The Smarter E / Power2Drive 2022: Erwartungen übertroffen - mehr Tempo gefragt

Mit einer um ein Drittel zur letzten regulären Ausgabe gesteigerten Besucherzahl ging in München die Vierfachmesse rund um Energie- und Mobilitätswende zu Ende. Das zeigt, wie groß der Bedarf an regenerativen Lösungen ist. Die Umsetzung benötigt aber dringend mehr Tempo.

Drängende Fragen der Energie- und Mobilitätswende wurden auf der Vierfachmesse The Smarter E diskutiert und Lösungen präsentiert. | Foto: Solar Promotion
Drängende Fragen der Energie- und Mobilitätswende wurden auf der Vierfachmesse The Smarter E diskutiert und Lösungen präsentiert. | Foto: Solar Promotion
Johannes Reichel

Nach drei Messetagen und zwei Tagen Konferenzsessions hat Europas nach eigenen Angaben größte energiewirtschaftliche Plattform eine positive Bilanz gezogen: 1.356 Aussteller aus 46 Ländern auf 132.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden von über 65.000 Besucher aus 149 Ländern frequentiert. Damit habe man die Erwartungen an die erste Ausgabe nach der Corona-Pandemie übertroffen. Die Besucheranzahl entspreche einem Zuwachs von 33 Prozent gegenüber der letzten regulären Veranstaltung 2019, freut sich der Veranstalter Solar Promotion GmbH. Die nächste The smarter E Europe findet vom 14. bis 16. Juni 2023 wiederum auf dem Münchner Messegelände statt.

Noch nie seien wegweisende und zukunftsgewandte Lösungen für die nachhaltige und sichere Energieversorgung so wichtig wie heute gewesen, postuliert der Veranstalter. Die Klimaschutzziele sowie die massiv gestiegenen Preise bei fossilen Energieträgern und die aktuellen geopolitischen Entwicklungen würden die Energiewende rasant beschleunigen. Die Messe wolle die Technologien, Lösungen und Geschäftsmodelle der neuen Energiewelt bündeln, die vollständig auf erneuerbaren Energien basieren.

„Es ist nicht nur eine Energiewende, sondern eine Industriewende. Die aktuelle politische Lage wird den Übergangsprozess noch beschleunigen. Wir müssen dringend mehr Tempo aufnehmen und in alle Bereiche der Wertschöpfungskette investieren", appellierte Ditlev Engel, Chief Executive Officer, Energy Systems bei der globalen Beratungsfirma DNV.

Die Photovoltaik (PV) ist seit zwei Jahrzehnten erfolgreich, die Speicher-Branche seit zehn Jahren im Aufwind, Ladeinfrastruktur und Elektromobilität boomen. Die Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle für die Transformation der Energie- und Mobilitätswelt seien vorhanden. Allerdings gebe es noch immer zu viele regulatorische Hemmnisse, die die notwendige Dynamik des Ausbaus hemmen.

„Die Aussichten für erneuerbare Energien, insbesondere Solar, sind fantastisch. Wir haben die Technologien, die wir brauchen, jetzt müssen wir neue Genehmigungs- und Planungsverfahren einführen, damit wir deutlich schneller skalieren können", meint Engel weiter.

Aurelie Alemany, Chief Executive Officer der Senec GmbH, einer Tochter des Energieversorgers EnBW ergänzt, die gemeinsame Verantwortung für die Energiewende sei mittlerweile breit in der Gesellschaft verankert. Die enorme und weiterhin stark steigende Nachfrage nach PV, Stromspeichern und Elektromobilität unterstreiche dies – Lösungen und Technologien dafür lägen vor und seien eindrucksvoll in München präsentiert worden. 

Vier Messen zu vier Kernthemen entwerfen eine regenerative Welt

The smarter E Europe verband dabei insgesamt vier Energiefachmessen: Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe, begleitet von vier Fachkonferenzen und vier Messeforen. Wichtig war der branchen- und sektorübergreifende Ansatz. Es stehe alles bereit, nun ist es Zeit, die Produkte und Lösungen einzusetzen und die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Energie- und Mobilitätswende zu beschleunigen, appelliert der Veranstalter. Im Rahmen der Fachkonferenzen waren sich die Teilnehmenden einig: Erneuerbare Energien sind „Sicherheitsenergien“, und der Ausbau müsse dringend beschleunigt werden.

„Um die Unabhängigkeit Europas in Bezug auf andere Länder und Kontinente zu erhöhen, müssen wir die Wertschöpfungskette für die Produktion von Solarmodulen diversifizieren und den Aufbau einer europäischen PV-Industrie stärken“, fordert Matthias Taft, Chief Executive Officer bei der BayWa r.e. AG.

So mache etwa Solarstrom allein noch keine Energiewende, vielmehr gehe es um integrierte Lösungen für eine Vollversorgung mit erneuerbarer Energie. Ein weiteres Schlüsselelement rückt neben Batteriespeichern in diesem Zusammenhang immer stärker in den Fokus und wurde auf den Fachmessen und Foren beleuchtet: Grüner Wasserstoff.

“Wenn wir die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wollen, müssen wir alle Technologien nutzen. Die Energiewende ist eine Kombination aus allen Bereichen des Energiesystems. Dabei können wir nicht nur auf Solar- und Windenergie setzen, sondern müssen auch Wasserstoff und andere Technologien in die Gleichung einbeziehen", plädierte Engel.

Grüner Wasserstoff werde zu einer wichtigen Option, um die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr über regenerative Energien enger aneinander zu koppeln. Im Rahmen der Innovationsplattform wurde auch die Studie “Steel from Solar Energy“ zu grünem Wasserstoff vorgestellt. Die Studie liefert einen Beleg dafür, dass die Stahlherstellung aus Eisenerz mit aus erneuerbaren Energien gewonnenem Wasserstoff möglich ist. Der Prozess der Stahlherstellung ist in Europa für rund vier Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich.

„Die Speicherung ist ein wichtiger Faktor. Wir müssen in Netze investieren. Aber der Schlüssel ist, Speicher in großem Maßstab zu nutzen. Wir müssen dazu auch Anreize setzen, um Autobatterien zu aktivieren, die die meiste Zeit geparkt sind. Bei E-Mobilität geht es also nicht nur um das Laden der Fahrzeuge, sondern um den Brückenschlag zur gesamten Energieinfrastruktur", betonte Simon Löffler, Chief Commercial Officer der Volkswagen Group Charging GmbH, in dem Kontext.

Im Fokus stehen erneuerbare Energien, Dezentralisierung und Digitalisierung der Energiewirtschaft sowie branchenübergreifende Lösungen aus den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Erneuerbare Energien und vernetzte Energiesysteme seien eng mit der angestrebten Klimaneutralität und der neu zu bewertenden Versorgungssicherheit verbunden, glaubt der Veranstalter. The smarter E Europe gebe der neuen Energiewelt einen Namen und präsentiert die nun dringend notwendigen Lösungen.

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