Toyota will in Europa bis 2040 "technologieoffen" klimaneutral werden

Konzern investiert in klimaneutrale Produktionsstätten. Trotz Multitechnologie-Konzepts sollen die CO2-Emissionen in den nächsten 15 Jahren sinken. Den späten Einstieg in die reine E-Mobilität verbrämt man allerdings weiter als "technologieoffenen Ansatz". "Woven City" als Testlabor für die Mobilität der Zukunft.

Schneller sauber: Bei Toyota setzt man weiter auf Technologieoffenheit und glaubt, damit bis 2040 in Europa klimaneutral sein zu können, wie man jüngst auf dem Kenshiki-Forum verkündete. | Foto: Toyota
Schneller sauber: Bei Toyota setzt man weiter auf Technologieoffenheit und glaubt, damit bis 2040 in Europa klimaneutral sein zu können, wie man jüngst auf dem Kenshiki-Forum verkündete. | Foto: Toyota
Johannes Reichel

Der japanische Automobilhersteller Toyota will in Europa schneller klimaneutral werden, was jetzt schon bis 2040 gelingen soll. Bekanntgegeben wurde das ambitionierte Ziel im Rahmen des alljährlichen Kenshiki-Forums, auf dem man mehr als 250 Medienvertretern Einblicke in die Strategie und Pläne der Marke gab, die aktuell allerdings sehr stark auf Hybrid-Antrieb setzt und erst allmählich in batterieelektrische Antriebe einsteigt.

„Unser Schwerpunkt in Europa liegt auf zwei Bereichen: der Klimaneutralität und wie wir diese in all unseren Geschäftsbereichen erreichen sowie dem Wandel zum ganzheitlichen Mobilitätsdienstleister und der damit verbundenen Mobilität der Zukunft“, erklärte Matt Harrison, Präsident und CEO von Toyota Motor Europe (TME).

Alle Neufahrzeuge in der Europäischen Union (EU), in Großbritannien und den EFTA-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz sollen bis 2035 emissionsfrei unterwegs sein. Die europäischen Produktionsstätten sollen sogar schon 2030 klimaneutral arbeiten: Das Unternehmen setzt hierfür auf verschiedene Maßnahmen wie die Minimierung des Energiebedarfs, die Umstellung auf regenerative Quellen und die Umsetzung sogenannter Kaizen-Innovationen, die den CO2-Ausstoß weiter minimieren oder gänzlich eliminieren.

„In unserem Motorenwerk im britischen Deeside haben wir Solarpanels installiert, die der Fläche von zehn Fußballfeldern entsprechen. Außerdem recyceln wir mehr als 90 Prozent unserer Abfälle, sodass wir Klimaneutralität voraussichtlich schon 2025 erreichen“, erläuterte Marvin Cooke, Executive Vice President Manufacturing bei TME.

Die größeren Herausforderungen bis 2040 lägen allerdings außerhalb der direkten Kontrolle von TME – zum Beispiel in der vorgelagerten Versorgungs- und Logistikkette. Man wolle sie dennoch in enger Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten bewältigen, versicherte Cooke weiter.

Um die unterschiedlichen Kundenwünsche und -bedürfnisse in den verschiedenen Märkten zu erfüllen, verfolge man weltweit einen technologieoffenen Ansatz. Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge werden genauso angeboten wie beispielsweise reine Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge. Diese Vielfalt sei entscheidend, glauben die Japaner, um die CO2-Emissionen in den nächsten zehn bis 15 Jahren zu reduzieren und argumentieren mit knappen und teuren Batteriematerialien und fehlender Infrastruktur.

„Wir müssen das tun, was für die Umwelt am besten ist: aus jeder produzierten Batteriezelle die größtmögliche CO2-Reduzierung herausholen, indem wir so viele nicht-elektrifizierte Fahrzeuge wie möglich durch elektrifizierte ersetzen. Wir lassen uns dabei von einem einfachen Grundsatz leiten: CO2 ist der Feind und nicht ein bestimmter Antriebsstrang“, propagierte Gill Pratt, Chief Scientist der Toyota Motor Corporation und CEO des Toyota Research Institute.

Im laufenden Jahr 2022 werde der Konzern in Europa voraussichtlich rund 1,1 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Auf einem um zwölf Prozent rückläufigen Gesamtmarkt hat diese vergleichsweise kleine Absatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr eine große Wirkung: Der europaweite Marktanteil klettert um 0,9 Punkte auf das Rekordniveau von 7,3 Prozent. Ein Wachstumstreiber sind dabei die elektrifizierten Modelle, die 66 Prozent und damit zwei Drittel des Gesamtabsatzes ausmachen.

Woven Planet als Wegbereiter

Der Wandel vom reinen Automobilhersteller zum ganzheitlichen Mobilitätsdienstleister stehe unter dem Leitbild von Woven Planet: „Mobility to Love, Safety to Live“. Man schaffe neue Software-Plattformen und -Tools, Prozesse und einen Kulturwandel hin zu einer softwaredefinierten Entwicklung für Toyota. Die Bereitstellung von Software wird die Produktivität verbessern, da sie die Skalierbarkeit und Wiederverwendung von Codes für Hunderte von Toyota und Lexus Modellen ermöglicht, skizziert James Kuffner, CEO von Woven Planet Holdings und Chief Digital Officer der Toyota Motor Corporation.

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