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TotalEnergies gibt deutsches Tankstellengeschäft ab

TotalEnergies fokussiert sich stärker auf das NewEnergy-Geschäft. Dazu schließt man sich mit Alimentation Couche-Tard in Belgien und Luxemburg zusammen und verkauft dem Partner seine Tankstellennetze in Deutschland und den Niederlanden.

Convenience statt Tanke: TotalEnergies gibt sein Tankstellengeschäft an Couche-Tard ab. | Foto: TotalEnergies
Convenience statt Tanke: TotalEnergies gibt sein Tankstellengeschäft an Couche-Tard ab. | Foto: TotalEnergies
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Gregor Soller

Nach der OMV gibt jetzt auch TotalEnergies sein deutsches Tankstellengeschäft ab. TotalEnergies und der führende kanadische Betreiber sogenannter „Nachbarschaftsläden“ (Convenience Stores), Alimentation Couche-Tard, (Couche-Tard) haben ein Abkommen über das Tankstellennetz von TotalEnergies in vier europäischen Ländern geschlossen. In diesem Rahmen schließt TotalEnergies sich mit Couche-Tard in Belgien und Luxemburg zusammen und verkauft dem Partner seine Tankstellennetze in Deutschland und den Niederlanden.

In Belgien und Luxemburg wollen TotalEnergies und Couche-Tard ein Joint-Venture (TotalEnergies 40 Prozent und Couche-Tard 60 Prozent) gründen, das 619 Tankstellen betreiben soll. In diesen beiden Ländern hat TotalEnergies eine marktführende Stellung inne. Die Partnerschaft mit Couche-Tard ermöglicht es dem Unternehmen, die Transformation seiner beiden Netze zu beschleunigen und gleichzeitig die Non-Fuel[1]Umsätze auf ein Höchstmaß zu steigern.

TotalEnergies konzentriert sich auf neue Energien

In Deutschland und den Niederlanden plant TotalEnergies, die gesamten Tankstellennetze zu verkaufen: 1.198 Tankstellen in Deutschland und 392 in den Niederlanden. In beiden Ländern nimmt TotalEnergies keine marktführende Stellung ein, deshalb ist das Know-how eines Spezialisten des Convenience Stores wesentlich.

TotalEnergies will sich in beiden Märkten auf die Entwicklung der neuen Mobilitätsformen (Strom und Wasserstoff) konzentrieren. Die vier Tankstellennetze werden unter der Marke TotalEnergies bleiben, so lange wie sie von TotalEnergies mit Kraftstoffen versorgt werden – dies ist für mindestens fünf Jahre der Fall. Diese Versorgung wird insbesondere durch die Raffinerien des Unternehmens in Antwerpen (Belgien) und in Leuna (Deutschland) sichergestellt.

Die geplante Transaktion, die auf einem Unternehmenswert von 3,1 Milliarden Euro (entspricht 15 Jahren Netto-Cashflow nach Steuern) basiert, umfasst die Tankstellennetze und das Tankkartengeschäft für Geschäftskunden.

Halb-Green Deal: Die Ladestationen und H2-Hubs bleiben, ebenso das AS24-Tankstellennetz für Nutzfahrzeuge

TotalEnergies behält die Ladestationen außerhalb der Tankstellen (Lade-Hubs), den Wasserstoffvertrieb, den Großhandel mit Kraftstoffen und das AS24-Tankstellennetz für Lkw. Eine Transaktion in Übereinstimmung mit dem Netto-Null-Ziel von Europa und TotalEnergies Mit dem Green Deal und dem entsprechenden Richtlinienpaket „Fit for 55“ konkretisiert die Europäische Union ihr ehrgeiziges Ziel, der erste kohlendioxidneutrale Kontinent zu werden.

Wegen der Elektromobilität: Die Umsätze an den Tankstellen fallen bereits

In diesem Rahmen beschloss das Europäische Parlament, dass ab 2035 ausschließlich kohlendioxidneutrale Autos und keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen. Diese weitreichenden Beschlüsse veranlassten TotalEnergies, Entscheidungen bezüglich seiner Tankstellennetze in Europa zu treffen, die aufgrund des sinkenden Kraftstoffvertriebs Umsatzeinbußen verzeichnen. Einer der Gründe hierfür ist, dass Elektroautos eher zu Hause oder im Unternehmen aufgeladen werden, nicht an den Ladestationen der Tankstellen.

Bis 2050 will das Multienergieunternehmen klimaneutral sein

Die Transaktion erfolgt im Rahmen der Transformation von TotalEnergies in ein Multi-Energie Unternehmen und entspricht dem Ziel, bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen, gemeinsam mit der Gesellschaft. Insbesondere will TotalEnergies den Verkauf von Erdölprodukten bis 2030 um 30 Prozent senken, um nicht mehr Kraftstoffe zu verkaufen und zu produzieren als das Unternehmen Erdöl fördert. Seit 2015 hat TotalEnergies sich von seinen Tankstellennetzen in Italien, der Schweiz und Großbritannien getrennt. Im Gegenzug veranlasst diese Strategie TotalEnergies, sich im Bereich der neuen Mobilitätsformen offensiv zu entwickeln. Im Strombereich beschleunigt das Unternehmen den Ausbau der Ladestationen an den Hauptverkehrsadern und in den Großstädten Europas. Im Wasserstoffsektor baut das Unternehmen zusammen mit Air Liquide ein europäisches Wasserstoffnetz für Lkw auf.

Convenience- und Service- statt Tankstelle

Vor diesem Hintergrund stellte TotalEnergies Überlegungen an, wie der Anteil des Umsatzes, der nicht an Kraftstoffe gebunden ist, erhöht werden könnte. Die Tankstellen sollen sich künftig in Service-Stätten und Orte zum Verweilen (Shops, Autowäsche, Restaurants und kundennahe Dienstleistungen) verwandeln und nicht mehr nur als einfache Verkaufsstellen für Kraftstoffe dienen.

 Deshalb wandte TotalEnergies sich an Couche-Tard, das für seine umfassende Erfahrung im Betrieb von Convenience Stores neben Tankstellen bekannt ist. Couche-Tard wurde 1980 gegründet und zählt zu den weltweit führenden Betreibern von täglich geöffneten Convenience Stores, die ein Restaurant, einen Shop und eine Tankstelle umfassen. Couche-Tard betreibt mehr als 14.000 Standorte in Nordamerika, Asien und Nordeuropa und beschäftigt über 120.000 Personen. Mit diesen Abkommen stellt Couche-Tard sein Know-how in den Dienst der Tankstellennetze der Marke TotalEnergies. Anlässlich ähnlicher Transaktionen in Europa bewies Couche-Tard seine Fähigkeit, neue Teams zu integrieren und deren Kompetenzen zu fördern. Die geplante Transaktion unterliegt den üblichen Bedingungen, vor allem der Konsultation der Arbeitnehmervertretung und der Genehmigung der zuständigen Kartellbehörden. Ziel von TotalEnergies und Couche-Tard ist es, die Transaktion vor Ende 2023 abzuschließen.

Was bedeutet das?

Klare Ansage von Total: Im Kraftstoffgeschäft sieht der Konzern keine Zukunft mehr, weshalb er das Tankstellengeschäft in Deutschland und den Niederlanden abgibt. Partner Couche-Tard erhält damit neue Verkaufsstellen für Convenience-Produkte, die das Gros des Umsatzes machen sollen, selbst wenn der Spritabsatz perspektivisch noch weiter sinkt.

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