Trotz Corona: Tesla bleibt in der Gewinnzone

Trotz der Corona-Pandemie konnte Tesla auch im ersten Quartal 2020 einen weiteren Gewinn erwirtschaften.

Das Model Y gehört zu den großen Hoffnungsträgern für 2020. | Foto: Tesla
Das Model Y gehört zu den großen Hoffnungsträgern für 2020. | Foto: Tesla
Gregor Soller

Tesla konnte trotz der Corona-Krise erneut schwarze Zahlen vorlegen: Von Januar bis März 2020 blieben bei einem Umsatz von 5,99 Milliarden Dollar ein minimaler Gewinn von 16 Millionen Dollar hängen. Was aber viel wichtiger ist: Musk konnte seine Ankündigung wahr machen, künftig öfter schwarze Zahlen zu liefern, immerhin ist es jetzt das dritte Quartal in Folge, in dem Tesla schwarze Zahlen schreibt. Klar ist auch: Ohne die Covid-19-Pandemie wären Umsatz und vor allem der Gewinn noch höher ausgefallen.

Bei den Auslieferungen sei man bis März erneut auf Rekordkurs gewesen. Doch dann musste sich auch Tesla den externen Gegebenheiten beugen. So wurden im ersten Quartal 2020 nur 88.496 Fahrzeuge verkauft, statt 112.095 wie im Vorquartal. Teslas Vorteil: Die Schließung der Gigafactory 3 ist seit 10. Februar wieder beendet und das Stammwerk in Fremont wurde erst am 23. März geschlossen – eine Woche vor Quartalsende.

Im Vergleich zum ersten Quartal 2019 konnte man trotzdem weiter wachsen: Letztes Jahr wurden nur 63.019 Autos ausgeliefert, der Umsatz lag um gut 30 Prozent niedriger und die Liquiditätsreserven am Quartalsende lagen jetzt bei 8,1 Milliarden Dollar. Außerdem soll das auf den Markt gekommene Model Y schon jetzt seinen Beitrag zum Gewinn leisten. Ganz stolz verkündet Tesla:

 „Zum ersten Mal in unserer Geschichte ist ein neues Produkt in seinem ersten Quartal profitabel.“

Was insofern wenig überrascht, als das Model Y sehr eng mit dem Model 3 verwandt ist und jetzt von dessen Anlaufproblemen profitiert. Laut Tesla sind im Debütquartal mehr Model-Y produziert worden als das Model 3 in seinen beiden(!) ersten Produktionsquartalen. Auch im Rohbau selbst legte man hier nochmal Hand an: So wird ein Teil des Hinterwagens beim Model Y jetzt aus zwei hochkomplexen Teilen gefertigt, wo man beim Model 3 noch 70 Bleche zusammensetzt! Genau auseinanderdividieren lassen sich die Fertigungszahlen nicht, das Tesla Model 3 und Y genauso zusammenfasst wie Model S und X.

Im weiteren Ausblick bleibt für 2020 bleibt Tesla für seine Verhältnisse sehr bescheiden

Auch Tesla traut sich nicht exakt vorherzusagen, wie schnell die Lieferketten und die Produktion wieder das frühere Niveau erreichen werden, weshalb man die ursprüngliche Prognose für 2020, die 500.000 Einheiten vorsah und die Gewinnziele nochmal überdenken durfte. Eine neue Prognose will man aber erst zum zweiten Quartal geben, wenn feststeht, wie lange die Produktion in Freemont steht. Aktuell sollen die Werke in Nevada und Fremont frühestens am 4. Mai wieder ans Netz gehen – trotzdem bleiben aktuell viele Unsicherheiten und die genauen Auswirkungen der Produktionsstopps lassen sich noch nicht genau abschätzen.

Auch die Zahl der Supercharger wuchs weiter auf jetzt 1.917 Orte und 17.007 Lader. Das Solar- und Batteriespeicher-Geschäft ging zurück. Tesla nennt hier weder Umsatz noch Gewinn, aber die installierte Kapazität ging verglichen mit dem Vorquartal im 35 Prozent (Solar) respektive gut 50  Prozent (Speicher) zurück.

Brandenburg steht, aber der Cybertruck wird verschoben

Für das zweite Quartal plant Tesla, die Produktionszahlen in Fremont (vor allem für das Model Y) und Shanghai (vor allem Model 3) weiter zu erhöhen. Außerdem bleibt man dabei, ab 2021 auch in Shanghai und Brandenburg mit Montage und der Lieferung des Model Y starten zu wollen. Auch den Standort für die Cybertruck-Produktion will man noch Mitte 2020 verkünden, wobei man sich hier eher in den Absatzmärkten orientiert und Standorte in Kansas, Missouri, Tennesee oder natürlich Texas in Betracht kommen. Der Lkw „Semi“, von dem dieses Jahr die ersten Moelle hätten geliefert werden sollen, wird auf 2021 verschoben.

Was bedeutet das?

Tesla bleibt trotz Pandemie halbwegs auf Kurs und geht jetzt auch tiefer liegende Themen wie die Produktion an, wo man auch in Details wie dem Stahlbau riesige Fortschritte erzielen konnte. Weshalb beim Model Y niemand mehr von der „Produktionshölle“ spricht.

 

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