T&E-Studie: Europa könnte bei Batterien bis 2027 unabhängig von China sein

Die NGO sieht für den Fall einer ambitionierten Industriestrategie gute Chancen für mehr Autarkie in Sachen Akku. Und warnt doch: Wenn die EU-Staaten keine stärkeren und direkteren Anreize schaffen, könnten sich Batteriehersteller wie Tesla und Northvolt um Subventionen in Amerika bemühen.

Projekte wie die Lithiumgewinnung von Vulcan im Oberrheingraben könnten eine entscheidende Rolle spielen für mehr Autarkie in Sachen Akkutechnologie. | Foto: Vulcan
Projekte wie die Lithiumgewinnung von Vulcan im Oberrheingraben könnten eine entscheidende Rolle spielen für mehr Autarkie in Sachen Akkutechnologie. | Foto: Vulcan
Johannes Reichel

Europa könnte seine Abhängigkeit von Lithium-Ionen-Akkus chinesischer Hersteller bis 2027 beenden, so eine neue Prognose von Transport & Environment (T&E). Die EU sei auf dem besten Weg, bis dahin die heimische Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und Energiespeichern vollständig decken zu können, so der neue Bericht, der die Ankündigungen von Batterieherstellern untersucht hat. Die Organisation T&E erklärte jedoch, dass die EU eine politische Strategie benötige, um den US-Subventionen im Zuge des Inflation Reduction Acts (IRA) entgegenzuwirken. Diese könnten dazu führen, dass Batteriehersteller wie Tesla in Brandenburg und Northvolt in Schleswig-Holstein Investitionen in Europa zurückstellen. Auch Chinas Überlegenheit bei den Batteriekomponenten kann sinken.

Die USA locken mit ihrem Inflation Reduction Act

Zwei Drittel des europäischen Bedarfs an Kathoden - die kritische Rohstoffe enthalten - können dem Bericht zufolge bis 2027 in der EU produziert werden. Zu den geplanten Projekten zur Kathodenproduktion gehört beispielsweise eine im Bau befindliche BASF-Anlage in Schwarzheide. Weil Unternehmen jedoch von den Steuervergünstigungen und anderen Subventionen des US Inflation Reduction Acts für die Schaffung lokaler Batterielieferketten angelockt werden, könnten Projekte, die eigentlich für Europa geplant sind, nach Nordamerika verlegt werden. So hat Volkswagen kürzlich die Eröffnung eines Batteriewerks in Kanada in Erwägung gezogen und eine Entscheidung über eine Gigafabrik in Osteuropa verschoben. Auch die Abhängigkeit von China bei der Veredelung und Verarbeitung von Batteriemetallen könnte drastisch sinken.

Über die Hälfte Lithium könnte bis 2030 heimisch veredelt sein

T&E prognostiziert, dass bis 2030 mehr als 50 % des europäischen Bedarfs an veredeltem Lithium aus europäischer Produktion stammen könnten. Dazu gehören RockTech Lithium und Vulcan Energy Resources in Deutschland. Die Materialien werden aus Minen im EU-Ausland oder direkt aus europäischen Projekten bezogen, wie z. B. aus dem kürzlich in Schweden entdeckten großen Vorkommen an Seltenen Erden - vorausgesetzt, sie erfüllen hohe Umweltstandards.

"Das EU-Verbrenner-Aus im Jahr 2035 hat bereits viele Investitionen in die Batterieproduktion angeschoben. Schon heute wird die Hälfte der in der EU verwendeten Lithium-Ionen-Akkus auch hier hergestellt. Aber der Inflation Reduction Act hat die Spielregeln geändert. In Europa müssen mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden oder wir riskieren, geplante Batteriefabriken und Arbeitsplätze an Amerika zu verlieren", erklärte Sebastian Bock, Direktor von T&E Deutschland.

 

Zur Förderung grüner Technologien sollte ein europäischer Souveränitätsfonds eingerichtet werden, der durch die gemeinsame Ausgabe von Anleihen finanziert wird, so T&E. Dies würde gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa schaffen und verhindern, dass kapitalstärkere Länder durch großzügige staatliche Beihilfen für ihre Unternehmen andere zurücklassen. Nur die vom US IRA begünstigte Herstellung nachhaltiger Produkte, wie Elektrofahrzeuge, Batterien und erneuerbare Energien, sollte Fördermittel erhalten.

Direkte Auszahlung an Unternehmen empfohlen

Anders als beim Europäischen Aufbauplan (NextGenerationEU) sollten die Mittel allerdings direkt von der EU an Unternehmen ausgezahlt werden, um den langsamen Mittelabruf zu vermeiden, der im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) zu beobachten ist. Den Ausgaben im Rahmen der ARF mangelt es außerdem an strategischer Ausrichtung, die Mittel erreichen die Unternehmen oft nur langsam, und die Gelder sind nicht so leicht abrufbar wie die IRA-Produktionskredite in den USA. Auch die EU-Beihilfevorschriften müssen gestrafft werden, damit grüne Projekte mit Hilfe von Beihilfen aufgestockt werden können - wie es in den USA bereits erlaubt ist.

"Europa braucht finanzielle Feuerkraft, um seine grünen Industrien im globalen Wettlauf mit Amerika und China zu unterstützen. Ein europäischer Souveränitätsfonds würde eine nachhaltige Industriestrategie in ganz Europa ermöglichen und nicht nur in den finanzstärksten Ländern. Allerdings müssen die Investitionsbedingungen für grüne Technologien vereinfacht werden, damit der Bau einer Batteriefabrik nicht genauso lange dauert wie der eines Kohlekraftwerks", forderte Sebastian Bock.

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