Tesla: Neue Rekorde und ein brennendes Problem

Tesla hat nach eigenen Angaben einen weitern Produktions- und Auslieferungsrekord erzielt. Zwischen April und Juni 2021 sollen 201.250 Modelle an Kunden ausgeliefert worden seien, produziert wurden 206.421 Fahrzeuge. Die Rekordbilanz wird aber von einem brisanten Fall überschattet: Ein Plaid S brannte vollständig aus.

Mittlerweile ist die Produktion des gelifteten Model S angelaufen. | Foto: Tesla
Mittlerweile ist die Produktion des gelifteten Model S angelaufen. | Foto: Tesla
Gregor Soller

Tesla wächst weiter, wenn auch längst nicht mehr so schnell wie verkündet: Im zweiten Quartal sprang man jetzt erstmals über die 200.000er-Marke bei Produktion und Auslieferung, legte aber im ersten Quartal mit 184.800 Fahrzeugen schon gut vor. Fest steht – die angepeilte Millionengrenze wird 2021 so schwer zu knacken sein. Zumal fast zeitgleich der dramatische Fall eines US-Kunden ruchbar wurde, der beinahe in seinem gerade ausgelieferten Model S Plaid verbrannt wäre, sich aber in höchster Not aus dem brennenden Fahrzeug retten konnte. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte über den Fall berichtet.

Dafür musste er laut Angaben seines Anwalts grobe Gewalt anwenden, weil das elektrische Türschloss blockiert habe. Das Model S Plaid ist das Topmodell der Reihe und weniger für die Stückzahlen denn als Imageträger essentiell und um Porsche in Schach zu halten. Der Anwalt des Kunden forderte Tesla auf, das Modell solange vom Markt zu nehmen, bis die Ursachen geklärt seien. Das übernimmt jetzt die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, die schon mit etwa zwei Dutzend Fällen auch im Kontext des sogenannten "Autopiloten" befasst ist.

Model 3 und Y bleiben die Stückzahlentreiber

In Sachen Absatz waren einmal mehr fast ausschließlich das Model 3 und Model Y für den neuen Rekord verantwortlich. Vom überarbeiteten Model S und Model X wurden zwischen Januar und März gar keine Einheiten produziert, im zweiten Quartal meldete Tesla dezente 2.340 gebaute und 1.890 ausgelieferte Model S/X aus, wobei das neue Model X noch gar nicht in Produktion ist. Doch Tesla fast seine Baureihen hier immer gern zusammen. Immerhin scheint der Hochlauf der neuen „großen“ Modelle zu klappen: Laut der Plattform „electrive.net“ wurden die ersten neuen Model S erst seit 11.6.2021 geliefert, was bedeutet, das alle 1.890 Einheiten binnen 19 Tagen geliefert werden mussten. Sodass Model S und X zum Jahresende stückzahlenseitig auf jeden Fall wieder fünfstellig zum Gesamtergebnis beitragen dürften.

Entsprechend fuhren Model 3 und Y den neuen Rekord eigentlich „allein“ ein: 204.081 Exemplare wurden gebaut und 199.360 an Kunden übergeben. Allerdings sparte Tesla sich diesmal weitere Einordnungen, wie zuletzt bei den Q1-Zahlen. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass auch Tesla von der Chip-Krise betroffen ist. Dazu passt auch der Kommentar von Elon Musk:

„Unsere Teams haben hervorragende Arbeit geleistet, indem sie sich durch die globalen Herausforderungen der Lieferkette und Logistik navigiert haben.“

Die kompletten Geschäftszahlen für das zweite Quartal wird Tesla zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. Im ersten Quartal reichte es für den siebten Quartalsgewinn in Folge – aktuell muss jedoch er Produktionsanlauf von Model S und X geschultert werden, gleichzeitig baut man in Brandenburg und Texas neue Werke und arbeitet hinter den Kulissen weiter an Pick-up, Lkw und Kompaktwagen.

Was bedeutet das?

Wenn Tesla wie bisher weiter wachsen will, muss das über zusätzliche Produkte funktionieren, denn die aktuellen Stückzahlenbringer, die sich weltweit ohnehin sehr gut verkaufen, erreichen langsam ihren Absatzzenit. Dazu kommt, dass Model S und X dringend überarbeitet werden mussten, um hier den Anschluss an den Mercedes Benz EQS, den Porsche Taycan oder Lucid Motors mittelfristig zu halten. Brisante Fälle wie das abgefackelte Model S Plaid eines US-Kunden sind für all diese Pläne natürlich Gift. gs/jr

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