Tod auf Raten? Mitsubishi bringt vorerst keine neuen Modelle mehr nach Europa

Der Strategieplan der Japaner bis 2022 beinhaltet die Entscheidung, vorerst keine neuen Modelle mehr auf dem europäischen Markt einzuführen.

Etwas von der Straße abgekommen: Noch im Juni wuchs Mitsubishi in Deutschland stärker als alle anderen Marken. | Foto: Mitsubishi
Etwas von der Straße abgekommen: Noch im Juni wuchs Mitsubishi in Deutschland stärker als alle anderen Marken. | Foto: Mitsubishi
Gregor Soller

In der neu strukturierten Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi ist die Marke mit den drei Diamanten künftig schwerpunktmäßig für Südostasien und Ozeaninen zuständig, aber nicht mehr für Europa. Dazu kommen Verkäufe in Afrika und Südamerika. Deshalb werden in Europa vorerst keine neuen Modelle mehr eingeführt, das bestehende Programm wird aber weiterverkauft. So sollen vor allem die Fixkosten gegenüber dem Basis-Jahr 2009 um 20 Prozent oder mehr gesenkt werden. Darum beschloss die Allianz Strukturreformen, eine bessere Verteilung und Auslastung der Werke samt Kappung der Kapzitäten und teilweise Rückzüge aus en Märkten. Europa spielt in dem neuen Plan nach Jahren sinkender Marktanteile für Mitsubishi anscheinend keine große Rolle mehr, weshalb für den EU-Raum keine spezifischen Modelle mehr entwickelt werden sollen.

Das Geschäft mit der aktuellen Palette soll vorerst weitergeführt werden, auch After-Sales und Service sollen erhalten bleiben. Mitsubishi spricht hier von einem „Freeze of Introduction of New Models to European Market“. Extrem ärgerlich für die Händler, die für ihre Loyalität und den guten Service bekannt sind und das Rückgrat der Marke bilden: Für das ohnehin schon ausgedünnte Modellprogramm schlägt sich die Marke hier überdurchschnittlich gut und hat mit dem kleinen Space Star noch immer einen Topseller im Programm, wenn man die einzelnen Modelle aller japanischen Marken in Europa betrachtet.

Immerhin wird man trotzdem nochmal dezent nachlegen: Noch 2020 soll der Eclipse PHEV kommen, der übrigens auf der Outlander-Basis steht. Doch der Stromer 2021 wird wohl nur in China kommen, zumal er dort mit GAC entwickelt wird. Die neue Strategie setzt natürlich auch ein Fragezeichen hinter den für 2022 geplanten nächsten Outlander PHEV folgen. Eine Entscheidung über eine Markteinführung in Europa sei aufgeschoben worden. So zitiert die „Automobilwoche“ eine Sprecherin von Mitsubishi Europe. Deutschland-Geschäftsführer Kolja Rebstock bestätigte der Automobilwoche die Informationen aus der Pressemitteilung der Zentrale – auch, dass der Vertrieb bestehender Modelle weitergehe und die Lieferzeiten kurz seien. Aber auch er warte noch auf weitere Informationen durch den Hersteller.

In Japan hört sich das alles optimistischer an: Takao Kato, Chief Executive Officer der Mitsubishi Motor Company, erklärt:

„Wir werden unsere Strategie von einer umfassenden Expansion auf Auswahl und Konzentration verlagern.“

Doch bis es soweit ist, sind Reformen angesagt, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben:

„Zunächst werden wir unsere Strukturreformen abschließen und unsere Wettbewerbsbereiche weiter stärken – letztendlich um eine Unternehmensstruktur aufzubauen, die in diesem mittelfristigen Zeitraum sicherlich Gewinne erzielen kann.“

Was bedeutet das?

Welch traurige Entscheidung für Mitsubishi! Nachdem es die Marke über Jahre verpasst hat, ein solides und wirklich attraktives Modellprogramm an den Start zu bringen, war man zuletzt immer mehr vom Händlernetz abhängig, das überdurchschnittlich performte und treue und loyale Kunden hat. Doch leider ist es ein Trugschluss, dass die alle zu Renault oder Nissan gehen werden, wenn Mitsubishi sich komplett aus dem Markt zurückzieht. Insofern ist die Entscheidung der Allianz nicht zu verstehen, denn wenn eine Marke einmal aufgegeben ist, hat man praktisch keine Chance mehr, ihren Absatz „umzulenken“ oder zu sichern. Schade ist es auch um einzelne Produkte, denn sowohl der extrem günstige Space Star als auch der Outlander Plug-in-Hybrid machen in ihren Nischen gute Stückzahlen. Aber sind eben Einzelmodelle in Nischen…und da kann es schnell eng werden.

 

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