Think Tank focused: Mobility - Quo vadis?

Das Beste zum Schluss: Der letzte Think Tank 2022 brachte spannende und neue Erkenntnisse.

Spannende Runde mit vielen Insights: Der VISION-Mobility Think Tank unter dem Motto "Mobility - Quo vadis?"
Spannende Runde mit vielen Insights: Der VISION-Mobility Think Tank unter dem Motto "Mobility - Quo vadis?"
Gregor Soller

Der CO2-Footprint muss runter und das besser gestern als heute. Vier Experten von drei Unternehmen beleuchteten aus verschiedenen Blickwinkeln, wie eine schnelle Mobilitätswende gelingen kann. Die Flotte umstellen, jederzeit laden können und das Ganze noch finanzamtkonform abrechnen – ein Szenario, das in seiner Gesamtheit komplex erscheint, aber mittlerweile vergleichsweise einfach umsetzbar ist.

Erste Umfrage: Alle sind auf dem Weg

Johann Goldenstein, Commercial Director Prokurist bei MHC Mobility, gab zu Beginn einen tiefen Einblick ins Thema Flotte und Beschaffung und konnte vermelden, dass MHC grundsätzlich „lieferfähig“ sei: Tatsächlich stünden aktuell rund 150 rein elektrische Fahrzeuge auf Abruf bereit, was uns ein Blick auf die MHC-Webseite bestätigt: Vom Kompaktstromer bis hin zum 3,5-Tonner ist tatsächlich alles ad hoc verfügbar. Das aber auch deshalb, weil man bei MHC rechtzeitig geplant und geordert habe. Und die Nachfragen steigen laut Goldenstein merklich, wenn auch auf niedrigem Niveau. Ein Grund ist seiner Einschätzung nach, dass zur Elektromobilität eben auch ein komplettes Gesamtsystem mit Ladeinfrastruktur und Abrechnungsmöglichkeiten gehöre – und dieses Fass grundsätzlich zu öffnen, scheuten dann eben doch viele Mobilitätsmanager. Selbst wenn man vorab Gespräche diesbezüglich geführt habe, griffen viele dann doch „nochmal“ zum Verbrenner.

Obwohl sie es gar nicht müssten, wie Andreas Lemke, Leiter Vertrieb Deutschland bei Smatrics, versicherte. Denn die Ladeinfrastruktur stehe zumindest in Zentraleuropa und an den großen Magistralen und Smatrics „verdichtet“ mittlerweile schon nach: so wurden erst kürzlich Verträge mit Rewe Austria geschlossen, die Parkplätze der Einzelhandelsgruppe mit (Schnell-)Ladetechnik zu versehen und man übernimmt von der deutschen Bahn die Ladeinfrastruktur und baut sie um respektive aus. Smatrics wird den Betrieb von aktuell 750 und allen künftigen Ladepunkten der Deutsche Bahn AG mit dem zentralen Charge Point Management System (CMPS) übernehmen.

Auch der Elektro-Lkw nimmt plötzlich massiv an Fahrt auf

Im Fokus steht dabei die Abwicklung des Ladens von Dienstwagen zu Hause, von Flottenfahrzeugen und von Gästefahrzeugen an den Standorten der Deutschen Bahn und an Bahnhöfen. Zusätzlich betreibt man die Ladeinfrastruktur für E-Busse in den Depots. Smatrics bringt hier das selbstentwickelte CPMS charVIS Operations zum Einsatz, um einen reibungslosen und wirtschaftlichen Betrieb der Ladeinfrastruktur zu gewährleisten und auch vom Einzelhandel, Speditionen und Logistikern gäbe es bereits Anfragen. Was uns erstaunt, denn das Thema Elektro-Lkw hat gefühlt erst seit der IAA 2022 richtig Fahrt aufgenommen, zumal man hier wirklich viel Energie braucht, um die Fahrzeuge zügig zu laden. Was laut Lemke grundsätzlich machbar sei, sofern man sich rechtzeitig darum kümmert – denn dafür müssen mehrere Monate Vorlauf eingeplant werden. Und oft planten die Kunden „erst, wenn das Fahrzeug bestellt ist“ – dann habe man bei den aktuellen Lieferzeiten zwar manchmal noch bis zu einem Jahr Zeit, was aber in Summe dann doch zu knapp sei.

Die Kunden fordern mehr als Ladekarten und Abrechnungssysteme

Ein Thema, das dann auch bei Uta Edenred aufschlagen müsste, wo man von der klassischen Tankkarte kommt und das Lkw-Business aus dem effeff kennt. Tatsächlich bestätigen Jens Eckart, Product Manager bei Uta Edenred und Philipp Langer, Sales Expert Electro Mobility, das. Denn nachdem man mit den Uta Edenred-Produkten auch Services wie Maut oder Fahrzeugwäschen begleichen kann, hat man hier natürlich sofort einen Überblick, wer vom Lkw kommt. Das Umstellen von der Tank- zur Ladekarte sei einfach: man müsse zwar die alte Karte ab- und die Neue anmelden, aber das gelänge laut Eckart binnen eines Tages. Und nachdem auch Uta Edenred eine erhöhte Nachfrage der Unternehmen verspürt, bilanziell CO2-neutral zu werden, hat man entsprechende Programme aufgelegt: „UTA Edenred Move for Good“ hilft, die CO2-Bilanz von Fahrzeugflotten zu verbessern und so ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Zudem trägt das Programm zum Schutz der weltweiten Ökosysteme bei und fördert die Erhaltung der Biodiversität. „Move for Good“ ist ein globales Programm der Edenred-Gruppe und wird schrittweise auf die Tochterunternehmen ausgerollt. Es stützt sich auf vier Säulen:

1. Die Sensibilisierung, wobei vermittelt werden soll, wie wichtig Emissionsausgleich und Nachhaltigkeit sind.

2.Die Senkung der Emissionen durch technologische Lösungen und andere Maßnahmen, wozu alternative Kraftstoffen und elektrisches fahren ebenso gehören wie der UTA Kombiverkehr Service, um den Lkw streckenweise per Zug zu transportieren, um Kraftstoff und damit CO2-Emissionen einzusparen.

3. Die Kompensation von Emissionen durch Umweltprojekte zur CO2-Kompensation

4. Klimaschutz– Förderung des Klimaschutzes durch praktische Naturschutz- und Biodiversitätsprojekte

Für den Klimaschutz unterstützt UTA Edenred Projekte in den Bereichen Solar- und Windenergie sowie Wiederaufforstung bereits geschädigter Gebiete.
 

In der Diskussion ging es dann auch tief in die Praxis: Auf die Anmerkung eines Teilnehmers, dass die Ladequalität oft noch schlecht sei, merkte Jens Eckart von Uta Edenred an, dass ein Kollege öfters elektrisch von Innsbruck nach Frankfurt pendle – ohne Probleme. Doch tatsächlich gäbe es immer wieder mal noch ein paar ältere Säulen, „die nicht immer ganz sauber liefen“. Worauf Goldenstein als Elektrofahrer bestätigt, dass auch Langstrecken kein Problem mehr seien. Aber man sei eben anders unterwegs – tendenziell etwas langsamer, aber eben auch „entspannter“. Aber das müsse man eben erfahren, denn grundsätzlich sei „alles da“. Weshalb MHC Mobility gern auch E-Fahrzeuge über längere Zeiträume „testen“ lässt. Um dann festzustellen, dass es eben funktioniert.

Fahrprofilanalysen lohnen sich

Worauf Andreas Langer zustimmt, dass sich Fahrprofilanalysen lohnen. Zumal man das Ladenetz heute viel dezidierter ausbaue als früher: „Wenn man das vernünftig ausbalanciert ist das eine tolle Sache“. Philipp Langer bestätigt dann auch, dass UTA Edenred verstärkt Anfragen erhält, Ladepunkte ins Abrechnungssystem einzubinden.

Noch in den Kinderschuhen steckt dagegen das Thema „Alternativen zu Pkw oder Van“. Laut Goldenstein gäbe es schon Anfragen und Ideen und ach bei Smatrics denkt man über Ladepunkte für Pedelecs oder Lastenräder in den Cities nach, für die UTA Edenred auch Abrechnungssysteme erstellen könnte – doch hier handelt es sich bisher meist um firmeninterne Piloten der Paket- und Zustelldienste.

Was bedeutet das?

Am Ende stand fest, dass die Elektromobilität kommt, wenn laut Lemke von Smatrics auch „langsamer als wir es uns wünschen“, zumal man speziell in Deutschland tendenziell „überreguliert“ sei. Ein Hemmschuh sind auch die (noch) vorhandenen Lieferprobleme. Doch wenn die gelöst seien, erwartet auch Philipp Langer „starken Hochlauf“ der Elektromobilität. Zumal man, und da ist sich das Plenum einig, nur ungern in den Verbrenner zurückgeht, wenn man einmal elektrisch gefahren ist. Mobility quo vadis? Auf jeden Fall elektrisch!

Den ganzen Talk finden sie unter obenstehendem Link.

Printer Friendly, PDF & Email