Meinungsbeitrag

Tesla und Umwelt: Wer bessere Autos will, muss sie auch besser bauen!

Grüner Anspruch, nichts dahinter? Ein ZDF-Report bündelt Vorwürfe gegen Tesla und wirft die Frage auf, wie nachhaltig das Geschäftsmodell für Umwelt, aber auch Mitarbeiter ist. Denn das sollte es dringend sein!

Tolles Auto, aber auch nachhaltig produziert? Schon vor dem ZDF-Report war VM-Redakteur Reichel skeptisch, was die soziale und ökologische Nachhaltigkeit der kalifornischen E-Autos betrifft - trotz prinzipieller Begeisterung für das führende technologische Package. Er findet: Effizienz und Nachhaltigkeit müssen einhergehen. | Foto: J. Reichel
Tolles Auto, aber auch nachhaltig produziert? Schon vor dem ZDF-Report war VM-Redakteur Reichel skeptisch, was die soziale und ökologische Nachhaltigkeit der kalifornischen E-Autos betrifft - trotz prinzipieller Begeisterung für das führende technologische Package. Er findet: Effizienz und Nachhaltigkeit müssen einhergehen. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Wer vollmundig den Anspruch erhebt, das "offizielle Auto für eine bessere Welt" zu bauen, ja, der muss es dann eben auch besser bauen, sprich nachhaltig, umwelt- und menschenfreundlich. Sonst bekommen die zweifellos wegweisenden und derzeit technologisch klar führenden Elektro-Karossen einen ganz groben Kratzer, der an der Börse so irre hochdotierte Ruf der kalifornischen Elektro-Pioniere um ihren charismatischen Visionär Elon Musk wird schwer verbeult.

Wenn man im Jahr 2021 den Umweltimpact in der Produktion - und damit muss natürlich auch die Errichtung einer neuen Fabrik gemeint sein - dermaßen außer Acht lässt, wie das in Grünheide nach einem Report des ZDF-Magazins Frontal21 der Fall zu sein scheint, wird man der vorgeblichen Maxime des Handelns und dem Leitbild von der neuen Mobilität nicht gerecht. Im Gegenteil, damit setzt man das Prinzip des Raubbaus an der Ökologie unter dem Deckmantel der "Nachhaltigkeit" fort. Kapitalismus 2.0 sozusagen.

Grundsätzlich ist auch festzuhalten, dass die Welt bereits heute gewiss keinen Mangel an Autofabriken hat. Wie es gehen könnte, zeigt etwa das Münchener Start-up-Unternehmen Sono Motors: Der Sion wird in der einstigen Saab-Fabrik in Trollhättan/Schweden gebaut, mit 100 Prozent erneuerbarer Energie.

Und übrigens geht es auch um die "sozialen" Ressourcen: Wenn die Ausbeutung von Mitarbeitern der Preis ist für die doch in Anbetracht von Performance und Package und in Relation zur Premium-Konkurrenz erstaunlich niedrigen Preise der Tesla-Modelle, fährt jedenfalls das schlechte Gewissen am Steuer der fabelhaften kalifornischen Strommobile mit. Und man blickt ganz anders auf für ihre technologischen Versäumnisse viel gescholtene heimische Hersteller, bei denen aber ohne den Betriebsrat gar nichts geht und ganz andere Sozial- und Lohnstandards gelten - von denen wiederum manche Krankenschwester oder Lieferdienstmitarbeiter nur träumen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Wie auch immer: Vielleicht sollten die so bieder dastehenden teutonischen Fabrikanten mal stärker auf die sozialen und ökologischen Begleiterscheinungen der Produktion von Automobilen hinweisen, dann wäre der Magier Musk vielleicht schnell entzaubert.

Jedenfalls gehören die externen Kosten an Mensch und Umwelt selbstverständlich mit eingepreist, und wenn der "Preis" dann eben um ein Drittel höher liegt. Es gibt auch kein Menschenrecht auf ein für alle erschwingliches 400-PS-Elektroauto mit Katapultstarttaste.

Bei den Umweltfolgen sind im lokalen Falle noch nicht mal die "kritischen Rohstoffe" wie Lithium oder Seltene Erden in fernen Ländern gemeint. Denn ein kritischer Rohstoff ist auch das Wasser in Brandenburg. Und er wird mit den schon heute drastisch spürbaren Folgen der Klimakrise noch kritischer. Wie meint Musk so zynisch: Das hier ist doch keine Wüste. Noch nicht, aber bald vielleicht. Wie auch immer:

Es darf nicht sein, dass Autos, die angeblich das Klima retten sollen, erstmal die Umwelt ruinieren. Der Einstieg in die E-Mobilität muss genutzt werden für eine grundsätzliche und umfassende Nachhaltigkeitstransformation, nach dem Prinzip "from Cradle to Cradle". Auch dieser "Challenge" gilt es sich für Elon Musk zu stellen, der sonst auch keine Herausforderung scheut und es sogar schafft, eine Fabrik in Brandenburg mit dem Titel "Berlin" zu adeln.

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