Und täglich grüßt das Murmeltier

Christoph Erni über eigenartige Ladekonzepte, die seiner Meinung nach den Durchbruch nicht schaffen werden.

Nicht alles was laden könnte, sollte auch laden: Christoph Erni fühlt (zu) innovativen Ladesystemen auf den Zahn. | Foto: Erni
Nicht alles was laden könnte, sollte auch laden: Christoph Erni fühlt (zu) innovativen Ladesystemen auf den Zahn. | Foto: Erni
Redaktion (allg.)

Das Leben ist während Corona nicht weniger lustig als sonst. Denn einige ganz schräge Ideen halten sich hartnäckig und poppen zu unserer Erheiterung immer wieder auf. Man fühlt sich in einer Zeitschleife gefangen, wie im Film. Zeit, sich darüber zu amüsieren.

Meine persönliche Nummer eins der Absurditäten ist das Laden an Laternenpfählen. Im Jahresrhythmus wird dieses Thema immer wieder als Neuheit serviert. Mal in Berlin, dann in Luzern, jetzt in Paris und weiteren Städten. Und jedes Mal wird die Idee mindestens als Ei des Kolumbus vorgestellt. Selbst in sonst renommierten Tageszeitungen fragen sich offensichtlich unbedarfte Journalisten, warum nicht früher jemand auf diese geniale Lösung gekommen sei.

Man könnte sich natürlich eher fragen, warum bereits ein Hersteller, der sich auf dieses Modell konzentriert hatte, insolvent gegangen ist. Tut aber niemand, denn gefühlt jeden Tag steht wieder jemand auf, der sich an Ideen verlustiert, die nur im Labor funktionieren. Denn es gibt eine Handvoll naheliegender Gründe, warum das mit dem Laden an Laternen nie etwas werden wird.

Zunächst einmal ist es einfach so, dass die Laternen halt per se nicht bei jedem einzelnen Parkplatz stehen. Auch entlang der Straße gibt es keine Korrelation zwischen Anzahl und Rhythmus der Laternenpfähle mit jenen der Parkfelder.

Dann reicht der Strom bei Straßenlampen einfach nicht zum Auto laden aus. Eine übliche Straßenleuchte ist mit 200 Watt angeschlossen. Damit ein E-Auto lädt, braucht es aber mindestens 1400 Watt.

Weiter schwächt ein Ausschnitt am Mast die Stabilität der Laterne. Teure Verstärkungen müssten eingeschweißt oder die Ladestation außen angebracht werden.

Bliebe als Vorteil also nur noch die gelegentliche Nutzung der Laternen als Haltepfosten für die Ladestation. Die Kosten entstehen aber durch die nötige größere Zuleitung und durch sichere Ladetechnik.

Aber, und das ist offenbar noch gar niemandem aufgefallen: Die Laternen stehen meist ganz am Rand, gesäumt vom Gehweg. Dann erst kommen Parkplätze und Straße. Und jetzt stellen Sie sich mal den fröhlichen Hürdenlauf vor, wenn all die Ladekabel als Stolperdrähte über den Bürgersteig gespannt sind.

Nicht alles was technisch möglich ist, ergibt auch Sinn. Aber unsere Branche kennt noch mehr Murmeltiere. Gespannt? Mehr dazu in der nächsten Kolumne!

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