Traton investiert in Elektromobilität

Mit insgesamt 1,6 Mrd. Euro stellt die abgespaltene VW-Lkw-Tochter bis 2025 massive Investitionen in Forschung und Entwicklung bereit.

Traton setzt alles auf die Karte Elektromobilität und wird Wasserstoffantriebe bei Nutzfahrzeugen künftig nur noch als Nische behandeln. (Foto: Traton SE)
Traton setzt alles auf die Karte Elektromobilität und wird Wasserstoffantriebe bei Nutzfahrzeugen künftig nur noch als Nische behandeln. (Foto: Traton SE)
Johannes Reichel
von Claus Bünnagel

Die Traton Group stellt sich konsequent auf den Wandel hin zu elektrischen Antrieben ein. In Forschung und Entwicklung für die E-Mobilität werden bis zum Jahr 2025 insgesamt 1,6 Mrd. Euro fließen, wie der Nutzfahrzeughersteller nun entschieden hat. Bislang war für die E-Mobilität 1 Mrd. Euro bis zum Jahr 2025 vorgesehen. Gleichzeitig fährt Traton die Investitionen in konventionelle Antriebe zurück – auf weniger als ein Fünftel der Produktentwicklung im Jahr 2025. Damit verdoppelt sich der Anteil für die Elektromobilität in diesem Zeitraum. 

Traton setzt klar auf den Elektro-Lkw. Der Umstieg wird nicht von heute auf morgen erfolgen. Aber Schritt für Schritt. Nachhaltig und im Einklang mit dem nötigen Netzausbau. Denn ohne Ladeinfrastruktur wird es nicht funktionieren. (Matthias Gründler, CEO der Traton SE)

2025: 50 % der MAN-Busse mit alternativem Antrieb

Die Traton-Marken haben sich bereits konkrete Ziele für die Jahre 2025 und 2030 gesetzt: Im Jahr 2025 werden Fahrzeuge mit E-Antrieb rund 10 % des Absatzes von Scania in Europa ausmachen. Zum gleichen Zeitpunkt wird die Hälfte der neuen Busse von MAN einen alternativen Antrieb haben. Allerdings schließt das natürlich auch CNG-Busse ein, die in ihrer Gesamtenergiebilanz kaum umweltfreundlicher als ihre Dieselpendants sind. Traditionell ist MAN stark im Bereich Erdgasmotoren aufgestellt.

Im Jahr 2030 wird jedes zweite von Scania verkaufte Fahrzeug einen E-Antrieb haben. Bei MAN werden dann mindestens 60 % der Lkw für den Lieferverkehr und 40 % der Lkw für den Fernverkehr emissionsfrei unterwegs sein. 

Wasserstoff nur für die Nische

Bei den alternativen Antrieben fokussiert sich Traton auf batterieelektrische Fahrzeuge. Die Wasserstofftechnologie könne ihre Vorteile aber durchaus in Nischen zur Geltung bringen. Im Lkw-Verkehr gerade auf der Langstrecke bildeten reine E-Lkw im Vergleich zu Wasserstoff-Lkw in den allermeisten Fällen die günstigere und umweltfreundlichere Lösung.

Denn der Wasserstoff-Lkw hat gegenüber dem ausschließlich batterieelektrischen E-Lkw einen gravierenden Nachteil: Nur ein Viertel der Ausgangsenergie fließt am Ende in den Antrieb. Drei Viertel gehen von der Energiequelle bis zur Straße verloren – beim E-Lkw ist das Verhältnis umgekehrt. (Gründler)

Die oft geäußerte Meinung, Wasserstoff-Lkw seien etwas für die Langstrecke und E-Lkw nur für die Kurzstrecke, ist für den Traton-CEO nicht zutreffend. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines E-Lkw und die Amortisierung seiner Batterien sei vielmehr eine regelmäßige, intensive Nutzung. Gerade im Fernlastschwerverkehr sei diese gegeben. Das Wasserstoff-Nutzfahrzeug dürfte sich in den nächsten zehn Jahren aber ebenfalls am Markt etablieren – etwa bei Fernreisebussen, die in den kurzen Haltepausen noch nicht ausreichend geladen werden können. In Regionen mit besonders günstigem grünen Wasserstoff – z.B. in der Nähe von Nordseewindparks oder Importhäfen – könnten Wasserstoff-Lkw ebenfalls eine Rolle spielen.

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