Vässla expandiert mit Abo nach Berlin

Schwedisches Start-up sammelt zehn Mio. Euro ein und expandiert in der Bundeshauptstadt mit dem E-Scooter-Abo. Das zur IAA präsentierte Bike mit eigenem Akku positioniert man zwischen Tretroller und E-Mofa.

Teil einer "Urban Tribe": Vässla-Deutschland-Chef Hannes Ahbe sieht in dem neuen E-Scooter eine eigene Spezies und eine ernsthafte Alternative zum Auto. | Foto: Vässla
Teil einer "Urban Tribe": Vässla-Deutschland-Chef Hannes Ahbe sieht in dem neuen E-Scooter eine eigene Spezies und eine ernsthafte Alternative zum Auto. | Foto: Vässla
Johannes Reichel

Das schwedische Start-up Vässla hat seinen Start auf dem umkämpften Berliner Mikromobility-Markt angekündigt und will vor allem mit seinem Vässla Bike reüssieren. Man sieht in dem faltbaren, bis zu 25 km/h schnellen und mit einer Akkufüllung bis zu 40 Kilometer reichenden Elektrokleinstfahrzeug eine Kategorie zwischen E-Bikes und E-Scooter und zudem eine "ernsthafte Alternative zum Auto". Die Nutzung ist an ein Abo-Modell ähnlich den Fahrradabokonzepten wie Swapfiets gekoppelt, den „Vässla Club“, der einen Rundum darstellen will.

Die Schweden glauben, dass Autos in europäischen Städten künftig mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Speziell die deutsche Hauptstadt betrachtet man als Vorreiter nachhaltiger Mikromobilität und als Tech- und Innovationshub für vielversprechende Mobility Start-ups. Etliche Sharing-Anbieter hätten den Berliner Markt in den letzten Jahren bereits erobert und dabei ein neues Konzept urbaner Mobilität kreiert. Allerdings sieht jedoch noch eine "Lücke zwischen den unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln und einem Lifestyle", heißt es von den Schweden.

„Die Tatsache, dass unsere Vässla Bikes – anders als die meisten E-Scooter - immer nur einen Besitzer für einen bestimmten Zeitraum haben und rundum gewartet werden, erfüllt einen hohen Qualitätsanspruch. Wir verstehen unsere Marke als Urban Tribe und wichtigen Teil der E- Mobilitätsszene, die Berlin zu einer lebenswerteren Stadt macht“, skizziert Hannes Ahbe, General Manager von Vässla in Deutschland.

Abhe kommt ursprünglich aus dem Fintech-Bereich, wo er bereits mit einem Unternehmen nach eigenen Angaben erfolgreich nach Deutschland expandierte. Er wechselte 2019 zu Vässla, leitet die Expansion und Positionierung des Unternehmens voran und arbeitet eng mit Rickard Bröms, dem CEO von Vässla zusammen.

„Wir haben Berlin als Ausgangspunkt für den Start unseres Abo-Modells in Deutschland aus zwei Gründen gewählt. Erstens passt die progressive Atmosphäre, die die Stadt ausstrahlt, wie die Faust aufs Auge zur Marke Vässla. Zweitens ist Berlin eine wachsende Stadt mit steigenden Verkehrsproblemen, die angegangen werden müssen. Vässla ist hier, um den Menschen in Berlin eine Alternative zum Auto zu bieten“, meint Rickard Bröms.

Neue Fahrzeugkategorie überzeugt Investoren

Dabei verwehrt man sich gegen die Kategorisierung "Elektroroller“ und sieht das Bike, auf dem man aufrecht wie auf einem Barkhocker sitzt, als E-Mofa zwischen E-Bikes und E-Scooter. Gegenüber den Scootern führt man dabei eine deutlich höhere Reichweite ins Feld. Offenbar konnte das Konzept auch einige Investoren überzeugen. In der letzten Kapitalrunde Mitte diesen Jahres, hatte das schwedische Start-up zehn Millionen Euro an Kapital eingesammelt. Das Prinzip "Mieten statt kaufen" kennt man bereits von Fahrradverleihkonzepten oder Auto-Abo-Modellen. Mit dem Community-Gedanken greift man Ideen etwa der Geely-Tochter Lynk & Co auf.

Die Mitgliedschaft im Vässla-Club wird über eine Sharing-App mit Flottenmanagement-Funktion realisiert, die Nutzern den Zugang zu ihrem neuen Bike ermöglicht. Zur Wahl stehen zwei verschiedenen Modellen, ein sechsmonatiges Abonnement für 79 Euro/mtl. oder ein Monatsabo für 79 Euro/mtl. und zusätzlich 50 Euro Einrichtungsgebühr. Bei beiden Modellen erhalten Clubmitglieder neben einer Versicherung und einer Rundum-Service-Garantie auch einen Helm samt Schloss und das E-Mobil wird direkt nach Hause geliefert. Dort werde das teilweise faltbare, kompakte und mit 21,5 Kilo ohne den aus dem Sitzrohr herausnehmbaren Samsung-Akku (plus 3,5 Kilo) relativ leichte Gefährt auch für gewöhnlich verstaut, was einer unnötigen Ansammlung auf Gehsteigen und Hauseingängen entgegenwirken soll.

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