Test BMW iX3: Starke Ansage, dezent verpackt

"Mia san mia" - auf chinesisch - Wǒ men shì wǒ men – ein stolzer Spruch aus München, den der FC Bayern zu seinem Leitfaden erhob. Könnte auch für den in China gebauten BMW iX3 gelten, den wir im Test hatten.

Der iX3 punktet im Test mit Effizienz und Intelligenz. | Foto: G. Soller
Der iX3 punktet im Test mit Effizienz und Intelligenz. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Zugegeben, die Erwartungen waren nicht allzu hoch: Nachdem Audi auf dem Q5 den schweren und wenig effizienten E-Tron aufbaute und Daimler den GLC zum EQC umstrickte – ebenfalls schwer und eher reichweitenschwach - meldete BMW als Nachzügler Vollzug mit dem iX3. Der nicht mal anders aussieht als Verbrenner und Plug-in-Geschwister und noch dazu ausschließlich in China gebaut wird. Ein gut abgehangener Billigheimer also, für die Restlaufzeit „halt auch“ – wie man in Bayern so schön sagt - noch nachträglich verstromt.

Aber es kam ganz anders: Während Audi und Daimler vor allem hinsichtlich Effizienz und Gewicht echt enttäuschten, hielt der iX3 mit gut 2,2 Tonnen noch halbwegs Diät und zeigte sich auf der VM-Testrunde mustergültig effizient: Vor Ladeverlusten reihte er sich mit 19,5 kWh/100 km bei den stromhungrigen Minis neben den sparsamen Porsche Taycan und Tesla Model S ein! Mit Ladeverlusten zog sich der iX3 21,6 kWh/100 km nach, was für die Größe und Stirnfläche des Autos als sehr ordentlicher Wert gelten darf. Zum Vergleich: Der Audi e-tron gönnte sich zur gleichen Jahreszeit 27,6 kWh/100 km und der Mercedes-Benz EQC - alllerdings mit Winterreifen und bei kälteren Temperaturen gar 30,0 kWh/100 km, der Volvo XC 40 Recharge P8 zog sich gar 30,3 kWh/100 km nach - wobei Daimler und Volvo mit 400 PS antreten, der Schwede noch dazu mit Allrad. Zumindest Ersteres ist im Alltag verzichtbar...

Wie gesagt, die Optik zeigt dezente ins Blech gebügelte Fältchen, doch auch den übrigen den Qualitäten tut das keinen Abbruch: Mit dem jetzt ebenfalls nicht mehr ganz frischen aber extrem verständigen I-Drive kommt auch er größte „Digitaldepp“ sofort klar im iX3. Man findet sofort eine passende (zu hohe, da klassisches SUV) Sitzposition und kann starten: Ein „aufsteigender“ Hans-Zimmer-Sound meldet Fahrbereitschaft und der iX3 strömt lautlos los. Und weil BMW auch die Windgeräusche perfekt im Griff hat, ändert sich daran bis rund 120 km/h auch nichts. Auch ohne Navi scheint er unsere Teststrecke auswendig zu kennen: Sobald die im Hintergrund mitlaufenden Daten samt Karte Geschwindigkeitsbegrenzungen oder enge Kurven melden reduziert er die Geschwindigkeit so dass wir die Bremse fast gar nicht benötigen. Danke für diese smarte und unaufdringliche Intelligenz! Hat bis jetzt noch kein Stromer so geliefert.

Entsprechend entspannt durchströmen wir die Testrunde, wenngleich Aerodynamik, Format und Gewicht den ganz großen Rekorden etwas im Weg stehen: Trotzdem: In der Stadt kommen wir vor Ladeverlusten auf 17,2 kWh/100 km, über Land genügen gar 16,9 kWh/100 km (am niedrigsten Punkt der Testrunde kommen wir gar unter 15 kWh/100 km und auf der Autobahn brennen wir wegen kaum Geräuschen in der ersten Runde gleich mal einen 125km/h-Schnitt auf die A9 Richtung München, so dass wir den Gasfuß dezent heben können und am Ende bei einem echten 120er-Schnitt bei 22,1 kWh landen – alles laut Bordrechner. Aber: Für Größe, Kraft und Wagenformat samt seinem üppigen Raumangebot sind das respektable Werte!

Und sonst? Typisch BMW: Beflissene Assistenz, manchmal etwas hektisch bei der Spurkorrektur, auf matschigem oder losem Untergrund wegen Heckantrieb only eher traktionsschwach. Immerhin darf man ein 750-Kilogramm-Trailerchen anhängen und es gibt auf der Kupplung 75 Kilo Stützlast für grade mal so zwei E-Bikes.

Dafür üppige 510 bis 1.560 Liter Gepäckvolumen und 400 Nm Drehmoment, die sich wie die 210 kW sämig entfalten. Der Akku mit 80,0 kWh brutto (73,83 kWh Nettokapazität) lässt sich mit bis zu 150 kW binnen 34 Minuten wieder auf 80 Prozent schnellladen und wir hätten in Summe gut 370 Kilometer echte Reichweite gehabt.

So geht Elektromobilität, denn auf die Art durchquert man mit zwei Ladestopps auch große EU-Staaten. Connectivity, Ergonomie und Infotainment sind ebenfalls ohne Tadel, das Soundsystem liefert satten Klang mit dezenter Umhüllung, während unser Smartphone induktiv geladen wird. Alles verdammt nah an der Perfektion!

Weshalb wir uns als Münchner Redaktion umso mehr auf den i4 freuen: Der bodennäher nochmal deutlich effizienter und markentypischer werden dürfte und nicht in China, sondern im hiesigen Stammwerk gebaut werden wird. Weshalb die Vorserien-Testwagen meist mit den Kennzeichen M-IA herumfahren. „Mia san mia“ – oder in dem fall mit vereinfachtem chinesisch ausgedrückt: 们是我们 - wǒ men shì wǒ men!

Was bedeutet das?

Der iX3 überzeugt trotz alter „Hülle“ mit inneren Werten: Wer ein effizientes Elektro-SUV sucht, erhält hier eines der aktuell besten Angebote im Markt, immer „made in China“ aber eben by BMW. Spätestens mit dem i4 wird es nicht nur für Tesla ganz eng werden! Dann müssen sich auch die übrigen „Premiums“ ganz warm anziehen…

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