Tesla: Beatmungsgerät aus Auto-Teilen

Wie andere Autohersteller versucht sich auch Tesla an der Notproduktion. Beatmungsgeräte zu bauen, sei ein Kinderspiel, so Tesla-Chef Musk gewohnt vollmundig. Doch bis in die Serie kann es dauern.

Teile-Puzzle: Ein Tesla-Ingenieur erklärt, wie man künftig Beatmungsgeräte aus Autokomponenten bauen will. | Foto: Screenshot Youtube
Teile-Puzzle: Ein Tesla-Ingenieur erklärt, wie man künftig Beatmungsgeräte aus Autokomponenten bauen will. | Foto: Screenshot Youtube

Vor allem in den USA steigen die Infektionen mit Corona dramatisch an und auf den Intensivstationen fehlen die Beatmungsgeräte. Schon vor einiger Zeit wurden Autohersteller von der Trump-Regierung dazu aufgefordert, die dringend benötigte Geräte zu produzieren, u.a. Ford, General Motors und auch Tesla. Nun präsentiert der E-Auto-Pionier in einem Video den Prototypen eines Beatmungsgeräts. Um den Herstellern anderer Beatmungsgeräte keine Komponenten streitig zu machen, sollte das Gerät aus vorhandenen Autoteilen bestehen. Im Video wird dazu erklärt:

"Wir versuchen Beatmungsgeräte aus Autoteilen herzustellen, um die Medizingeräteindustrie zu unterstützen, ohne dabei auf ihre Lagerbestände zurückzugreifen".

Nach Tesla-Angaben stecken in dem Prototyp zahlreiche Teile aus den Beständen des Autoherstellers, unter anderem Touchscreen, Infotainment-Rechner und Steuergeräte aus dem Model 3. Der Hersteller will so viele vorhandene Bauteile wie möglich verwenden, um damit den Herstellungsprozess zu beschleunigen. Es hört sich zwar absurd an, doch laut Tesla könne es funktionieren: Vor allem die Teile des Entertainment-Systems ließen sich gut für das Beatmungsgerät verwenden. Der Monitor wird zum Anzeige- und Bedienelement. Der Rechner, der normalerweise das Infotainment-System mit seiner Leistung versorgt, ist ebenfalls verbaut. Ehemalige Fahrzeug-Steuergeräte kontrollieren die verbauten Ventile. Sollte es zum Stromausfall kommen so wurde mit einer eingebauten Batterie vorgesorgt.
 

Tesla will helfen aber wann kann man liefern?

Das Gerät wirkt zwar nicht wie ein typisches medizinisches Gerät, aber das scheint vor allem angesichts der aktuellen Lage in den USA vorerst nebensächlich zu sein. Wichtiger ist, dass der Prototyp eine angeschlossene Konstruktion, die als Platzhalter für die Lunge dient, regelmäßig mit Luft versorgt.

"Es gibt noch viel zu tun, aber wir geben unser Bestes, um sicherzustellen, dass wir einigen Menschen da draußen helfen können", erklärt ein Ingenieur in dem Video.

Bereits zuvor hat Tesla-Chef Elon Musk in China angekaufte Beatmungsgeräte an US-Krankenhäusern gespendet. Allerdings hagelte es für dieses Engagement auch Kritik. Denn wie die Financial Times berichtete, sind die von Musk gelieferten Geräte für die Covid-Erkrankten intensivmedizinisch ungeeignet.

Einen Zeitplan, wann das Gerät produziert werden soll oder in welchen Stückzahlen es verfügbar wäre, gab Tesla im Video vorsichtshalber nicht bekannt. Dass Autohersteller geeignete Beatmungsgeräte in großen Stückzahlen und zeitnah herstellen können, gilt generell als zweifelhaft. Immerhin hatte die VW-Tochter Seat als erster Autohersteller mit der Unterstützung zahlreicher auch medizintechnischer Partner vor kurzem einen Prototypen präsentiert, der jetzt in die Serienfertigung und die Zulassungsprüfung gehen soll. fs/jr

Was bedeutet das?

Obwohl Elan Musk selbst noch vor einigen Wochen die Gefahr durch Corona noch herunterspielte, hat der Tesla-Boss die Zeichen der Zeit erkannt und nutzt das nun auch geschickt für die Imagepflege. Entgegen anderen Autobauern verfolgt man allerdings eine eigene Strategie beim Bau von Beatmungsgeräten und lässt aus bereits vorhandenen Teilen entwickeln. Bis der Prototyp jedoch auf dem Markt einsetzbar ist, wird es mit Sicherheit noch dauern. Doch dann könnte der Hersteller die Produktion entsprechend schnell hochfahren.

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