Werbung
Werbung

Tier und Dott wollen mit Fusion aus Finanzklemme und Verkehrswende boosten

Die Fusion der beiden Scooter-Sharing-Anbieter soll die Unternehmen aus der finanziellen Bredouille bringen - und einen europäischen Marktführer formen, der leichte E-Mobile als Autoersatz in Städten etabliert.

Doppelt roll(er)t besser: Tier Mobility und Dott wollen das Konzept von E-Scootern und E-Bikes im Sharing gemeinsam doch noch zum Erfolg führen. | Foto: TIER Mobility
Doppelt roll(er)t besser: Tier Mobility und Dott wollen das Konzept von E-Scootern und E-Bikes im Sharing gemeinsam doch noch zum Erfolg führen. | Foto: TIER Mobility
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Der E-Scooter- und E-Bike-Sharing-Pionier Tier Mobility, zudem Inhaber von Nextbike, hat eine Fusion mit seinem Konkurrenten Dott angekündigt. Darüber hatte zuerst das Manager Magazin und der Branchendienst Pedelecs&E-Bikes berichtet. Dem Vernehmen nach soll Gründer von Tier Mobility Lawrence Leuschner seinen Posten als CEO aufgeben und in den Aufsichtsrat als „non-executive Chairman“ wechseln. Die Leitung des fusionierten Unternehmens soll von Henri Moissinac, dem CEO von Dott, übernommen werden, so die mittlerweile bestätigten Berichte weiter.

Hohe Verluste, aufwändiger Betrieb

Die mögliche Fusion zwischen dem einstmals auf zwei Milliarden US-Dollar taxierten Unicorn Tier Mobility und dem kleineren Startup Dott könnte zu weiteren Mitarbeiterentlassungen bei Tier führen. Seit November 2023 wurden bereits rund 400 Stellen beim E-Scooter-Startup gestrichen. Im vergangenen Jahr haben Tier und Dott gemeinsam einen Verlust von 55 Millionen Euro verbuchen müssen. Der aktuelle Wertverlust des fusionierten Unternehmens ist hoch. Anteilseigner erwägen, etwa 50 bis 70 Millionen Euro in das neue Gemeinschaftsunternehmen zu investieren. Die Fusion von Tier und Dott wird von den Investoren jedoch nur mit 150 Millionen Euro bewertet, was einen deutlichen Wertverlust andeutet.

Tier Mobility, im Jahr 2018 von Lawrence Leuschner, Julian Blessin (Mitgründer von Coup) und Matthias Laug (Mitgründer und Technischer Direktor von Lieferando) gegründet, verzeichnete anfangs ein enormes Wachstum. Die Corona-Lockdowns führten jedoch zu ersten Rückschlägen, die das Mobility-Startup zunächst zu überwinden schien, bevor es in jüngster Zeit erneut Schwierigkeiten gab, wie der Branchendienst bilanziert.

Offizielle Bestätigung: Marken sollen erhalten bleiben

Nach offizieller Lesart des Unternehmens soll die getroffene Vereinbarung über den Zusammenschluss den "führenden Anbieter von geteilter Mikromobilität in Europa" schaffen. Man wolle weiterhin unter den Marken TIER und Dott operieren und seine Kompetenzen bündeln. Die Transaktion unterliege mehreren Bedingungen und werde erst nach deren Erfüllung und Abschluss wirksam, der innerhalb von zwei Monaten nach dieser Ankündigung erwartet wird. 

Investorenmix im Hintergrund

Hinter der Transaktion stehe ein Mix aus bestehenden Investoren von TIER und Dott, angeführt von Mubadala Capital und Sofina, sowie Estari, M&G, Prosus Ventures, Novator und White Star Capital, die 60 Millionen Euro Kapital investieren, um die langfristige Vision des neuen Gemeinschaftsunternehmens zu unterstützen. Die Unternehmen erwirtschaften zusammen einen Umsatz von 250 Millionen Euro und ermöglichen mehr als 125 Millionen Fahrten pro Jahr in über 20 Ländern. Mit Niederlassungen in den wichtigsten Städten der Welt, darunter Berlin, Brüssel, Dubai, Helsinki, London, Madrid, Paris, Rom, Tel Aviv und Warschau, wird das Unternehmen gut positioniert sein, um profitabel zu sein und die Verkehrswende zu unterstützen, glauben die Verantwortlichen.

Hauptsitz in Berlin - Ziel Autoersatz in Städten

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin bestätigte auch die Führungsmannschaft: Lawrence Leuschner sollen als Aufsichtsratsvorsitzender, Henri Moissinac als Chief Executive Officer, Maxim Romain als Chief Operating Officer und Alex Gayer als Chief Financial Officer fungieren. Man wolle nachhaltigere Mobilitätslösungen anbieten, um die Verkehrsdichte und die Umweltverschmutzung in städtischen Gebieten zu verringern.

Zudem zielt man darauf ab, den privaten Autoverkehr in den Städten zu verringern, mit einem zuverlässigen und effizienten Service anbietet, der gut in den öffentlichen Nahverkehr integriert ist. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wolle das marktführende Know-how beider Betriebsmodelle kombinieren und die Technologie beider Dienste einbeziehen. Die Nutzer:innen werden weiterhin über ihre Apps auf die Fahrzeuge von TIER und Dott zugreifen, wobei in Zukunft eine weitere Konvergenz möglich ist, heißt es.

"Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit Dott, die unsere Position als europäischer Champion für Mikromobilität weiter stärkt und die nächste Phase in der Entwicklung der Branche einleitet. Uns eint die gemeinsame Vision von Städten mit nachhaltigeren Mobilitätslösungen und weniger Autos, und wir setzen uns dafür ein, Nutzer:innen und Städten dabei zu helfen, dies zu verwirklichen", erklärte Lawrence Leuschner, Co-Founder und CEO von TIER Mobility.

Henri Moissinac, Mitbegründer und CEO von Dott zeigte sich optimistisch, was die Zukunft der geteilten Mikromobilität angeht. Die Städte passten sich an, um die Abhängigkeit vom Auto zu verringern, und ermutigen die Menschen, sich für nachhaltige Verkehrsmittel zu entscheiden. Man habe einen Service aufgebaut, der von den Nutzern geliebt wird und der auf verantwortungsvolle Weise betrieben werde.

"Durch die Zusammenführung von TIER und Dott sind wir gut positioniert, um die nächste Wachstumsphase zu erreichen und unseren Weg zur Profitabilität weiter zu beschleunigen. Wir schaffen den europäischen Champion, der unseren Nutzern das beste Erlebnis bietet, sorgfältig integriert in die Städte, in denen wir tätig sind."

Werbung
Werbung