Test Seetroën-Brille – nie mehr Übelkeit im Auto?

Das Prinzip ist simpel: Flüssigkeiten im Brillenrahmen bilden einen künstlichen Horizont fürs Auge und sollen so Übelkeit während der Fahrt vorbeugen. Wir haben es in der Praxis getestet.

Auffällig, aber wirkungsvoll: Seetroën im Praxistest. | Foto: G. Soller
Auffällig, aber wirkungsvoll: Seetroën im Praxistest. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Die Seetroën-Brille wurde von einem Start-up entwickelt. Sie basiert auf der sogenannten „Boarding-Ring“-Technologie, die vom gleichnamigen Start-up Unternehmen im südfranzösischen Var entwickelt wurde. Die Erfolgsquote dieses patentierten medizinischen Hilfsmittels liegt laut Citroën bei 95 Prozent. Das ist schon mal eine Ansage, denn die „Technik“ ist vergleichsweise simpel: Mithilfe einer Flüssigkeit, die sich in Ringen vor den Augen (entlang der Frontalachse, rechts/links) und seitlich der Augen (Sagittalachse, vor/zurück) bewegt, erzeugt die Brille einen künstlichen Horizont, der den Konflikt der Sinnesorgane auflöst, welcher die Symptome der Übelkeit hervorruft.

Man soll die Brille aufsetzen, sobald die ersten Symptome auftreten. Nach zehn bis zwölf Minuten soll das Gehirn dann in der Lage sein, die Bewegungen, die das Innenohr wahrnimmt, und die Wahrnehmung der Augen, die auf einen unbeweglichen Gegenstand wie beispielsweise ein Smartphone oder ein Buch gerichtet sind, zu synchronisieren. Die Brille kann von Erwachsenen und Kindern ab zehn Jahren verwendet werden (ab diesem Alter ist das Innenohr komplett ausgebildet).

Und genau diese „Zielgruppe“ im Fond unseres Wagens durfte testen, denn sie klagt binnen kürzester Zeit wegen aufkommender Übelkeit, was sich im Stadtverkehr oder auf kurvigen Straßen schnell verstärkt. Um Unterschiede festzustellen, musste ein Tester mit und einer zeitgleich ohne Brille fahren. Die Person mit Seetroën hatte noch dazu das „Glück“, sich in ein I-Pad versenken zu dürfen, auf das die Augen gerichtet waren. Weniger gut angenommen wurde das Design: Das stammt von „5.5“, einem in Paris ansässigen Designstudio, das die Brille knallhart kreisrund aus weißem Soft-Touch-Kunststoff im Hightech-Look gestaltete – und sie so in erster Linie mal sehr auffällig machte. Und wenn einem ohnehin schon leicht übel wird, möchte man das nicht unbedingt noch durch eine ungewöhnliche Optik unterstreichen – mittlerweile legt Citroën aber auch unauffälligere Modelle auf.

Start in der Stadt und das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Schon nach elf Minuten klagte der brillenlose Tester über erste Übelkeit, während der Seetroën-Träger erst nach 18 Minuten leichtes Unwohlsein meldete, dass aber kaum der Rede wert sei. Bis dahin war der Protest auf dem Nachbarsitz schon so stark angeschwollen, dass ein Stopp gefordert wurde. Fazit: Seetroën funktioniert! Zumindest in der Stadt, was auch ein Tausch der Brille belegte: Der Seetroën-Träger musste nie auf die Straße blicken - trotzdem gab es keine Klagen, während dem brillenlosen Testprobanden wieder übel wurde.  

Auf der Autobahn relativiert sich die Wirkung: Es sind viel weniger Aufbaubewegungen zu verzeichnen – trotzdem ist die Brille auch hier eine Empfehlung, denn der Träger muss nicht in die Umwelt blicken und kann sich in Ruhe seinem Buch oder Device widmen.

Der dritte Testabschnitt umfasste einen Landstraßenabschnitt mit fiesen Serpentinen. Hier konnte Seetroën wieder voll punkten: Der Träger mokierte allenfalls bei ganz wild durcheilten Kurven eine gewisse Übelkeit, während der andere Tester ohne Brille bereits nach fünf Minuten einen Abbruch der Fahrt respektive eine deutliche Reduktion der Geschwindigkeit forderte. Womit die Brille sich binnen kürzester Zeit zum wichtigen Reiseaccesoire entwickelte.

Nachteile sind allenfalls die gewagte Optik und der vergleichsweise hohe Preis von 99 Euro – doch die vollmundigen Ankündigungen können bestätigt werden. Mittlerweile wurden trotz des Preises und der Optik über zehntausend Exemplare verkauft und wir warten auf weitere „Modelle“, die uns vor Übelkeit bewahren - und vielleicht etwas weniger auffällig und gern etwas günstiger daherkommen. Mit der limitierten 1919-Edition hat die Marke zu ihrem 100. Geburtstag bereits eine weitere Version folgen lassen.

Sie können die Seetroën-Brille übrigens auch gewinnen - wir verlosen ein Exemplar unter allen Teilnehmern an unserem Wettbewerb BEST OF mobility.

Unter   https://vision-mobility.de/veranstaltungen/best-of-mobility/abstimmung  können Sie wählen und gewinnen!

Was bedeutet das?

Simpel, aber clever: Mit der Seetroën hat Citroën eine einfache Möglichkeit gefunden, Übelkeit auf Reisen wirkungsvoll zu reduzieren.

 

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