Test Renault Megane E-Tech: Vorstufe zu Renaultlution!

Als Plug-in-Hybrid baut der Megane E-Tech die Brücke zum vollelektrischen Nachfolger – dem ersten Botschafter der Renaultlution.

Der Megane E-Tech punktet als "Grandtour" mit vergleichsweise viel Platz bei vergleichsweise moderaten Verbräuchen. | Foto: G. Soller
Der Megane E-Tech punktet als "Grandtour" mit vergleichsweise viel Platz bei vergleichsweise moderaten Verbräuchen. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Renault-Chef Luca de Meo rief nicht weniger als die „Renaultlution“ aus. Sie startet ausgerechnet mit dem Megane, dem eine Revolution so fremd ist wie seinerzeit Angela Merkel – aber er kommt rein elektrisch und ist Renaults erstes Modell auf der neuen E-Plattform, die Nissan auch für den deutlich größeren Ariya nutzt. Parallel dazu wird der bekannte Megane weitergebaut, immer öfter auch als E-Tense Plug-in Hybrid. Ein Thema, dass den Megane spät, aber dann vollumfänglich ereilte - den wir in der bevorzugten Kombiversion testeten. Deren Kofferraum fasst mit 447 Litern 53 Liter weniger als beim Benziner, aber nur zwei Liter weniger als beim Diesel, was vor allem im Unterfach fehlt. Dachhoch beladen bietet der Plug-in 1408 Liter, der Diesel 1.432 Liter und der Benziner 1.504 Liter. Praktisch ist beim Intense die umlegbare Beifahrersitzlehne, sodass man bis zu 2,7 Meter Ladelänge hat. Das Platzangebot entspricht ansonsten den übrigen Familienmitgliedern samt bequemer Sitze und genug Platz für vier.

Merklich verbessert wurde mit dem letzten Facelift das Infotainment-System, dessen 9,3-Zoll-Monitor wie das Cockpit-Display übersichtlich strukturiert und einigermaßen intuitiv bedienbar ist. Das Online-Multimediasystem Easy Link erlaubt es Navigations- und Software-Updates „over the air“. Außerdem kann man jetzt in deutlich weniger Schritten zwischen den Funktionen und Benutzerebenen wechseln. Angenehm: Die Fahrmodi und Klimatisierung steuert man nach wie vor physisch und nicht per Touch – auch am Audiobediensatelliten hielt Renault fest.

Günstige elektrische Verbräuche und CO2-Werte

Renault-typisch sind auch die auffälligen LED-Leuchtstreifen vorn und hinten, ansonsten bleibt der Megane im besten Sinne unauffällig – und erstaunlich sparsam: In der Stadt erflüsterte er sich einen Schnitt von sehr günstigen 14,9 kWh/100 km, über Land begnügte er sich mit 14,4 kWh, bevor er nach 44,2 Kilometern den Verbrenner hinzuholte, sodass am Ende der Etappe 2,3 l/100 km und 12,3 kWh auf dem Display standen. Aber auch auf er Autobahn boostete die E-Maschine mit 0,8 kWh zu, trotzdem zog sich der Benziner prinzipbedingt 7,1 l/100 km. Am Ende kamen wir auf günstige 5,3 l/100 km plus 4,8 kWh/100 km, wobei man zugeben muss, dass der Megane 115 dci auf zügigen Langstrecken ähnlich sparsam respektive energieseitig nicht teurer gefahren wäre.

Der Selbstzünder kommt aber auf für Flotten kritische 104 g CO2 pro Kilometer, wo es der e-Tech bei 29 Gramm belässt. Was er sich allerdings 6.840 Euro brutto bezahlen lässt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie aufwändig die Technik dahinter ist: Denn im Untergeschoss kombiniert das auf einer Klauenschaltung basierende, kupplungslose Multi-Mode-Getriebe vier Gänge eines 1,6-Liter-Vierzylinder-Saugers (92 PS) mit den zwei Gängen der 49 kW starken E-Maschine – und zwar je nach Fahrsituation parallel oder in Serie. Ergibt insgesamt 15 Getriebemodi, welche für den Fahrer unauffällig variiert werden, um optimale Verbräuche zu erzielen. Allerdings sind die knapp 1,7 Tonnen Leergewicht viel für den Saugbenziner mit E-Maschine, sodass man es eher gelassen angeht, wozu auch die eher dezent übersetzte Lenkung passt.

Und so verabschiedet sich der „alte“ Megane als e-Tense leise und bei weitem nicht so „intens“-iv, wie sein Name es vermuten lässt: Denn Revo- respektive Renaultlutionen waren seinem dezenten Wesen schon immer fremd – die überlässt er seinem Nachfolger.

Technische Daten:

Vierzylinder-Benzinmotor + permanenterregte E-Maschine, 1.598 cm3, Systemleistung: 116 kW (158 PS)/5.600/min., Systemdrehmoment: 300 Nm/3.200/min., LxBxH: 4.626x1.814 (2.065 m Spiegeln)x1.449 mm, Radstand: 2.712 mm, 39-l-Tank + 9,8 kWh-Akku, 447-1.408 l Kofferraum, Leergewicht Testwagen (vollgetankt, inkl. 80-kg-Fahrer): 1.747 kg, Anhängelast: 750 kg

Messwerte:

Elastizität 50-80/80-120 km/h: 3,1/5,9 sek., Beschleunigung 0-60/0-80/0-100 km/h: 5,1/7,5/10,0 sek.

Geräusch bei 30/50/60/80/100/120 km/h: 52,3/53,0/53,8 /56,1/59,1/62,0 dB(A)

Verbrauch Testrunde (159,0 km): Stadt: 14,9 kWh, Land: 2,3 l/100km +12,3 kWh/100 km + Autobahn: 7,1 l/100 km, Gesamt: 5,3 l/100 km + 4,8 kWh

Kosten pro km: 0,38 Euro

Was bedeutet das?

Der Megane E-Tech begleitet den Übergang der Marke in die Elektromobilität und empfiehlt sich vor allem für Pendler. Wem weniger Kofferraum genügt, kann ihn auch als Limousine ordern. Diese Begleitung erfolgt allerdings in der Megane-typischen dezenten Art, die „Renaultlution“ überlässt er seinem Nachfolger, R5, R4 und den Alpines.

 

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