Tesla schreibt weiter Gewinne

Tesla trotzte der Corona-Pandemie und scheint Nachfolger für Model S und X zu entwickeln.

Tesla fährt auch im zweiten Quartal 2020 schwarze Zahlen ein. | Foto: G. Soller
Tesla fährt auch im zweiten Quartal 2020 schwarze Zahlen ein. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Trotz wochenlang stillstehender Produktion gelang Tesla auch im 2. Quartal 2020 ein Quartalsgewinn, der mittlerweile vierte in Folge. Im 2. Quartal 2020 weisen die Amerikaner einen Gewinn von 104 Millionen Dollar aus, viel mehr als der Minimalgewinn von 16 Millionen Dollar aus dem ersten Quartal 2020. Und: Im zweiten Quartal 2019 stand mit minus 408 Millionen Dollar noch ein Verlust von 408 Millionen Dollar an. Der Gewinn ist umso erstaunlicher, als das Hauptwerk in Fremont fast über die Hälfte des zweiten Quartals geschlossen hatte.

Der Umsatz erreichte mit 6,04 Milliarden Dollar etwa das Vorquartalsniveau, ebenso der Absatz. Wichtiger aber: Tesla konnte seine Liquiditätsreserven um eine weitere halbe Milliarde Dollar auf nun 8,6 Milliarden Dollar erweitern. Insgesamt konnten 90.650 Fahrzeuge ausgeliefert werden, immerhin 2.250 mehr als im ersten Quartal 2020. Tesla zeigt sich als einzigen OEM, der im zweiten Quartal Zuwächse bei den Auslieferungen verbuchen konnte. Sämtliche anderen großen Autohersteller verlieren dagegen 20 bis 45 Prozent, wobei Tesla hier vor allem US- und EU-Hersteller zeigt. Dabei kommt Tesla zugute, dass der Vertrieb digital läuft und es immer noch Wartelisten für Model 3 und Y gab, die man abarbeiten konnte. Auch der ganz große Anlaufinvest der Hauptbaureihen ist getätigt. Hilfreich ist hier, dass das chinesische Werk voll produziert: Zwar warfen die Werksschließungen in China und den USA die Produktion von 102.672 Exemplaren auf 82.272 Modelle zurück, doch das Model 3 konnte in China sehr schnell wieder montiert werden, so dass die Produktion bei Model 3 und Y insgesamt nur um 14 Prozent zurückging. Das scheint Musk zu neuen Zielen anzuspornen, denn er hält weiter am Ziel fest, 2020 bis zu 500.000 Autos auszuliefern – aktuell sind es keine 200.000, also weniger als die Hälfte.

Erreichen will Musk das über Kapazitätserweiterungen und mehr lokale Produktion: Im Stammwerk Fremont soll noch 2020 die Kapazität von Model 3 und Model Y von 400.000 auf 500.000 Exemplare im Jahr steigen. Das Model Y läuft aufgrund der Nähe zum Model 3 viel schneller und problemloser hoch als all seine Vorgänger. In Shanghai steigt parallel die Model-3-Fertigung weiter – zumal das Auto mittlerweile auch den chinesischen E-Auto-Markt dezent aufgerollt hat. Außerdem produziert auch Tesla in China natürlich günstiger. Ab 2021 wird in China und im brandenburgischen Grünheide dann auch das Model Y gebaut. In Brandenburg beginnt man derzeit mit en ersten Gebäuden. Außerdem dürfte in den USA ein neues Werk in Austin/Texas dazukommen, angeblich direkt am Colorado River, der so um eine Attraktion reicher werden soll, denn die Montage soll wie die „Gläserne Fabrik“ von VW in Dresden auch (teils) der Öffentlichkeit zugänglich sein und ein „ökologisches Paradies“ werden. Im Ankündigen war Musk schon immer ganz stark. Dort soll dann der Cybertruck und später auch das Model Y für US-Kunden an der Ostküste gebaut werden. Der E-Lkw Semi und der neue Roadster sollen ebenfalls in den USA gefertigt werden.

Die US-Webseite Electrek will außerdem von Teskla-Insidern erfahren haben, dass das Unternehmen mittlerweile doch an Nachfolgern von Model S und Y arbeite. Ein Grund hierfür dürften auch die bei Model 3 und vor allem Y erzielten Fortschritte bei Aerodynamik und im Karosseriebau sein, womit neue Strukturen die Entstehungskosten von Model S und Y massiv senken könnten. Viel einfacher sind Softwareupdates und neue Akkumodule. Die aktuellen Modelle sollen neue Batteriemodule und den besonders leistungsstarken dreimotorigen sogenannten „Plaid-Antrieb“ erhalten, en Tesla bereits 2019 auf der Nordschleife des Nürburgrings testete. Das Update soll intern unter dem Decknamen „Palladium“ laufen, womit man gegen das Metall das in Verbrennerkatalysatoren zum Einsatz kommt stichelt. Alternativ könnte es auch in Teslas neuer Akkugeneration eine Rolle spielen.

Auf dem sogenannten Battery Day im September 2020 dürfte könnte Elon Musk neue Akkus mit mehr Speicherkapazität zu viel günstigeren Kosten vorstellen. Die könnten dann in den neuen Model S und X zuerst eingesetzt werden.

Auch die Supercharger baut man weiter aus: Mit 2.035 Stationen waren es sechs Prozent mehr als im ersten Quartal und 28 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Ladepunkte stieg damit auf 18.100, was ebenfalls einem Quartalszuwachs von sechs Prozent entspricht. Hier legte man gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal gar um 30 Prozent zu. Seitwärts bewegt man sich dagegen im Energiegeschäft, wo man nach einem schwächeren ersten Quartal (293 Millionen Dollar Umsatz) im zweiten Quartal mit 370 Millionen Dollar wieder ziemlich exakt den Wert des Vorjahresquartals erreicht hat. Insgesamt wurden 419 MWh an Speicherkapazität installiert, wobei das Geschäft sowohl mit den Powerwalls als auch den Megapacks gewachsen sei – die Megapacks sollen im zweiten Quartal zudem zum ersten Mal profitabel gewesen sein. Bei den Solardächern hat sich die installierte Leistung nach dem Winter erwartungsgemäß verdreifacht. Mit einigen Verbesserungen an den Solaranlagen habe man die Kosten auf 1,49 Dollar pro Watt senken können und liege so rund 30 Prozent günstiger als die Konkurrenz.

Was bedeutet das?

Teslas Startkrise könnte sich jetzt als Stärke erweisen: Tesla selbst spricht von einer „erwiesenen Widerstandsfähigkeit“, die umso beachtlicher ist, als Corona die gesamte Autoindustrie weltweit mehr oder weniger in den Keller geschickt hat. Trotzdem bleibt auch Tesla bei aller Euphorie vorsichtig: Man müsse abwarten, ob es weitere Betriebsunterbrechungen gebe und wie sich die weltweite Verbraucherstimmung in der zweiten Hälfte des Jahres entwickeln wird. Zumal das Werk Freemont in Kalifornien weiter in den amerikanischen Covid-19-Hotspots liegt.

 

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