Tesla zerlegt: Der Konkurrenz elektronisch sechs Jahre voraus

Interessantes Experiment der japanischen Nikkei Bussiness Publications: Die Journalisten zerlegten einen Tesla 3 und ließen ihn analysieren. Ein japanischer Ingenieur meint: "Wir könnten das so nicht bauen". Schlüssel im AI-fähigen Zentralrechner.

Heiligs Blechle: Unter der Hülle des Tesla 3 offenbarte sich den Computerspezialisten ein gewaltiger IT-Vorsprung der Kalifornier. | Foto: Nikkei xTech/Automotive
Heiligs Blechle: Unter der Hülle des Tesla 3 offenbarte sich den Computerspezialisten ein gewaltiger IT-Vorsprung der Kalifornier. | Foto: Nikkei xTech/Automotive
Johannes Reichel

Der kalifornische Elektroautopionier Tesla ist der Konkurrenz in Sachen Elektronik weit voraus. Das zumindest ist das Urteil der japanischen Nikkei Business Publications, die ein Modell des Tesla 3 komplett zerlegt und analysiert haben. Dabei habe besonders die Zentrale Control Unit herausgeragt, die die "Self driving unit" des Autos enthält. Die sogenannte Hardware 3, 2019 vorgestellt und Nachfolger der noch mit NVDIA gebauten Hardware 2.5, habe den staunenden Ingenieur eines japanischen Herstellers mit der ratlosen Bemerkung zurückgelassen: "Wir können das nicht bauen". Die neue Hardware soll in der Bild-pro-Sekunde-Verarbeitung um den Faktor 21 besser geworden sein, wichtig für das autonome Fahren. Der Schlüssel läge in der selbstentwickelten und gebauten AI-Chip-Technologie, zu der eine ebenfalls eigenständige Software kombiniert werde. Hinzu käme das fortschrittliche Infotainment-System. Diese Technologie, befeuert von einem leistungsfähigen Rechner, könne frühestens 2025 bei anderen Herstellern einsatzbereit sein, so das Urteil der Experten. Teslas "Nervenzentrum" sei seit 2014 in einer Reihe von zwei-, bis dreijährigen Updates gereift, ausgehend von Fahrerassistenz und jetzt mündend in eine Technologie für vollständig automatisiertes Fahren.

Bewährte Wertschöpfungsketten könnten jetzt ein Hemmschuh sein

Die wahre Begründung für die Zurückhaltung der etablierten Hersteller sieht der Ingenieur weniger im Unvermögen: Die Ressourcen und Manpower sei gewaltig und vorhanden. Aber in Wahrheit befürchte man, dass durch das automatisierte Fahren die bewährten Wertschöpfungs- und Lieferketten speziell auch im Zulieferbereich verloren gehen könnten. Derartige zentrale Kontrolleinheiten würden die Zahl der ECUs an Bord dramatisch reduzieren, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Beschäftigung bei den Herstellern dieser Bauteile. Die Publikation geht so weit zu konstatieren, dass die bisherigen Supply Chains, die die Autobauer groß gemacht haben, jetzt ihre Fähigkeiten zur Innovation hemmen würden. Hier könnten junge Firmen wie Tesla ohne jegliche Abhängigkeit agieren.

Wie die Zerlegung des Model 3 ergab, trügen viele der Bauteile in dem Fahrzeug das Tesla-Logo und nicht die Marke von Fremdfirmen, einschließlich übrigens der Einzelteile in der ECU. Das lege nahe, dass der Hersteller über viele der Schalteinheiten selbst die Kontrolle habe. Mit dieser zukunftsfähigen Hardware an Bord könne der Hersteller künftig "Updates over the Air" vornehmen, ausgehend vom jetzigen Level 2 teilautomatisierter Fahrzeugtechnologie. Und das soll nicht das Ende sein: Dem Vernehmen nach arbeitet die Truppe von Elon Musk an der nächsten Chip-Generation. Die soll dreimal leistungsfähiger sein als die "aktuelle" Hardware 3, die ohnehin weit vorgreift.   

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