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Tritium meldet Insolvenz an

Der australische Schnellladesäulen-Hersteller Tritium hat Insolvenz angemeldet und sucht nach einem Käufer.

Tritium gehört zu den großen Herstellern von HPC-Ladern, von denen Ionity auch in Deutschland viele in Betrieb hat. | Foto: Tritium
Tritium gehört zu den großen Herstellern von HPC-Ladern, von denen Ionity auch in Deutschland viele in Betrieb hat. | Foto: Tritium
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Gregor Soller

In Deutschland kennt man die Tritium-Schnellllader von den vielen ionity-Ladeparks. Doch während HPC-Spezialisten wie Alpitronc ausgebucht sind und auch in Europa sich immer mehr Unternehmen an das Thema DC- und HPC-Laden wagen, müssen down under jetzt selbst beauftragte Administratoren und von Gläubigern ernannte Insolvenzverwalter Geldgeber oder Käufer suchen.Nachdem das Unternehmen die voraussichtliche Zahlungsunfähigkeit erklärt hat, wurden drei Manager der Unternehmensberatung KPMG zu Administratoren ernannt. Zudem haben die Kreditgeber von Tritium selbst Konkursverwalter von der Kanzlei McGrathNicol Restructuring ernannt. Gemeinsam übernehmen sie nun die Kontrolle über die Vermögenswerte von Tritium und suchen nach Käufern.

Das australische Unternehmen schreibt in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht, dass Tritium DCFC und drei seiner australischen Tochtergesellschaften „zahlungsunfähig sind respektive wahrscheinlich zahlungsunfähig werden“. Das Unternehmen wurde zwar in Australien gegründet und hat dort seinen Hauptsitz, ist aber seit Anfang des Jahres 2022 per SPAC-Fusion in den USA an der Nasdaq börsengelistet – daher war auch das sogenannte „6K-Filing“ an die US-Börsenaufsicht SEC nötig. Shaun Fraser, Partner von McGrathNicol Restructuring, erklärt laut dem Portal „The Driven“:

„Unser unmittelbarer Fokus liegt auf der Stabilisierung des Betriebs und der engen Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten von Tritium, während wir versuchen, das bestmögliche Ergebnis für alle Parteien zu erzielen.“

Ein weiterer Rückschlag für die australische Industrielandschaft

Bereits im November 2023 war klar, dass Tritium sein Werk im australischen Brisbane schließen wird, um nur noch in den USA zu produzieren – auch, weil die australische Regierung die Produktion nicht weiter fördern wollte. Bereits zu diesem Zeitpunkt erklärte CEO Jane Hunter, dass eine strategische Umstrukturierung des Geschäfts erforderlich sei, um Rentabilität und Aktionärswerte zu erhöhen.

Tritium wurde neben der australischen auch die internationale Elektromüdigkeit zum Verhängnis: Noch 2022 wurde Tritium zum Börsengang mit fast zwei Milliarden US-Dollar bewertet. Seitdem aber fiel Kurs ins Bodenlose – auf unter vier Millionen US-Dollar. Obwohl BO, Ionity und Shell zahlreiche Stationen orderten. Shaun Fraser will nun mit interessierten Parteien und einem breiteren Markt zusammenarbeiten, um eine langfristige Kapital- und/oder Eigentumslösung für Tritium zu finden.

Laut „The Driven“ muss eine erste Gläubigerversammlung bis zum 26. April stattfinden. Dann hofft man auf Informationen zum Erhalt der Marke und Arbeitsplätze und – noch wichtiger: Wie Betrieb und Wartung der Tritium-Lader sichergestellt werden können.

Was bedeutet das?

Tritium gehört weltweit nach wie vor zu den „Großen“ im DC- und HPC-Business. Und hat es trotzdem nicht geschafft, sich finanziell über Wasser zu halten. Ein Problem ist auch die Elektro-Müdigkeit in Australien und die dort hohen Löhne. Was grundsätzlich ein Schlaglicht auf die Nation wirft, die nach wie vor extrem vom (Kohle-)Bergbau abhängt und nach der Einstellung der Fahrzeugproduktion jetzt auch Zukunftsträchtiges wie die Herstellung von HPC-Ladern wieder verliert.

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