UBA-Emissionsbilanz: Energie spart, Verkehr steigt

Das Umweltbundesamt bestätigt Schätzungen: Zwar sinkt der CO2-Ausstoß durch die Einsparungen im Energiesektor, doch Verkehr und Gebäude legen sogar leicht zu. Sparsamere Autos, aber höherer Bestand.

Überkompensiert: Der tendenziell sparsameren Verbrauch der Autos wurde von höheren Kfz-Beständen konterkariert, die um 1,6 Prozent zulegten. | Foto: BLG
Überkompensiert: Der tendenziell sparsameren Verbrauch der Autos wurde von höheren Kfz-Beständen konterkariert, die um 1,6 Prozent zulegten. | Foto: BLG
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der Ausstoß von Treibhausgasen (THG) in Deutschland war nach der vorläufigen Bilanz des Umweltbundesamts (UBA) im vergangenen Jahr rückläufig. Demnach wurden 2019 rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, das entspricht rund 54 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent weniger als 2018, wie das Bundesumweltministerium mitteilte, dem die oberste Umweltbehörde zugeordnet ist. Damit setze sich der positive Trend des Vorjahres auch 2019 fort und die Minderung stelle mit Ausnahme des globalen Krisenjahres 2009 den größten jährlichen Rückgang seit 1990 dar. Das Umweltministerium bestätigte damit Schätzungen des ThinkTanks Agora Energiewende vom Januar.

"Deutschland hat 2019 einen großen Schritt beim Klimaschutz geschafft. Unsere Maßnahmen greifen, es wurde deutlich weniger Kohle verbrannt. Da, wo die Politik bereits gehandelt hat, liegen wir beim Klimaschutz weitgehend auf Kurs. Denn Strom aus Wind und Sonne ist die Basis für erfolgreichen Klimaschutz", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Den größten Schritt habe allerdings dabei die Energiewirtschaft gemacht, etwa aufgrund der erfolgreichen Reform des europäischen Emissionshandels, dem niedrige Gaspreis, dem Ausbau von Wind- und Sonnenenergie sowie der Abschaltung erster Kohlekraftwerksblöcke. Im Vergleich zu 1990 sanken die Emissionen in Deutschland um 35,7 Prozent. Allerdings seien zusätzliche Maßnahmen in der Verkehrspolitik und bei den Gebäuden nötig, um auch dort die Trendwende zu sinkenden Emissionen zu schaffen, forderte die Bundesumweltministerin.

Absolut: Tendenziell sparsamer Autos, aber höherer Bestand

Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs lagen mit 163,5 Millionen Tonnen CO2 auf einem leicht höheren Niveau als im Vorjahr (+1,2 Millionen Tonnen beziehungsweise plus 0,7 Prozent). Es seien zwar sparsamere Fahrzeuge auf den Markt, gleichzeitig legte aber auch der Kfz-Bestand zu (plus 1,6 Prozent), die Autos wurden schwere und die Fahrleistung stieg, so dass in Summe mehr Benzin und Diesel verbraucht wurde, wie das UBA bilanziert. Der Verkehr sei noch immer "das Sorgenkind des Klimaschutzes", mahnte UBA-Präsident Dirk Messner. Er forderte eine feste Elektroauto-Quote, die nach seinem Dafürhalten ein Drittel bis 2025 ausmachen solle. Insgesamt müsse die Zahl der Autos sinken. Zudem erneuerte er die Forderung des UBA nach einem allgemeinten Tempolimit.

Auch aus Sicht Messner bewege sich Deutschland in die richtige Richtung hin zum Klimaziel 2030. Bis dahin will Deutschland seine Emissionen laut Klimaschutzgesetz um mindestens 55 Prozent gemindert haben. Auch er monierte, dass in anderen Sektoren die Bewegung stagiere, wie bei Gebäuden und Verkehr. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Deutschland seine Klimaziele schaffen kann. Das UBA sieht im Jahr 2019 auch das Konzept des europäischen Emissionshandels als bestätigt an. So lag der Durchschnittspreis für eine Tonne CO2 2019 mit 24,65 Euro fast doppelt so hoch wie 2018. In der Folge sei der Betrieb von Kohlekraftwerken 2019 häufig teurer als der von Gaskraftwerken gewesen.

"Wir wissen aber auch, dass wir uns vor allem bei den erneuerbaren Energien auf den Lorbeeren der letzten 20 Jahre ausruhen. Wir müssen wieder deutlich mehr Windenergieanlagen installieren, daran führt kein Weg vorbei, um Kohlestrom zu ersetzen, der vom Netz geht", meinte Messner.

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