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Toyota-Hilux-Vergleich Diesel/BEV/FCEV: Ein Pick-up, drei Antriebe - ein guter Kompromiss

Wasserstoffantrieb sieht Toyota eher als Option für Nutzfahrzeuge. Auch für die kleineren. Wir waren mit dem Pick-up Hilux unterwegs – als Diesel, Stromer und mit Wasserstoff. Und: Der Prototyp des BEV fährt sich im Vergleich zum lauten Diesel am besten, aber der FCEV bringt mehr Nutzlast. Vielleicht kein schlechter Kompromiss im Offroader.

Einer mit allem: Toyota treibt den Multiantriebsansatz beim Hilux auf die Spitze. | Foto: press-inform/Jürgen Wolff
Einer mit allem: Toyota treibt den Multiantriebsansatz beim Hilux auf die Spitze. | Foto: press-inform/Jürgen Wolff
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Johannes Reichel

Eigentlich sind die kommerziellen Erfahrungen mit wasserstoffgetriebenen Fahrzeugen bei Toyota nicht gerade überwältigend. Seit rund einem Jahrzehnt ist der Pkw Mirai auf dem Markt. Aber selbst in der mittlerweile zweiten Generation ist der kleine Renner von den Verkäufen her keineswegs ein Renner. Da half auch nicht, dass der Sauberling 2019 beim Besuch des Papstes in Japan als Papamobil quasi allerhöchsten Segen erhielt. Vielleicht aber stammt von da auch die göttliche Einsicht, dass Wasserstoffantriebe eher etwas für Nutzfahrzeuge sind.

Dort passen die zylinderförmigen Tanks nicht nur gestapelt gut hinter das Fahrerhaus von Lkw, sondern auch unterhalb der Ladefläche von Pick-ups wie dem Toyota Hilux. Mit über 16 Millionen Exemplaren ist der Hilux der weltweit meistverkaufte Pick-up in seinem Marktsegment. Das seit 1969 gebaute Arbeitstier wurde in 170 Ländern ein beliebtes Nutzfahrzeug für Bauern, Handwerker, Forstarbeiter oder auf Baustellen. Und – nicht zu vergessen - als Eseln für alles bei Polizei, Militär und Bürgerkriegsparteien rund um den Globus. In manchen Ländern Afrikas führt der Hilux die Zulassungsstatistik an.

Getreu seiner "Multi Path"-Devise ist Toypta dabei, weltweit gefragte Fahrzeuge wie den Hilux mit unterschiedlichen Antrieben auszustatten. Wir hatten jetzt die Gelegenheit, den Verbrenner, das rein elektrische Modell und einen mit Wasserstoff angetriebenen Hilux auszuprobieren. Von den Dimensionen her unterscheiden sich die drei Varianten kaum mit einer Länge von rund 5,3 Metern, einer Breite von 1,9 und einer Höhe von 1,8 Metern. Auch die Optik ist gleich. Wenn nicht groß und deutlich die jeweilige Antriebsart an den Seitenwänden plakatiert wäre – niemand sähe einen Unterschied.
 

Der Diesel wurde mittels 48-Volt-Netz gepimpt

Unter der Haube des ersten Hilux arbeitet ein klassischer 2,8-Liter Diesel, aufgerüstet mit einem 48-Volt Stromnetz und als Mild Hybrid. Er nagelt unüberhörbar um die Kurven, fühlt sich gelegentlich rau und ruppig an. Die 204 PS reichen dem 2,3-Tonner für eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 10,7 Sekunden und schaffen bis zu 175 km/h Spitzengeschwindigkeit. In engen Kurven neigt die sich die Karosserie etwas zur Seite und man hat ein wenig Arbeit, in der Spur zu bleiben. Ein gewohntes Fahrgefühl. Und die Reichweite? Einfach nachtanken.

Flotte Fahrt im Stromer

Deutlich anders sieht es beim vollelektrischen Hilux aus. Der Stromer beschleunigt flott und ohne Schalten, wie es sich gehört. Die Geräuschkulisse des Diesel fehlt nicht wirklich. Durch die tief im Wagenboden verbauten Batterien liegt der Schwerpunkt tief – enge Kurven lassen sich deutlich komfortabler und schneller fahren. Überhaupt ist man im elektrischen Hilux viel harmonischer unterwegs. Was in dem Prototypen noch fehlt ist die Rekuperation. Nicht zuletzt deswegen ist die Reichweite noch arg begrenzt. Von 200 Kilometern ist die Rede. Gegen Ende kommenden Jahres soll der Elektro-Hilux in Produktion gehen.

Der FCEV fährt sich ähnlich, hat aber mehr Nutzlast

Ähnlich fährt sich der im englischen Derby gebaute Hilux mit Wasserstoffantrieb: Flotte Beschleunigung, entspannende Ruhe. Nur gelegentlich hört man in unserem Prototypen das leise Sirren der Turbine. Die drei Hochdrucktanks für den Wasserstoff, deutlich leichter als die schweren Akku-Packs, sind im Leiterrahmen-Fahrgestell eingebaut. Jeder fasst 2,6 Kilogramm Wasserstoff. Auch hier: Dank des tiefen Schwerpunkts und des harmonischen Antriebs geht es fix und entspannt durch enge Kurven. Die Brennstoffzelle enthält 330 Zellen und liegt direkt über der Vorderachse. Ein Teil des erzeugten Stroms wird in einem Lithium-Ionen-Akku unter der Ladefläche zwischengespeichert. Angetrieben wird der Hilux per Elektromotor über die Hinterachse. Der leistet 182 PS und ein sofort verfügbares Drehmoment von 300 Nm. Insgesamt läuft alles geschmeidig ab – ohne die Vibrationen des Dieselmotors. Die Reichweite soll bei rund 600 Kilometern liegen – nachgetankt wird ähnlich schnell wie beim Benziner.

Mirai-Flop hin oder her: Bei Toyota geht man davon aus, dass sich Europa bis 2030 zu einem der größten Märkte für Wasserstofffahrzeuge entwickelt.

Jürgen Wolff, press-inform

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