Uniti steht kurz vor der Insolvenz

Keine Pressemitteilung, sondern ein persönlicher LinkedIn-Beitrag von Uniti-CEO Lewis Horne erklärt, wie es dem Unternehmen aktuell geht.

Der erste Prototyp hatte im Mai 2021 den Vorserienstatus erreicht. | Foto: Uniti
Der erste Prototyp hatte im Mai 2021 den Vorserienstatus erreicht. | Foto: Uniti
Gregor Soller

Die Pandemie hat auch Uniti zugesetzt: Die nächste geplante Finanzierungsrunde verzögerte sich und das Team, das seit längerer Zeit schon kein Gehalt mehr erhält, wurde auf ein absolut nötiges Minimum reduziert. Es gab Verhandlungen mit einem strategischen Investor aus China, der bis zum 30. November eine Überbrückungsfinanzierung bereitstellen sollte. Da sich diese jedoch verzögerte, muss Uniti nun in weniger als einer Woche 500.000 Euro aufbringen – andernfalls müsse man Insolvenz anmelden.

Ein Investor aus China forderte Exklusivität - überwies aber dann nicht wie geplant

Die Pandemie habe Uniti schon 2020ergriffen: So habe ein Engineering-Partner Karosserieteile bei einem Unternehmen geordert, dass sich ausgerechnet in Wuhan befindet – wo 2020 eine vorübergehende Sperrzone entstand. Das knappe Budget ließ damals keine Alternativen zu. Folglich zog sich die Montage der ersten Prototypen auf Vorserienstand bis ins zweite Quartal 2020. Parallel suchte Uniti nach Partnern für die Produktion, die eigentlich in Großbritannien stattfinden sollte – auch für Uniti ein großes Problem. Denn als Anfang 2021 der seriennahe Prototyp fertig war, wurde er erstmal nur den Aktionären präsentiert, aber nicht der Öffentlichkeit. Das sei laut Horne der Wunsch eines „strategisch wertvollen Partners“ gewesen, der nicht nur das benötigte Kapital, sondern die „Produktionsherausforderungen“ lösen wollte. Seit Mai 2021 habe man sich folglich auf diesen nicht genannten Investor fokussiert und eine „Exklusivitätsvereinbarung“ eingehalten. Und darauf verzichtet, weitere Gelder anderer Investoren einzuwerben.

Doch nun ist die erste, für Ende November zugesagte Finanzierung nicht überwiesen worden – laut Horne wegen „Beschränkungen des Kapitalabflusses aus China“. Der Investor kann auf die Exklusivitätsklausel verzichten, dass man Kapital aus anderen Quellen aufnehmen und genügend Zeit für den Abschluss des Deals gewinnen könne, erklärt Horne weiter und er schließt frustriert:

„Meine Hoffnung war, dass ich heute der Öffentlichkeit mitteilen würde, dass wir endlich gute Nachrichten haben. Stattdessen haben wir Mühe, ohne diese Mittel weiterzumachen.“

Den neuen potenziellen Investoren macht Horne ein konkretes Angebot: Als Brückenfinanzierung benötigt Uniti 675.000 Euro. Dazu kommen vier Millionen Euro für die ersten Demofahrzeuge und 60 Millionen Euro für eine Uniti-Fabrik in China, sowie weitere Mittel für Betrieb und Marketing aus dem internen Budget des Investors. Ein dann folgender Börsengang soll binnen 12 Monaten angestrebt werden. damit scheint die Option, das Auto, das in UK entwickelt wurde, auch dort zu bauen, vom Tisch zu sein. In Großbritannien wollte man zu Preisen ab 17.760 Euro brutto starten.

Horne hat nie geglaubt, dass diese Reise einfach sein würde: „Wir wissen nur, dass es für die Welt von Vorteil wäre, wenn sich der Trend hin zu leichten, ressourceneffizienten, digital ausgerichteten und gemeinsam genutzten Elektroautos vollziehen würde.“

Und auch er hatte gehofft, Erfolg zu haben. Stattdessen seien die letzten Jahre „eine Geschichte des Überlebens und der Beharrlichkeit“ gewesen angesichts ständiger Rückschläge. Er schließt:

„Ungeachtet des Ergebnisses bin ich stolz darauf, dass mein außergewöhnliches Team jeden Tag dafür gekämpft hat, diesen Traum zu verwirklichen.“

Was bedeutet das?

Mit Uniti knickt das nächste vielversprechende Start-up im Micro-Car-Segment ein. Mit der speziellen Sitzanordnung (Fahrer in der Mitte plus zwei Beifahrer) hätten die Schweden eine interessante Premium-Alternative im Microsegment angeboten – optional mit bis zu 300 Kilometern Reichweite. Umso bedauerlicher ist jetzt, dass der Switch nach China der Mannschaft jetzt auf die Füße fällt.

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