THG Förderung: So verdient ihr E-Auto Geld

Besitzer eines E-Fahrzeuges können seit 2022 mehrere hundert Euro pro Jahr kassieren. Möglich macht das der Quotenhandel mit deren Hilfe Mineralölkonzerne ihren CO2-Ausstoß kompensieren.

Mit dem eigenen E-Pkw kann man Geld verdienen, per THG-Förderung.| Foto: Tesla, T. Kanzler
Mit dem eigenen E-Pkw kann man Geld verdienen, per THG-Förderung.| Foto: Tesla, T. Kanzler
Thomas Kanzler

Wer von dem jährlichen Bonus profitieren möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zuerst gilt: Die Zahlung können nur Besitzer eines reinen Stromers beantragen, Hybrid-Fahrzeuge kommen nicht in Betracht.

Anträge zur THG (Treibhausgas)–Extra Zahlung kann man unter anderem bei zahlreichen Dienstleistern im Internet stellen. Der Antragsteller muss durch den Fahrzeugschein nachweisen, der Eigentümer des Fahrzeuges zu sein. Zudem wird geprüft, ob das jeweilige Fahrzeug förderfähig ist.

Überprüfung durch das Umweltbundesamt

Die Unterlagen werden dann ans Umweltbundesamt weitergereicht. Nach der Überprüfung zertifiziert das Umweltbundesamt die eingesparten Emissionen. Diese Zertifikate werden an Firmen verkauft, die in Deutschland über die gesetzliche Treibhausminderungsquote verpflichtet sind, ihre Emissionen zu senken.

CO2-Ausstoß muss sich verringern

Deutschland hat sich bei diversen Klimakonferenzen verpflichtet, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen. Die direkte Förderung beim Kauf eines Stromers steht aktuell in der Diskussion. Vor allem Finanzminister Lindner hatte sich kürzlich dahingehend geäußert, dass die Förderung der E-Fahrzeuge zu teuer und somit nicht mehr finanzierbar wäre.

THG-Förderung bringt bis zu 410 Euro im Jahr

Besitzer eines batterie-elektrischen Pkw haben seit Anfang 2022 die Möglichkeit, den Fahrstrom für ihr Elektrofahrzeug selbst am Kraftstoffmarkt als nachhaltige Antriebsenergie zu vermarkten: Der Halter erhält für die Veräußerung einer pauschalierten Strommenge seines Elektrofahrzeugs im Quoten-Handelssystem eine finanzielle Kompensation.

Zwischenhändler übernehmen die Abwicklung

Der Gesetzgeber ermöglicht es Besitzern eines Stromers seit diesem Jahr, am Quotenhandel teilzunehmen. Dabei wird der durchschnittliche Stromverbrauch eines E-Fahrzeuges durch das Umweltbundesamt geschätzt. Auf dieser Basis wird dann die entsprechende Einsparung an CO2 berechnet. Für das Jahr 2022 kommt das Umweltbundesamt so auf zwei MWh Ladestrom pro Stromer, das entspricht 1028,16 Kilogramm CO2 Äquivalent. In diesem Umfang können die CO2-Qutenanteile weiterverkauft werden. Privatleute müssen dazu allerdings Zwischenhändler einschalten, die die Anteile bündeln.

Vergleichen lohnt sich

Aktuell bieten die meisten Portale für ein E-Fahrzeug eine jährliche Prämie von etwa 250 – 350 Euro. Wir sind bei unserer Recherche auf Angebote bis zu 410 Euro gestoßen. Dabei ist die THG-Quote von verschiedenen Faktoren abhängig. Sie hängt vom Strommix, dem Mineralöl-Markt und dem gegenwärtigen Markt für THG-Prämien ab. Die Höhe der jeweiligen THG-Minderungsquote legt die Bundesregierung fest. Aktuell sind es sieben Prozent, 2030 werden es 25 Prozent sein. Dem gegenüber stehen dann immer mehr E-Fahrzeuge und der schrumpfende Markt der Mineralöl-Konzerne – wie sich die Höhe der Prämie in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist also schwer abzuschätzen.

Und aus ökologischer Sicht?

Greenpeace äußerte sich zuletzt skeptisch zum THG-Quotenhandel bei Elektro-Autos. Das System diene laut Greenpeace nur dazu, die Ölindustrie in einem grüneren Gewand erscheinen zu lassen. Aber letztlich empfehlen sogar die Experten von Greenpeace, die Prämie mitzunehmen.

„Die Quote fällt sonst an den Staat zurück. Und der wird sie dann irgendwann versteigern. Die Mineralienkonzerne kommen also so oder so an diese Quote“, erläuterte Greenpeace Experte Tobias Austrup.

Was bedeutet das?

Die vergleichsweise kleine Zahlung wird niemanden dazu bewegen, vom Verbrenner auf einen Stromer umzusteigen, dazu bedarf es anderer Steuerungsinstrumente. Zudem erzeugt die THG-Quote momentan kaum den Transformationsdruck, die Industrie nachhaltig umzubauen. Besitzer eines E-Fahrzeuges sollten trotzdem nicht auf die Prämie verzichten.

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