T&E-Studie Dienstwagen-Steuer: Wegfall bringt eine Million E-Autos zusätzlich

Die NGO setzt nach und fordert, klimaschädliche Subventionen für Verbrenner-Dienstwagen auslaufen zu lassen. Das könnte bis 2030 bis zu eine Million E-Pkw zusätzlich auf die Straßen bringen.

Doppelt sinnvoll: T&E rechnet bei einer Streichung der Dienstwagenprivilegien für Verbrenner mit mehr E-Auto-Zulassungen - und mehr Steuereinnahmen. | Grafik: T&E
Doppelt sinnvoll: T&E rechnet bei einer Streichung der Dienstwagenprivilegien für Verbrenner mit mehr E-Auto-Zulassungen - und mehr Steuereinnahmen. | Grafik: T&E
Johannes Reichel

Die europäische Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E) hat die Diskussion um klimaschädliche Subventionen im Verkehrsbereich nach ihrem Plädoyer für einen Maßnahmenmix weiter angefacht und eine Studie zur Streichung der Dienstwagenprivilegien für Verbrennerfahrzeuge vorgelegt. Demnach würde eine Reform der Firmenwagenbesteuerung in Deutschland dafür sorgen, dass bis 2030 zusätzlich eine Million neue Elektroautos auf die Straßen kommen. Über deren gesamte Nutzungsdauer könnten mehr als 40 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, so die Prognose des Dachverbands, dem in Deutschland unter anderem der VCD, die DUH und der Nabu angehören. Zudem entstünden durch die Reform ein Mehraufkommen bei den Steuern von 42 Milliarden Euro. Für die kommende Regierung wäre das einer der kosteneffizientesten Wege zur Dekarbonisierung und um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen, plädiert die NGO.

„Seitens der FDP ist beispielsweise zu hören, die E-Mobilität sei zu teuer, Kaufprämien sollten beendet werden. Was für den Staat aber wirklich teuer ist, sind klimaschädliche Subventionen für Verbrenner-Dienstwagen. Die jetzige Politik subventioniert damit die Klimakrise und sie tut das auf Kosten des Steuerzahlers”, kritisiert Friederike Piper, Referentin E-Mobilität bei Transport & Environment Deutschland.

In ihrem Sondierungspapier hätten SPD, Grüne und FDP erklärt, sie wollten den aktuellen Haushalt auf „überflüssige, unwirksame und umwelt- und klimaschädliche Subventionen und Ausgaben“ überprüfen, führt die Organisation weiter an. Die Studienergebnisse würden zeigen, dass dabei kein Weg an der Reform der Dienstwagenbesteuerung vorbeiführen kann. Firmenwagen werden bei weitem geringer besteuert als Privatfahrzeuge, zugleich machten sie aber 63 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland aus. Weil es wenig finanzielle Anreize gebe, sich ein Elektrofahrzeug anzuschaffen, werde die Mehrheit der Dienstwagen von einem Verbrennungsmotor angetrieben, kritisiert die Organisation weiter. Das mache die derzeitige Dienstwagenregulierung zu einer Subvention, von der fast ausschließlich Autos mit fossilem Kraftstoffantrieb profitierten.

"Diese Politik hat dazu geführt, dass Deutschland die klimaschädlichste Dienstwagenflotte in ganz Europa hat. Firmen können Autokäufe heute als Betriebsausgabe steuerlich abschreiben", moniert die NGO.

Stellten Unternehmen ihren Angestellten diese Autos als Sachleistung zur Verfügung, entstehen zusätzliche steuerliche Vorteile, weil die Sachbezüge in Form der Firmenwagennutzung im Vergleich zum eigentlichen Gehalt weniger besteuert würden. Arbeitnehmer profitierten im Zuge der 1-Prozent-Regelung bei Privatnutzung dieser Dienstwagen zusätzlich noch von erheblichen Steuereinsparungen gegenüber privaten Haltern.

Noch größere Effekte über den Gebrauchtmarkt

Das prognostizierte Plus von einer Million vollelektrischer Autos könnte allein bis 2030 knapp 15 Millionen Tonnen CO2 einsparen, rechnet T&E vor. Insgesamt seien die Einsparungen und damit der Nutzen für das Klima aber noch weitaus größer, denn im Schnitt gelangten Dienstwagen nach nur vier Jahren auf den Gebrauchtwagenmarkt. Sie stellten damit also eine wichtige Quelle für bezahlbare elektrische Gebrauchtwagen dar.

„Subventionen für Verbrenner- und Plug-in-Hybride-Dienstwagen abzuschaffen, ist einer der gerechtesten Wege, den Verkehr zu dekarbonisieren, weil dadurch Millionen bezahlbarer Elektroautos auf den Markt kommen. Dass ist eine der schnellsten, einfachsten und effizientesten Methoden, Deutschlands Emissionen deutlich zu reduzieren", appelliert die NGO. 

Die Grünen und die SPD hätten sich beim Thema Klimaschutz im Verkehr bisher nicht durchsetzen können, jetzt müssten sie zumindest an dieser Stelle der gegenwärtigen klimaschädlichen Politik ein Ende setzen und die Subventionen für klimaschädliche Firmenwagen beenden, forderte Friederike Piper.

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