UBA: Bahn baut Klimavorsprung aus

Dank sparsamerer Züge und mehr Ökostrom im Netz fährt die Bahn anderen Verkehrsträgern davon. Nur Busse halten noch mit. Der Pkw-Ausstoß in CO2 pro Kilometer stagniert, Fliegen bleibt am schädlichsten.

Hängt das Auto weiter ab: Die Bahn fährt im Fernverkehr schon heute klimaneutral, Pkw stagnieren bei 147 g CO2/km. | Foto: DB
Hängt das Auto weiter ab: Die Bahn fährt im Fernverkehr schon heute klimaneutral, Pkw stagnieren bei 147 g CO2/km. | Foto: DB
Johannes Reichel

Die Bahn hat im Jahr 2018 ihren Klimavorsprung vor anderen Verkehrsmitteln weiter ausgebaut. Das ergeben neueste Zahlen des Umweltbundesamts (UBA), die seit kurzem vorliegen. Demnach verursachte die Bahn im Fernverkehr pro Kilometer nurmehr 32 g CO2/km, beim Auto lägen die Emissionen mit 147 g CO2/km fünfmal höher, beim Flugzeug siebenfach (230 g CO2/km, Inlandsflug). Allenfalls Fernbusse halten noch mit in der Klimabilanz, die im Falle der Bahn durch den weiter erhöhten Anteil an Ökostrom im Netz sowie sparsamere Züge bedingt ist. Wobei der Vorsprung der Bahn wahrscheinlich noch größer wäre, denn das UBA nimmt den deutschen Strommix als Grundlage, der noch deutlich mehr Kohleanteil enthält als der Unternehmensstrom, den die Bahn in stärkerem Maße aus regenerativen Quellen bezieht.

Fernbus schlägt Auto: 29 g CO2/km

Nur nach deutschem Strommix berechnet, wäre also der Bus mit 29 g CO2 sogar noch klimafreundlicher als die Bahn. Bei den ICE im Fernverkehr fährt die Bahn nach eigenen Angaben allerdings bereits heute klimaneutral. Bis 2030 peilt das Unternehmen die Halbierung der spezifischen CO2-Emissionen über alle weltweiten Verkehre im Vergleich zu 2006 an und hebt den Anteil erneuerbarer Energien am Bahnstrommix auf 80 Prozent an. Bis 2038 will die DB den Bahnstrom vollständig auf 100 Prozent Ökostrom umstellen, bis 2050 klimaneutral fahren.

Vor allem auch im Güterverkehr fällt die Steigerung signifikant aus: Binnen vier Jahren reduzierte die DB Cargo-Tochter ihre Emissionen auf 18 g CO2/km und damit um ein Viertel. Lkw stoßen hier mehr als das Sechsfache aus mit 112 g CO2/km. Zudem lägen sie bei den Stickoxiden sieben Mal höher, bei den Kohlenmonoxiden achtfach.

Umwelt-Katastrophe: Flieger patzt nicht nur beim CO2

Am umweltschädlichsten ist aber mit Abstand das Flugzeug: Ein Flug belastet die Atemluft mit 24 Mal mehr Kohlenmonoxid als eine Zugfahrt, bei den Stickoxiden fällt die 25-fache Menge an. Außerdem ist der Feinstaub-Ausstoß pro Person und Kilometer viel größer als beim Auto oder der laut UBA bei diesem Aspekt emissionsfreien Zugfahrt.

In den Pro-Kopf-Zahlen unterstellt das UBA verschiedene Auslastungsgrade der Verkehrsmittel. Beim Pkw werden 1,5 Personen angesetzt, beim Flieger 71 Prozent, bei der Bahn auf längeren Strecken 56 Prozent und beim Fernbus 55 Prozent. Bei der Ermittlung der Schadstoffbelastungen flossen auch die Emissionen mit ein, die bei der Erzeugung sowie der Bereitstellung von Strom, Benzin und Kerosin entstehen. Um die Daten zu ermitteln, wendet das UBA das komplexe und anerkannte Tremod-Verfahren an, das auch von Automobil- und Lkw-Herstellern als Grundlage herangezogen wird und das Trend- und Szenario-Kalkulationen von 1960 bis 2030 ermöglicht.

Nahverkehr: Schiene klar vor Bus und Auto

Separat untersucht wurde der Nahverkehr: Auch hier punktete die Schiene mit 58 g CO2/km, hier speziell in Relation zum Linienbus, der 80 g CO2/km emittiert. Ausschlaggebend hier ist die höhere Auslastung der Regionalzüge, die mit 28 Prozent zwar deutlich niedriger ist als im Fernverkehr, jedoch immer noch besser als in den Linienbussen (19 Prozent). Deren Klimabilanz fällt deshalb schlechter aus, weil sie speziell außerhalb des Berufs- und Schulverkehrs oft fast leer fahren.

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