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Uber-Börsengang: Weniger erlöst, weiter in der Kritik

Mit 8,1 Milliarden Dollar bleibt der US-Fahrdienstleister am unteren Ende der anvisierten Preisspanne und erlöst eine Milliarde weniger als erwartet. Neue Studie für San Francisco weist steigendes Verkehrsaufkommen nach. Der Anbieter reagiert mit Charme-Offensive und will nachhaltiger werden.

Neue Töne: Vor kurzem veröffentlichte Uber "Standpunkte für nachhaltige Mobilität" mit einem "Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung". | Foto: Uber
Neue Töne: Vor kurzem veröffentlichte Uber "Standpunkte für nachhaltige Mobilität" mit einem "Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung". | Foto: Uber
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Johannes Reichel

Der US-Fahrdienstleister Uber hat bei seinem Börsengang enttäuscht und mit 8,1 Milliarden Dollar eine Milliarde weniger an Erlös eingesammelt als erhofft und erwartet. Zu Handelsbeginn wurde der Wert des Unternehmens damit auf 75,5 Milliarden Dollar taxiert. Vor Monaten hatten Investmentbanker der zehn Jahre alten Firma bis zu 120 Milliarden Dollar zugetraut. Mit dem Ausgabepreis von 45 Dollar pro Aktie bewegte man sich am unteren Limit der angepeilten Preisspanne zwischen 44 und 50 Dollar. Der Börsengang des Fahrdienstleisters ist einer der größten der Geschichte. Die niedrigere Bewertung könnte auch damit zu tun haben, dass der Konkurrent Lyft, der vor einigen Wochen an die Börse gegangen war, seither nach starkem Beginn nur an Wert eingebüßt hatte.

Neue Studie: Keine Entlastung, sondern Erhöhung des Verkehrs

Unterdessen wurde eine weitere Einzelstudie zu den Auswirkungen der neuen Mobilitätsangebote aus den USA bekannt. Die Forscher von der University of Kentucky in Lexington kommen im Fachjournal "Science Advances" für das Beispiel San Francisco zu dem Schluss, dass die Dienste wie Uber und Lyft in erheblichem Maße zum steigenden Verkehrsaufkommen in der Metropole beitrügen. Dabei modellierte man die Situation vor Markerscheinen der Fahrdienstleister im Jahr 2010 und verglich sie mit der Verkehrslage 2016, nachdem die Unternehmen aktiv geworden waren. Die von den Anbietern behauptete Entlastung des Verkehrs sei nicht eingetreten.

Fahrgäste von Bussen abgezogen

Im Gegenteil hätten sich die Fahrten pro Fahrzeug um 13 Prozent erhöht, während es ohne Uber und Lyft nur sieben Prozent gewesen wären, so die Kalkulation der Forscher. Zudem hätten sich die gefahrenen Stunden pro Fahrzeug erhöht, um 30 Prozent, vin der Prognose ohne Uber und Lyft nur um 12 Prozent. Auch die ie Anzahl der verspäteten Stunden pro Fahrzeug wegen Staus lag 2016 um 62 Prozent höher als 2010, was ohne die von Uber und Lyft vermittelten Fahrten gemäß Modell nur 22 Prozent gewesen wären.

Zu allem Überdruss nahm auch die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen von San Francisco um 13 Prozent ab, ohne die Fahrdienste wären es modelliert nur 4 Prozent gewesen. Zurückzuführen sei das auf die vielen Abhol- und Einsammelvorgänge am Straßenrand. Nicht zuletzt hätten sich die Fahrgastzahlen für Busse, im Gegensatz zur Bahnnutzung im Zeitraum nicht erhöht, was auf einen Umstieg zu den Fahrdiensten hindeute, wie es auch schon frühere Studien nahelegten.

Ergebnisse nicht unbedingt auf andere Städte übertragbar

Kritisiert an der Studie wurde allerdings laut einem Bericht der Neuen Presse, dass die gestiegene Zahl der Pendler ebenso wenig berücksichtigt wurde wie der Anstieg des Paketlieferverkehrs, wie Christian Winkler vom Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin anmerkte. Er hält die Aussagen auch für nicht unbedingt übertragbar auf andere Städte, ist von dem Ergebnis selbst nicht überrascht. „Ein neues Verkehrsangebot bedeutet auch eine Attraktivitätssteigerung des Verkehrs an sich“, meint der Wissenschaftler gegenüber der Zeitung.

Uber Charme-Offensive: Bekenntnis zu nachhaltiger Mobilität

Uber hatte vor kurzem "Standpunkte für nachhaltige Mobilität" mit einem "Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung in sozialer und ökologischer Hinsicht" veröffentlicht, um der anhaltenden Kritik an mangelhaften Sozialstandards und fragwürdiger Ökobilanz zu begegnen. So wollte man klargestellt haben, "dass die deutliche Mehrheit der Fahrer in Deutschland bei Mietwagen-Partnern sozialversicherungspflichtig angestellt ist und dort mindestens den gesetzlichen Mindestlohn verdient". Zudem bekenne man sich zu einem Mobilitätsangebot, das über die Stadtzentren hinausgehe.

Darüber hinaus sei die Partnerschaft mit Taxis ein "wichtiges Anliegen", Taxis seien ein "unverzichtbarer Teil der Mobilität in Deutschland". In Berlin vermittle man bereits Fahrten an "eine große Zahl von Taxis", erhöht deren Auslastung. Der Anbieter betont auch seine Bemühungen um nachhaltige Mobilität im Zusammenspiel mit dem ÖPNV. Bereits jetzt vermittle man in einigen Städten reine Elektro-Autos, bis Ende 2019 solle dies an jedem Standort der Fall sein. Mehr als die Hälfte der bei den Partnern eingesetzten Autos seien umweltfreundliche Hybrid-Fahrzeuge, behauptet der Anbieter. Mit elektrisch unterstützten Fahrrädern des Bike-Sharing-Anbieters Jump führte man künftig eine weitere umweltfreundliche Alternative für kurze Strecken ein.  

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