TMH bringt Speicher aus Zoe-Akkus an den Strommarkt

E-Mobilitäts- und Energiespezialist vermarktet erstmals einen aus Renault ZOE Batterien gebauten Stationärspeicher an Frankreichs Energie- und Leistungsmärkten. Der am Werk Douai installierte Speicher soll auch in Primärregeleistung und Kurzfristhandel mitwirken.

Macht sich nützlich für den Strommarkt: Erstmals hat TMH ausrangierte Auto-Akkus als Batteriespeicher am Strommarkt kommerzialisieren können. | Foto: TMH
Macht sich nützlich für den Strommarkt: Erstmals hat TMH ausrangierte Auto-Akkus als Batteriespeicher am Strommarkt kommerzialisieren können. | Foto: TMH
Johannes Reichel

Das Münchner E-Mobility-Tech-Unternehmen The Mobility House (TMH) hat in Frankreichs Strommarkt zum ersten Mal einen Speicher aus First- und Second-Life Renault ZOE Elektroauto-Batterien kommerziell vermarktet. Das Projekt „Advanced Battery Storage“ wird in Kooperation mit der Mobilize-Sparte der Renault Gruppe, Banque des Territoires und dem von Demeter verwalteten Ecological Transport Modernisation Fund realisiert. Wie die bereits in Deutschland und den Niederlanden installierten Speicher aus Fahrzeugbatterien, nehme auch der französische Speicher, der beim Autohersteller Renault im nordfranzösischen Werk Douai installiert ist, am Kurzfristhandel sowie dem Primärregelleistungsmarkt teil, so der Anbieter. Douai werde nun zu einem wichtigen Standort. Renault hatte jüngst bekanntgegeben, dort eine „Gigafactory“ für Batterien bauen zu wollen. Ziel ist es, die Herstellung von hochmodernen, wettbewerbsfähigen und kohlenstoffarmen Batterien zu unterstützen, um den europäischen Elektromobilitätsmarkt optimal zu bedienen, teilt der Anbieter mit.

Zusammen mit Partnern erschließe man mit dem Kapazitätsmarkt eine weitere Erlösquelle für Elektroautobatterien. Zudem sieht TMH einen wichtigen Beitrag zu einer stabilen Energieversorgung. Darüber hinaus lege man den technologischen Grundstein für die netzdienliche und intelligente Integration von Elektroauto-Batterien in das Energiesystem. Auf diese Art könnten auch mobile Speicher, also Elektroautos an Ladestationen, auch Vehicle to Grid / V2G genannt) einen Beitrag zur Stromnetzstabilität leisten und dabei Geld verdienen, wirbt der Anbieter.

Intelligente Integration von Batteriepacks

Bei der Realisierung setzten die Münchner auf die unternehmenseigene Technologie, die seit 2016 im Einsatz ist. Basis bildet das intelligente Lade- und Energiemanagementsystem ChargePilot und die zugrundeliegende EV Aggregation Platform. Diese sei speziell für die effiziente Bereitstellung von Energie- und Leistungsanwendungen entwickelt und könne dabei eine Vielzahl von Batteriepacks in den Strommarkt integrieren, unabhängig davon, ob mobil oder stationär, First- oder Second-Life-Batterien.

„Schon seit 2014 arbeiten wir erfolgreich an der Einbindung und der Vermarktung von Elektroauto-Batterien im Strommarkt und sind hier bereits in verschiedenen europäischen Märkten sowie den USA aktiv“, erklärt Robert Hienz, CEO von The Mobility House.

Mit der Integration eines Speichers im Kapazitätsmarkt wie jetzt in Frankreich erweitere man das Technologiespektrum einmal mehr um eine innovative Anwendung. Die intelligente Steuerung von Batteriespeichern sei ein wichtiger Schritt für die Integration von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz, mit dem man auch aktiv am französischen Kapazitätsmarkt teilnehme, bestätigt auch Yasmine Assef, Program Director, Energy Services bei Mobilize der Renault Gruppe.

"Durch derartige Projekte erschließen wir unglaubliche Zukunftspotenziale, die nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch noch zur Stromnetzstabilität beitragen und mit Fahrzeugbatterien Erlöse erzielen. Eine Win-Win-Situation“, findet Assef.

Wirtschaftliche Energiewende dank Batteriespeicher

Batteriespeicher seien bereits ein essenzielles Element im Strommarkt geworden, um die Netzstabilität zu gewährleisten und gleichzeitig eine wirtschaftliche Energiewende zu ermöglichen. Gerade die Ablösung konventioneller Kraftwerke bei wichtigen Systemdienstleistungen, wie Primärregelleistung und Kapazitätsmärkten, bilde einen zentralen Baustein, plädiert der Anbieter. Batterien als Zwischenspeicher könnten sicherstellen, dass in Zeiten hoher Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien mehr und mehr auf konventionelle Kraftwerke verzichtet werden könne. Der 4,7 MW-Speicher des Renault-Werks in Douai wurde für die Teilnahme am Primärregelleistungsmarkt mit 4 MW präqualifiziert. Damit könne TMH in Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich nun insgesamt 33 MW Primärregelleistung mit Elektroautobatterien bereitstellen.

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