Tesla Model Y: Musks "sexy“ Quartett komplett

Obwohl es sich viele Baugruppen mit dem Model 3 teilt, ist das Model Y deutlich größer und geräumiger – vor allem im Fußraum.

Am 19.8. stellte Tesla das Model Y zeitgleich in mehreren deutschen Showrooms vor. | Foto: G. Soller
Am 19.8. stellte Tesla das Model Y zeitgleich in mehreren deutschen Showrooms vor. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Endlich präsentierte Tesla das Model Y auch in Deutschland für den europäischen Markt – und startet zeitgleich mit den Auslieferungen. Dafür holt man die Modelle Y bis zum Anlaufen des Werks in Grünheide wie das Model 3 aus China, was laut einem Tesla-Insider kein Nachteil ist: Die Erwartungshaltung Autos gegenüber und damit auch die Fertigungsqualität läge in China auf einem höheren Niveau wie in den USA. Kurzer Check: Am midnight-silver gehaltenen Modell mit den optionalen „Induction“ 20-Zöllern laufen alle Fugen sauber und die Verarbeitung stimmt.

Freilich, auch scheppern die Türen etwas und man sieht in der großen Heckklappe die Schweißpunkte der Rohbauroboter, doch hier sind wir auf einem Niveau, das für viele Alltagskunden nicht mehr nötig zu sein scheint. Wichtiger ist: man erhält ab 47.890 Euro netto viel Platz, bis zu 507 km Reichweite nach WLTP bei bis zu 217 km/h Topspeed und einer Beschleunigung von 5,0 Sekunden auf 100 km/h wenn es sein muss. Mit 4751x1921x1624 mm baut das Model Y auch optisch merklich größer (nicht nur länger und höher, sondern auch breiter) als das Model 3. Zwischen den Achsen bleiben üppige 2890 mm Radstand und die Gewichte starten erst über zwei Tonnen.

Platzgewinn vor allem im "Untergeschoss"

Damit liegen die Fahrwerte naturgemäß leicht unter dem vergleichbaren Model 3, während der Preis ausstattungsbereinigt je nach Modell um 7000 bis 8000 Euro höher liegt. Nehmen wir endlich Platz und stellen fest: Es gibt merklich mehr Platz vor allem im Fond, Kofferraum und Frunk, wobei uns hier erstaunt hat, dass dieser „Mehr“ überm Kopf gar nicht so üppig ausfällt. Denn Tesla schlägt den Extraplatz vor allem höheren Sitzgestellen und tieferen Ablagen zu, also dem „Untergeschoss“. Trotzem finden vier groß gewachsene Personen plus Reisegepäck locker und viel besser als im Model 3 Platz. Und mit der großen Heckklappe gilt das Model Y Tesla-intern eigentlich als der „Kombi“ für den deutschen Markt, wie man bei Tesla scherzt.

Bis zu 1,6 Tonnen gebremste Anhängelast

Dazu gehört Praktisches wie die aus dem Kofferraum umlegbaren Rücksitzlehen und hier optional auch eine Anhängekupplung für bis zu 1,6 Tonnen gebremste Anhängelast. Optional soll später auch der Siebensitzer kommen, der dann über eine verschiebbare Rückbank verfügt und zwei Notsitze in Reihe drei, denen es aber massiv an Kopffreiheit fehlen dürfte – wegen der abfallenden Dachlinie ist das Model Y eben kein richtiger Kombi respektive kein richtiges Nutz-SUV. Bietet aber im Vergleich zum Model 3 genug Nutzwert, das fast ebene Laderaumvolumen gibt man mit bis zu 2.158 Litern an.

Schnellladen kann das Model Y mit bis zu 250 kW oder anders ausgedrückt: Tesla spricht von bis zu 270 Kilometer Reichweitengewinn binnen 15 Minuten. Wenn der Akku leer genug und der Supercharger stark genug ist. Und nachdem auch das Model Y einigermaßen sparsam ein dürfte, könnte so sogar eine Alpenüberquerung mit Wohnwagen von Stuttgart an den Gardasee mit einem größeren Ladestopp klappen. Die Gewichte starten laut Tesla ab 2.003 Kilogramm, was für einen so großen SUV noch in Ordnung geht, aber nicht unbedingt ein Maßstab ist.  

Serviceintervalle: Optional(!) alle zwei Jahre

Den großen 15-Zoll-Zentralscreen und das Armaturenlayout kennt man vom Model 3. Ob man hier statt schwarzen Sitzen mit Plastikholz weiße Sitze mit weißen Hartplastikeinlegern wählt, bleibt Geschmackssache. Letztere kosten 1.200 Euro brutto Aufpreis. Dabei ist das Herumziehen der „Einleger“ in die Türen halb gelungen – weil die Armaturentafel an den Übergängen einst gerade abschloss und mit der Tür inhaltlich nichts zu tun hat – was nicht geändert wurde. Weshalb die Türtafeln den Übergang bringen müssen, was prinzipbedingt wie gesagt nicht ganz perfekt gelang. Kleinigkeiten, ebenso wie die Auslegeware, die jetzt nicht die allerteuerste ist, doch darauf kommt es hier auch nicht an: Wichtiger sind die Updates und die Empfehlung(!) - keine Verpflichtung - nur alle zwei Jahre mal zum Service zu kommen und das Auto mal anschauen zu lassen.

Die Software wird immer weiter entwickelt

Mittlerweile habe man die ersten Model S mit 200.000 bis 300.000 Kilometern und da müsse man dann schon mal die Bremsen tauschen oder was am Fahrwerk machen. Und auch die angeschlossene Werkstatt im Münchner „Triebwerk“ ist dann doch voll. Allerdings stehen fast alle Autos am Boden und praktisch keines hängt auf einer Bühne, was eher auf kleinteilige Routinearbeiten schließen lässt.

Per Software die Lebensdauer der Bremsen optimieren

Um den Bogen zurück zum Model Y zu spannen: Dass hier die Bremsen nicht wegen Nichtbenutzung über die Zeit verrosten oder verspröden, hat man die Software jetzt so programmiert, dass das Model Y beim Rekuperieren nicht ganz bis zum Stand verzögert, sondern für das wirkliche Anhalten einen kleinen finalen Tipp aufs Bremspedal fordert. Womit Klötze und Scheiben kurz „aktiviert“, aber nicht wirklich abgefahren werden. Mittlerweile kann man sich zumindest in den USA auch einen eigenen Hupton programmieren und an weiteren Gimmicks und sinnvollen Weiterentwicklungen dürfte die kommenden Jahre noch einiges folgen.

So wie ab September viele Model Y auf Europas Straßen rollen werden, denn auch hier erwarten wir drei Kerntugenden, die allen Tesla zu eigen sind: man bekommt einen effizienten, starken Stromer mit minimalem Betreuungs- und Wartungsbedarf, guter Raumausnutzung und zeitloser Eleganz. Denn auch beim Model Y wird es zwar permanent Softwareupdates geben, aber eher selten strukturelle Eingriffe in die Optik. Was zu einer gewissen Langlebigkeit des Designs beiträgt – das auch beim Model Y bewusst konservativ-dezent ausfällt. Und konfiguriert ist auch das binnen fünf Minuten. Was will man mehr? Eben!

Was bedeutet das?

Das Model Y hat erwartungsgemäß das Zeug dazu, neuer Topseller im Programm zu werden. Es bietet merklich mehr Platz und Variabilität als das Model 3, kostet aber netto auch knapp 6000 Euro mehr und kann naturgemäß nicht ganz so effizient und fahraktiv wie der flachere Bruder sein. Immerhin ist es ab 56.990 Euro inklusive Umweltbonus noch einigermaßen bezahlbar eingepreist, zumal günstigere Modelle auch in Europa folgen dürften.  

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