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Uscale-Umfrage: Offen für variable Ladetarife, wenn der Preis passt

Elektro-Auto-Fahrer erwarten von variablen Tarifen spürbare Preisunterschiede, resümiert eine neue Studie. Und sie befürchten, letztlich mehr zu zahlen als bei fixen Gebühren. Knapp 40 Prozent erwarten einen Nachlass von 10 bis 14 ct/kWh.

Flexibler Laden: Die Bereitschaft, nach Tageszeiten zu laden und damit zu sparen, ist bei einem Drittel durchaus vorhanden - hängt aber von den Preisdifferenzen ab. | Foto: Uscale/Adobe
Flexibler Laden: Die Bereitschaft, nach Tageszeiten zu laden und damit zu sparen, ist bei einem Drittel durchaus vorhanden - hängt aber von den Preisdifferenzen ab. | Foto: Uscale/Adobe
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Johannes Reichel

Damit sich der Umstieg auf variable Tarife für Elektroauto-Fahrende lohnt, müssen sich die Preise innerhalb des Tarifs spürbar unterscheiden. Das ist eines der Ergebnisse der Smart Charging Studie 2024, die das Stuttgarter Marktforschungsunternehmen UScale Ende vergangenen Jahres durchgeführt hat. Laut Gesetzgeber müssen ab 2025 alle Energieanbieter dynamische Tarife im Programm haben. Nun gehe es darum, Kunden von der Idee zu überzeugen, skizzieren die Analysten den Hintergrund. Eine besonders interessante Zielgruppe für variable Tarife seien dabei E-Auto-Fahrende, die ihre Stromkosten durch angepasstes Ladeverhalten senken können. Leitende Fragestellung der Studie war, wie EV-Fahrer und -Fahrerinnen überhaupt zu dynamischen Stromtarifen stehen.

Nachlass von 14 ct/kWh wird erwartet

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, erwartet mit 39% der größte Teil der Befragten mindestens 10 bis 14 Cent Preisnachlass pro kWh. Für 27% der Befragten genügen weniger. Alle anderen erwarten eine noch höhere Preisspreizung, damit sie sich auf die Konditionen eines variablen Stromvertrages einlassen. Nutzungsgründe und Nutzungsbarrieren zu variablen Tarifen Fragt man EV-Fahrende nach möglichen Motiven für einen Wechsel zu variablen Tarifen zuhause, nennen 78% die Möglichkeit zum Sparen. Neben den monetären Aspekten spielen aber auch andere Motive eine wichtige Rolle: Für 80% der Befragten ist die entlastende Wirkung für das Stromnetz und für 58% die Erhöhung des Ökostromanteils am Verbrauch ein wichtiges Umstiegsmotiv. Das Bewusstsein für die energieseitigen Zusammenhänge zwischen Elektromobilität und Erneuerbarer Energie ist bei den aktuellen eAuto-Fahrenden also hoch. Nur 2% der Befragten geben an, dass sie keine Vorteile in den neuen Tarifen sehen.

„Variable Tarife sind ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Die Begeisterung bei den Kunden ist aber trotz allgemein hoher Strompreise in Deutschland geringer als wir vermutet hatten. Hauptgrund ist der sogenannte Ladedschungel, über den viele eAuto-Fahrende noch immer klagen. Nachdem die Tarifwelt mit dem Verschwinden von Zeittarifen über die Jahre einfacher wurde, wird sie mit variablen Tarifen nun wieder komplizierter", meint Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer Uscale GmbH.

Sorge vor Mehrpreis zu statischem Tarif

Aber: Befragt nach den Nachteilen von variablen Tarifen zuhause, äußert knapp die Hälfte die Sorge, am Ende mehr als mit einem statischen Tarif zu zahlen. Dazu fürchten die Befragten, dass das Laden mit schwankenden Tarifen insgesamt komplizierter wird. Andere sorgen sich davor, dass die Preise unübersichtlicher werden. Bei variablen Tarifen für das Laden im öffentlichen Raum nennen EV-Fahrende ähnliche Vorteile. Allerdings werden für den öffentlichen Raum deutlich mehr Nachteile genannt. So fürchten z.B. 64%, dass Ladepreise unübersichtlicher werden. 58% haben die Sorge, am Ende mehr zu zahlen als bei statischen Tarifen. 53% fürchten, dass variable Tarife das Laden insgesamt noch komplizierter machen.

Nach welchen Kriterien schwankt der Preis?

Neben den spürbaren Preisunterschieden innerhalb des Tarifs ist für Kunden die Frage wichtig, nach welchen Kriterien der Preis schwankt. Bei variablen Strompreisen zuhause zeigen die heutigen EV-Fahrenden das höchste Interesse an Tarifen, die in Abhängigkeit der Tageszeit oder des verfügbaren Ökostroms, also z.B. Wind und Sonne, variieren. Das Interesse an dynamischen Tarifen in Abhängigkeit vom Börsenkurs ist dagegen deutlich geringer. Das Laden im öffentlichen Raum bietet noch zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Steuerung variabler Strompreise. Dazu zählen variable Preise in Abhängigkeit vom Betreiber, der Auslastung oder des Standorts. Sie alle werden nur von rund jedem Vierten als sehr attraktiv bewertet.

Fazit: Abhängig von der eigenen Wahrnehmung

Ob variable Tarife für einen Kunden in Frage kommen, hängt von der persönlichen Wahrnehmung der Vor- und Nachteile ab. Die Studie zeigt, dass am Ende knapp jeder Dritte für variable Tarife zuhause erreichbar ist. Bei variablen Tarifen zum öffentlichen Laden sieht es deutlich kritischer aus: Angesichts der vielen Nachteile ist nur jeder Sechste erfolgreich ansprechbar. Variable Tarife werden also kein Selbstläufer.

„Die hohe Zurückhaltung kann überwunden werden. Wenn die Preisunterschiede groß genug sind und die Anbieter für Transparenz und einfache Handhabung sorgen, können variable Tarife erfolgreich sein. Andere europäische Länder sind schon einen Schritt weiter. Ein Beispiel ist Spanien: Seit 2021 schwankt der Strompreis in Abhängigkeit von der Tageszeit deutlich. Deshalb richten 40% der spanischen eMobilisten ihr Ladeverhalten nach der Tageszeit", erklärt Sprenger weiter.

Der Marktforscher hat im November 2023 insgesamt 2.001 E-Auto-Fahrende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz online nach ihren Einstellungen zum Smart Charging befragt. Neben den variablen Tarifen wurde auch die Akzeptanz des bi-direktionalen Ladens im Netz und Vehicle-to-Home-Lösungen ermittelt. Die Studie wurde nach 2021 zum zweiten Mal durchgeführt und hilft Anbietern bei der Entwicklung variabler Tarifmodelle und Angebote.

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