T&E-Studie: Nur Volkswagen und Volvo bereit zur Antriebswende

Analyse sieht wenig Bereitschaft deutscher Hersteller zur Elektrifizierung. Nur VW und Volvo hätten einen stringenten Plan, Daimler und BMW seien wenig ambitioniert, aber auch Toyota gerät ins Hintertreffen. NGO: Deutschland mit schmutzigster Dienstflotte und zu vielen Plug-in-Hybriden.

Neben Volkswagen sieht T&E unter Europas Herstellern nur Volvo auf einem guten Weg, die Elektrifizierungswende zu schaffen. | Foto: Volvo Cars
Neben Volkswagen sieht T&E unter Europas Herstellern nur Volvo auf einem guten Weg, die Elektrifizierungswende zu schaffen. | Foto: Volvo Cars
Johannes Reichel

Nach einer jüngsten Analyse der europäischen Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E) sind Volkswagen und Volvo die einzigen großen Autohersteller, die im Einklang mit dem europäischen Ziel der Klimaneutralität (Netto-Null-Emissionen) den Umstieg auf E-Mobilität betrieben. Die deutschen Autobauer BMW und Daimler hinkten "wenig motiviert hinterher", so das harsche Urteil und sie hätten "kein belastbares Konzept", wie sie den Umstieg schaffen könnten. Die Organisation kritisierte, die EU-Zielvorgaben seien so niedrig, dass beide Anbieter die Zielwerte einfach erreichen könnten, ohne ihre Produktionsstrategie wesentlich umstellen zu müssen.

Die von der NGO erstellte Rangliste der Bereitschaft der zehn größten Fahrzeughersteller in Europa zum Umstieg auf Elektromobilität bis 2030 weist große Unterschiede hinsichtlich Motivation und Qualität der Konzepte aus. Volkswagen und Volvo verfolgten eine "offensive und überzeugende Strategie", so das Urteil der Analysten. Andere wie Ford hätten zwar ein ehrgeiziges Ausstiegsziel für den Verbrennungsmotor, jedoch kein Konzept, wie sie das erreichen wollen, urteilen die Autoren.

Zu lasch, zu hybrid: BMW, Daimler, aber auch Toyota mau

BMW, Jaguar Land Rover, Daimler und Toyota schneiden am schlechtesten ab, mit geringen Absatzzahlen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) mit kurzer Reichweite, fehlenden ambitionierten Ausstiegszielen, einer fehlenden klaren Industriestrategie und einem zu starken Fokus auf Plug-in-Hybride im Falle von BMW und Daimler. Letztere würden, wie T&E gezeigt in der Praxis untermauert hat, viel mehr Schadstoffe emittieren als beworben, kritisiert die NGO.

"Selbst wenn die jetzigen freiwilligen Zusagen eingehalten werden, werden die Absatzzahlen der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) in Europa wohl mindestens zehn Prozentpunkte niedriger sein, als sie 2030 sein müssten, um im Einklang mit dem Green Deal der EU zu stehen, der eine vollständige Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts vorsieht", warnt die NGO.

Das liege zum großen Teil an schwachen EU-Zielvorgaben, urteilen die Anaysten. Aktuell planten die Autohersteller eine Reduzierung von 65 bis 70 Prozent der Emissionen bis 2030, nahezu das Doppelte der EU-Ziele.

„Die EU sollte die Industrie lenken, nicht umgekehrt. Die Autohersteller sind eindeutig in der Lage, ihre Produktion auf Elektrofahrzeuge umzustellen, aber es gibt derzeit keinen Anreiz, Gas zu geben. Alle drei großen deutschen Autobauer können bis 2030 ohne Probleme 50 Prozent Elektrofahrzeuge produzieren, daher muss die Kommission die Zielvorgaben darüber hinaus anheben", fordert Stef Cornelis, Direktor Deutschland bei T&E.

Die Daten zeigten, dass die Produktion von Elektrofahrzeugen bis 2030 die der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor übersteige und Deutschland dabei im Zentrum der Lieferkette der Elektrofahrzeuge sein werde. 37 Prozent aller E-Fahrzeuge in Europa würden im Jahr 2030 voraussichtlich in Deutschland hergestellt werden und so den Rückgang der Absatzzahlen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ausgleichen.

„Wir hören oft, dass der Umstieg auf Elektromobilität deutsche Arbeitsplätze kosten wird, aber dabei werden die Chancen übersehen. Die Produktion von Elektroautos wird viel schneller zunehmen, als wir heute denken, und wird die Rückgänge bei der Produktion von Verbrennern aufwiegen. Deutschland kann zur Drehscheibe für E-Mobilität in Europa werden, muss sich jetzt aber schnell bewegen – egal, ob die EU-Vorgaben das fordern oder nicht", appelliert Stef Cornelis weiter.

Deutsche Dienstflotten mit höchstem CO2-Ausstoß: PHEVs schwer gefragt

Wie eine weitere Auswertung von T&E zeigt, seien Dienstwagen und gewerblich zugelassene Fahrzeuge für rund drei Viertel der CO2-Emissionen von Neuwagen in Deutschland verantwortlich. Deutsche Firmenwagen würden im Schnitt 157 g CO2/ km emittieren, die klimaschädlichste Flotte in Europa. Aus Sicht der NGO hätte Deutschland kein Problem, die derzeit debattierten höheren Klimaziele Verkehrssektor einzuhalten, wenn alle neuen gewerblich zugelassenen Fahrzeuge bis 2030 elektrifiziert würden. Knapp die Hälfte der Plug-in-Hybride, die in ersten fünf Monaten dieses Jahres zugelassen wurden, rollen als Dienstwagen, 87 Prozent der Flottenfahrzeuge verfügen noch immer über einen Verbrenner an Bord.

 

 

Printer Friendly, PDF & Email