T3-Studie Autokosten: Selbst ein Corsa kostet 600.000 Euro

Über eine Lebensspanne von 50 Jahren ist das Auto mit das teuereste Konsumgut, verursacht vor allem auch hohe gesellschaftliche Kosten. Selbst ein Opel Corsa schlägt laut einer Studie des Instituts T3 mit fast 600.000 Euro zu Buche, ein Mercedes GLC gar mit einer knappen Million.

Für sich ein preiswerter Wagen, über ein ganzes Leben ein kleines Vermögen: Inklusive der externen Kosten für die Gesellschaft kommen Kleinwagen wie der Opel Corsa auf knapp 600.000 Euro Gesamtkosten bei 15.000 Kilometer pro Jahr. | Foto: Opel
Für sich ein preiswerter Wagen, über ein ganzes Leben ein kleines Vermögen: Inklusive der externen Kosten für die Gesellschaft kommen Kleinwagen wie der Opel Corsa auf knapp 600.000 Euro Gesamtkosten bei 15.000 Kilometer pro Jahr. | Foto: Opel
Johannes Reichel

Sogar kleine Autos sind eines der teuersten Konsumgüter für private Haushalte in Deutschland. Gleichzeitig werden Pkw von der Gesellschaft hoch subventioniert. Das hat eine Studie des Forschungsinstituts T3 in Zusammenarbeit mit der Universität Lund ergeben, auf die die Initiative Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) jetzt hinweist. Untersucht wurden neben den individuellen auch die externen Kosten, die der 50 Jahre lange Besitz und Betriebe über 15.000 Kilometer pro Jahr eines Pkw verursacht. Die Gesamtkosten des lebenslangen Besitzes eines Autos liegen zwischen 599.000 Euro für einen Opel Corsa 1.2 Benziner Kleinwagen, 653.000 ein VW Golf 1.0 TSI und rund 960.000 Euro für einen Mercedes GLC 200 4Matic, ein Kompakt-SUV, alle Fahrzeuge mit Benziner-Verbrennungsmotor berechnet.

Die Gesellschaft trägt diese Kosten zu 41 Prozent beim Opel Corsa und zu 29 Prozent beim Mercedes GLC mit. Dies entspreche einer indirekten Subvention von 4.600 beziehungsweise 5.300 Euro – pro Auto und Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Forschungsinstituts T3, einem vom Bundesverband Zukunft Fahrrad mitgegründeten Verkehrs-Thinktank mit Sitz in Freiburg. Besonders drastisch ist der prozentuale Anteil für die Autokosten bei einem ungelernten Arbeiter, der 36 Prozent seines Einkommens für das den Kleinwagen ausgeben muss, genauso viel oder sogar mehr, als hier für Wohnen zur Verfügung steht. Bei einem Facharbeitet wären es auch noch 26 Prozent, bei einem höheren Angestellten dagegen nurmehr 13 Prozent.
 

Üppige externe Kosten treiben den Preis für die Allgemeinheit

Zu den externen, von der Gesellschaft getragenen Kosten zählt das Institut beispielsweise den Bau und Unterhalt von Straßen und Parkplätzen sowie Kosten, die durch Luftverschmutzung oder Unfallschäden entstehen.

„Die wahren Kosten eines Autos sind immens – sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft. Gleichzeitig sind oder glauben sich viele Menschen vom überproportional teuren Fahrzeug Auto abhängig. Das ist das Ergebnis einer Politik, die über Jahrzehnte durch eine auto-zentrierte Infrastruktur-, Subventions- und Steuerpolitik den Autokauf gefördert hat, während die tatsächlichen Kosten unklar blieben und damit von allen Seiten unterschätzt wurden", erklärt Prof. Dr. Stefan Gössling, Leiter der Studie.

Die Studie zeigt, dass vor allem größere Autos aufgrund ihrer stärkeren Straßenabnutzung, ihres Bedarfs an öffentlichem Raum und durch ihren vermehrten CO₂-Ausstoß höhere gesamtgesellschaftliche Kosten verursachen als Kleinwagen. Aktuell geltende Steuermodelle lassen den Kauf solcher teuren Modelle allerdings günstiger erscheinen als die Nutzung von anderen Verkehrsmitteln.

„Ob Fahrrad, Bus und Bahn, Dienstradleasing oder Sharing-Angebote: Die Alternativen zum Auto sind da. Aber ihre Nutzung muss politisch stärker gefördert werden. Erst wenn es entsprechende Angebote gibt, werden Autofahrer*innen auf günstigere Verkehrsmittel umsteigen", meint Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad.

Eine solche Politik reduziere nach seinem Dafürhalten zudem die hohen externen Kosten des Autoverkehrs, die von der Gesellschaft getragen werden. Verkehrsminister Volker Wissing und Finanzminister Christian Lindner hätten es in den kommenden vier Jahren in der Hand, innovative Transportlösungen zu fördern, die eine gleichberechtigte und frei gewählte Mobilität ermöglichen.

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