The Mobility House ermöglicht erstmals netzdienliches Laden

Spezialist setzt mit Netzbetreibern und Partnern erstmals Ladeinfrastruktur für Elektroautos als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach §14a des Energiewirtschaftsgesetzes um. Der ChargePilot wird dafür um ein Zusatzmodul ergänzt. Betreiber profitieren von verringerten Entgelten von 60 bis 120 EUR/Jahr und Ladepunkt.

Dem Netz dienlich: Wie sich die Ladeinfrastruktur von E-Autos zur Entlastung des Stromnetzes nutzen lässt, hat TMH jetzt erstmals umgesetzt, unter anderem mit den SWM Infrastruktur. | Foto: TMH/Shutterstock
Dem Netz dienlich: Wie sich die Ladeinfrastruktur von E-Autos zur Entlastung des Stromnetzes nutzen lässt, hat TMH jetzt erstmals umgesetzt, unter anderem mit den SWM Infrastruktur. | Foto: TMH/Shutterstock
Johannes Reichel

Das Münchener Technologieunternehmen The Mobility House hat als erster Anbieter mehrere Ladestationen als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und damit das sogenannte "netzdienliche Laden" umgesetzt. Dabei verarbeitet das intelligenten Lade- und Energiemanagementsystem ChargePilot die Steuersignale des Netzbetreibers über verschiedene Kommunikationsstandards, wie OpenADR, IEC 60870-5-104 oder die bewährte Rundsteuer-Technologie. Dank des neuen Zusatzmoduls „Netzdienliches Laden“, das bei mehreren Kunden bereits im Einsatz ist, sollen nicht nur einzelne, sondern gleich mehrere Ladestationen angebunden und durch den Netzbetreiber gesteuert werden können. Mit der netzdienlichen Anpassung der Ladevorgänge trügen Betreiber von Ladeinfrastruktur zu einer stabilen Stromversorgung und der Energiewende bei und vermieden maßgeblich den vielfach befürchteten Verteilnetzausbau, wirbt der Anbieter für das Konzept.

Stromkosten senken

Dies werde auch finanziell belohnt. Die Stromkosten ließen sich durch verringerte Netzentgelte deutlich senken, wie sich bei den ersten Kunden gezeigt habe. Bei einem Eingriff des Netzbetreibers liest ChargePilot das Steuersignal – zum Beispiel des Rundsteuerempfängers – aus, passt die Leistung der gesamten Ladeinfrastruktur innerhalb weniger Sekunden an und verteilt die reduzierte Leistung auf die einzelnen Ladepunkte, skizziert der Anbieter weiter. Dabei werde die Energie phasengenau und intelligent verteilt, falls beispielsweise einzelne Autos priorisiert, schon vollgeladen oder Ladestationen ungenutzt sind. Außerdem werde die Stromzufuhr selbst bei einem kompletten Lastabwurf nicht schlagartig physikalisch unterbrochen, was Schäden am Fahrzeug oder der Infrastruktur vermeiden soll. Nach einem Steuereingriff wiederum stelle das System automatisch sicher, dass die Leistung wieder erhöht wird bzw. unter Umständen unterbrochene Ladevorgänge wieder gestartet werde. Dies sei bei einer herkömmlichen Umsetzung ohne intelligentes Lademanagementsystem in der Regel nicht der Fall.

Gerade auch in der Schweiz werde die Steuermöglichkeit von Ladeinfrastruktur durch den Verteilnetzbetreiber mittels Steuerapparaten wie dem Rundsteuerempfänger immer relevanter. Die Praxis zeige, dass sich nicht nur Netzanschlussnehmer, sondern auch Installateure immer öfter mit dieser Herausforderung konfrontiert sehen würden.

"Da Elektroautos meist deutlich länger mit einer Wallbox verbunden sind, als sie eigentlich zum Laden benötigen würden, entstehen dem Nutzer keinerlei Unannehmlichkeiten. Im Gegenteil: Der Betreiber der Ladeinfrastruktur profitiert mit der netzdienlichen Steuerung sogar von verringerten Stromkosten", wirbt der Anbieter.

Bis zu 20 Prozent der Ladestromkosten ließen sich dadurch einsparen. Bei einer Flotte mit 20 Fahrzeugen und 15.000 km pro Jahr und Fahrzeug betrage das Sparpotenzial je nach Netzbetreiber und Netzentgelten zwischen gut 1.200 und 2.400 Euro pro Jahr.

„Volatile erneuerbare Energien bringen es mit sich, dass Netzbetreiber entweder das Stromnetz kostenintensiv ausbauen oder durch Instrumente wie steuerbare Verbrauchseinrichtungen die Stromversorgung intelligenter organisieren müssen. Die Grundidee des §14a EnWG sollte sein, dass es für denjenigen günstiger wird, der sich netzdienlich verhält. Intelligente Technologien wie ChargePilot ermöglichen das und lösen damit schon heute die Herausforderungen der Zukunft“, erklärt Marcus Fendt, Geschäftsführer von The Mobility House.

Die Umsetzungen bei Kunden fanden bereits an mehreren Standorten statt, unter anderem mit der Allgäuer Kraftwerke GmbH als Dienstleister für den Netzbetreiber AllgäuNetz GmbH & Co. KG, bei Creaplan Metzler in Blaichach und mit SWM Infrastruktur am Hauptsitz von The Mobility House in München.

„Für uns als Netzbetreiber ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Durch die Integration von steuerbarer Ladeinfrastruktur können wir das Netz weiter stabilisieren. Darüber hinaus können die angeschlossenen flexiblen Verbraucher Netznutzungsentgelte sparen. Und wir können die Netzentgelte für alle Netznutzer relativ stabil halten, weil wir das Netz nicht bis auf das letzte Kilowatt ausbauen müssen“, zeigt sich Thomas Rohde von SWM Infrastruktur GmbH & Co. KG überzeugt.

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