UBA-Umfrage Umweltbewusstsein: Zwei Drittel für ein Tempolimit

Am Ökobewusstsein liegt's nicht: In der neuen UBA-Studie sprechen sich 64 Prozent für ein Tempolimit, 84 für bessere Radwege und 89 Prozent für bessere Öffis aus. Bereitschaft zum Handeln stößt oft auf Barrieren.

Breite Mehrheit für ein Tempolimit: 64 Prozent der befragten 2.115 Bürger ab 14 Jahren fordern ein Tempolimit auf Autobahnen. | Foto: AdobeStock
Breite Mehrheit für ein Tempolimit: 64 Prozent der befragten 2.115 Bürger ab 14 Jahren fordern ein Tempolimit auf Autobahnen. | Foto: AdobeStock
Johannes Reichel

Das Umweltbewusstsein der deutschen Bevölkerung ist weiter gewachsen und auch am menschengemachten Klimawandel gibt es demnach kaum noch Zweifel. Das zeigt die nun vorliegende detaillierte Auswertung der seit über 25 Jahre erhobenen repräsentativen Umfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland 2020“. Die Menschen in Deutschland erwarten von der Politik, dass mehr für den Umwelt- und Klimaschutz getan werde, bilanziert das bei der Studie federführende Umweltbundesamt UBA.

Gleichzeitig sei das Bewusstsein für den schädigenden Einfluss von Umweltbelastungen, etwa durch Schadstoffe, Luftverschmutzung oder Lärm, in den vergangenen 20 Jahren gestiegen. Die Studie zeigt laut UBA auch, dass die Bevölkerung viele Gegenmaßnahmen teils sehr deutlich unterstützt – so finden zum Beispiel ein Verbot klimaschädlicher Produkte (80 Prozent), die Kopplung von Agrarsubventionen an ökologische Leistungen (92 Prozent) oder auch ein Tempolimit auf Autobahnen (64 Prozent) mehrheitlich Zustimmung.

Bereitschaft zum Handeln heißt noch nicht Handeln

Aber auch bei den eigenen Verhaltensweisen zeige sich Veränderungsbereitschaft: 67 Prozent der Befragten sind bereit, künftig weniger Fleisch zu essen, 60 Prozent wollen „konsequenter besonders energieeffiziente Geräte kaufen“ und 74 Prozent „insgesamt weniger konsumieren“.

"Die Bereitschaft, mehr für Umwelt- und ⁠Klimaschutz⁠ zu tun, geht allerdings nicht immer mit dem entsprechenden Verhalten einher", konstatiert das UBA.

Gründe hierfür sieht man einerseits in Alltagsanforderungen wie Zeitmangel, fehlende finanzielle Mittel oder Belastung in Familie bzw. Beruf. Aber andererseits auch im Mangel an Angeboten und entsprechenden Infrastrukturen.

„Wir müssen uns genau anschauen, welche Barrieren für die Bürgerinnen und Bürger bestehen. Die Politik muss es den Menschen einfacher machen, nachhaltig zu leben und ihre Alltagsroutinen anzupassen. Wir brauchen anspruchsvolle Energie- und Umweltstandards für Gebäude, Verkehrsmittel, Produkte und Lebensmittel sowie Preise, die stärker die ökologische Wahrheit sagen", kommentiert Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts (⁠UBA⁠).

Gleichzeitig gelte es, soziale Härten zu vermeiden, beispielsweise durch Auszahlung eines „Klimagelds“ für die Bürgerinnen und Bürger, das aus den CO2-Einnahmen zurücküberwiesen wird. Nur so werde Umweltschutz zum Mainstream, ist sich der UBA-Chef sicher. 

Er zeigte sich erfreut über die starke Bereitschaft, Maßnahmen für mehr Umwelt- und Klimaschutz mitzutragen und die Forderung, mehr zu tun, die sich vor allem an die Politik, aber auch an Industrie und Wirtschaft sowie von den Bürgerinnen und Bürgern selbst richtet.

Zwei Drittel für Tempolimit, fast alle für bessere Radwege und Öffis

So finden es 80 Prozent der Befragten für mehr Klimaschutz wichtig, klimaschädliche Produkte zu verteuern oder zu verbieten. 88 Prozent unterstützen den Abbau klimaschädlicher Subventionen. Vor allem im Bereich Landwirtschaft und Ernährung herrscht generell eine hohe Zustimmung zu den abgefragten Maßnahmen. Eine deutliche Mehrheit von 92 Prozent findet, dass der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft stärker gefördert werden sollte. Weitere 86 Prozent möchten, dass Agrarsubventionen an ökologische Leistungen gekoppelt werden. Und 93 Prozent sind für weniger Pflanzenschutzmittel, 86 Prozent für weniger Düngemittel. Im Bereich Mobilität befürworten 64 Prozent der Befragten ein Tempolimit auf Autobahnen. 84 Prozent sind für mehr und bessere Radwege, 89 Prozent für einen verbesserten ÖPNV, sprich mehr Haltestellen und höhere Taktung.

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