflieger bilden ein breites Spektrum nachhaltiger Auto-Mobilität. | Foto: VCD
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Johannes Reichel

In der jüngst veröffentlichten Umweltliste des ökologischen Verkehrsclubs VCD liegen weiterhin Benzin-Elektro-Hybride im Ranking vorn. "Sie setzen den Maßstab in puncto Sparsamkeit", urteilt der Verband. Und bemängelt zugleich, dass man diese Technik im Angebot deutschen Autohersteller kaum findet. Der Verband zeigt sich überzeugt von dem Konzept Benzin-Elektro-Hybride: "Sie erfüllen Bedürfnisse vieler Autofahrerinnen und Autofahrer, denn sie fahren sauber im Stadtverkehr und sind langstreckentauglich", so die Analyse. Verbrauchsärmster Pkw mit Verbrennungsmotor ist denn auch der Toyota Prius. Daneben empfiehlt der VCD weitere Modelle aus dem japanischen Konzern, wie etwa den Toyota Yaris und den Lexus CT 200h. Allerdings positionieren sich mittlerweile auch koreanische Hersteller beim Thema Hybrid, wobei der Hyundai Ioniq Hybrid und der Kia Niro HEV im VCD-Ranking nicht ganz die auf die Werte der Toyota kommen.

Kaum Erdgasautos: Hersteller liefern keine WLTP-Werte

Enttäuschend niedrig ist der Anteil an Erdgasautos in der Auflistung, die der VCD grundsätzlich für umweltfreundlicher hält. "Sie stoßen weniger CO2 aus als Benziner und verbrennen Kraftstoff sauberer als Diesel-Pkw", so die Analyse. Der erdgasbetriebene Kleinstwagen VW eco up! ist denn auch der sparsamste Verbrenner, und zugleich einzige Erdgasauto. Der schlichte Grund: Für andere Modelle konnten die Hersteller keine Verbrauchsangaben nach dem neuen realistischeren WLTP-Test liefern.

Konventionelle Antriebe: Kleinwagen mit Benziner sind top

Unter den konventionell angetriebenen Fahrzeugen empfiehlt der Verband kleine Benziner, die auch ohne Direkteinspritzung sparsam sind. Dazu gehören der Citroën C1, der Peugeot 108 und der Toyota Aygo, die seit Jahren in Umweltrankings gut abschneiden. "Sie sind leicht und verbrauchen deshalb wenig, eignen sich sehr gut als Stadtauto und sind auch durchaus autobahntauglich", urteilen die Fahrzeugexperten des Verbands. Für mehr Platzbedarf empfiehlt der VCD als sprasames und günstiges Auto mit viel Platz den Ford Focus 1.0 l EcoBoost. Der Benzin-Direkteinspritzer sei bereits mit Partikelfilter ausgestattet und damit auf dem jüngsten Stand. Nur für Vielfahrer für empfehlenswert hält der VCD einige Diesel-Pkw wie etwa den Peugeot 308 SW Blue HDi 100. "Sie halten dank SCR-Katalysator die aktuelle Abgasnorm Euro 6d-TEMP ein, nicht nur bei Tests im Labor sondern auch bei Fahrten auf der Straße", so das Urteil. Überhaupt erwähnen die Autoren lobend, dass der PSA-Konzern mittlerweile unabhängig geprüfte Realemissionswerte veröffentlicht.

Wenig umweltfreundlich: Schwere Elektro-Limousinen und Hybrid-SUV

Dagegen warnt der Verkehrsclub vor dem Kauf neuer Diesel der Euro 6c-Norm. Diese stießen oft ein Vielfaches der erlaubten Stickoxidwerte aus. Auch von Benzin-Direkteinspritzern ohne Partikelfilter rät der ökologische Verband ab. Für die Umwelt schädlich sind aus Sicht des VCD auch "große E-Limousinen oder elektrobetriebene SUVs". Sie benötigten große Batterien oder wiesen in Kombination mit Verbrennungsmotor als Plug-In-Hybrid lediglich auf dem Papier niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte auf, so die Einschätzung des Verbandes.

E-Autos: Immer interessanter, aber lange Lieferzeiten

Bei den Elektroautos konstatiert der Verband zwar Fortschritte. Autos wie Renault Zoe, Nissan Leaf, BMWi3 oder der VW e-up! lohnten sich immer mehr, so das Urteil Wie klimaverträglich sie seien, hänge aber vom Strommix ab. "Mit dem Zubau erneuerbarer Energien und dadurch, dass Antrieb und Batterieproduktion sich weiter entwickeln, werden E-Fahrzeuge aber ökologisch immer besser". Dennoch sieht der Verband derzeit primär zwei Probleme: Es gebe noch zu wenige Modelle - gelistet sind exakt sieben Fahrzeuge - und diese hätten zum Teil "absurd" lange Lieferzeiten. "Aus ökologischer Sicht lohnen E-Autos sich nicht für Wenigfahrer oder als Zweitwagen, der höchstens 5000 Kilometer im Jahr unterwegs ist", bringt der Verband auf den Punkt. Denn die Batterieproduktion sei extrem energieaufwändig. "Besonders geeignet sind E-Autos in städtischen Fuhrparks und als Carsharing-Pkw. Als Privatfahrzeug eignet es sich am ehesten für umweltbewusste Pendlerinnen und Pendler mit täglichen Fahrten von 30 und mehr Kilometern pro Strecke." Bei den Plug-In-Hybriden führt der VCD lediglich drei Modelle an: BMW i3, Toyota Prius PHEV sowie Hyundai Ioniq PHEV.

Auffallend in der Liste ist, dass der europäische Marktführer Volkswagen es neben dem Up nur mit dem Polo Benziner in die sogenannte Positivliste der empfohlenen Fahrzeuge bei den Verbrennern/Hybriden schafft, die strikte Bedingungen setzt:

  • Alle Fahrzeuge wurden bereits nach dem WLTP gemessen und stoßen in diesem Test nicht mehr als 135 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das entspricht einem Verbrauch von 5,1 Litern Diesel bzw. 5,7 Litern Benzin auf 100 Kilometer.
  • Diesel-Pkw erfüllen die Euro-6d-TEMP-Norm und reinigen die Abgase mit einem SCR-Kat.
  • Benziner mit Direkteinspritzung erfüllen ebenfalls die Norm Euro-6d-TEMP und haben einen Partikelfilter.
  • Benziner ohne Direkteinspritzung benötigen keinen Filter, es reicht die Euro-6c-Norm.
  • Die Lieferzeit bei Elektroautos beträgt maximal sieben Monate.
  • Plug-In-Hybride stoßen im Verbrennungsmodus nicht mehr als 135 Gramm CO2 pro Kilometer nach WLTP aus.
  • Der Fahrlärm beträgt nicht mehr als 73 dB(A).

Reichlich vertreten sind neben Toyota und den koreanischen Herstellern dagegen der PSA-Konzern mit Benzinern und Diesel-Fahrzeugen sowie der offenbar schnell geläuterte Renault-Dacia-Konzern mit den Benziner- sowie Diesel-Modellen, wobei letztere sämtlich Euro-6dTemp erfüllen. Auch BMW ist immerhin mit vier Fahrzeugen vertreten, hier auffälligerweise allesamt Diesel, was für das hohe technische Niveau der Abgasreinigung der Münchener spricht.

Was bedeutet das?

Die mittlerweile etablierte, von manchem Hersteller gar gefürchtete Umweltliste des VCD ist ein Spiegelbild des derzeitigen Auto-Marktes unter ökologischen Aspekten. Sie berücksichtigt neben der Herstellerangaben, so sie diese denn freiwillig liefern, auch unabhängige Tests und zugängliche Daten insbesondere zum Verbrauch. Daher darf sie als gute Orientierungshilfe gelten, auch für Fuhrparkbetreiber, die auf der Suche nach "wirklich" umweltfreundlichen Fahrzeugen sind. Gut daran ist, dass der alternative Umweltverband das Thema Auto sehr nüchtern betrachtet, dem "Tanz ums goldene Kalb" rigoros Einhalt gebietet, ohne die "Auto"Mobilität selbst zu verteufeln. Es geht hier um nachhaltige (Auto)Mobillität, nicht Höchstgeschwindigkeit oder High-Tech-Klim-Bim. Dass es aber auch Autos auf die Liste schaffen, die jede Menge Freude am Fahren (und am Sparen) vermitteln, ist umso erfreulicher. Die Conclusio für den Moment lautet aber auch: Die ach so gehypten Elektro-Autos lohnen sich nur für Pendler, Fuhrparks und Car-Sharing wirklich. Jeder Privatmann mit geringer Kilometerleistung fährt mit einem schlichten Benziner wie dem PSA-Toyota-Trio oder dem VW Up besser, jede Familie mit tollen Raumautos wie dem Ford Focus Turnier. Und nur Kilometerfresser fahren mit einem Diesel gut. Dass der auch "sauber geht", beweist die Liste allerdings auch.

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