Werbung
Werbung

T&E-Smart Travel Ranking: Konzerne fliegen ohne Sinn und Klimaziel

Deutsche Konzerne Siemens, Bayer, SAP und Thyssenkrupp zählen zu globalen Vielfliegern ohne Ziele zur Emissionsreduktion von Geschäftsreisen. Deutschlandweit schneiden die Berater Simon-Kucher und Allianz mit klaren Reduktionsplänen am besten ab. Ausgerechnet E-Mobilitäts-Verfechter VW liegt schlecht, auch wegen vieler Privatjettrips.

Willkommen bei Siemens Airlines: Der Münchner Konzern, der sich sonst seiner Nachhaltigkeit rühmt, gibt beim Thema Flugreisen ein ganz schlechtes (Vor)Bild ab. | Foto: T&E
Willkommen bei Siemens Airlines: Der Münchner Konzern, der sich sonst seiner Nachhaltigkeit rühmt, gibt beim Thema Flugreisen ein ganz schlechtes (Vor)Bild ab. | Foto: T&E
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Das aktuelle Travel-Smart-Ranking der europäischen Umweltdachorganisation T&E hat ergeben, dass sich insgesamt nur drei deutsche Top-Unternehmen Ziele zur Reduzierung von Emissionen durch Geschäftsreisen setzen: Simon-Kucher, Allianz und Roland Berger. Insgesamt wurden 328 führende Unternehmen aus den USA, Europa und Indien bewertet, davon 29 Großkonzerne aus Deutschland. Im internationalen Vergleich schneiden die meisten deutschen Unternehmen schlecht ab, da sie nicht schnell genug handeln oder kein echtes Engagement zur Reduzierung der Emissionen von Flugreisen zeigen.

"Viele deutsche Großkonzerne betreiben business as usual: Sie fliegen lang und oft ohne ernsthafte Absichten, sich einzuschränken. Aber Nachhaltigkeit darf nicht nur ein Werbeslogan sein. Es gibt keine Ausreden mehr für Siemens, Bayer und Co., denn ihre Branchenkollegen zeigen, wie internationale Konzerne Verantwortung für das Klima unternehmen können”, appelliert Marte von Der Graaf, Referentin für Luftfahrt bei Transport & Environment Deutschland.

 

Volkswagen: Peinliche Flugperformance des Autobauers

Kein deutsches Unternehmen erhielt die Bestnote A. Nur Allianz und Simon-Kucher erreichten die B-Note. Beide verbesserten sich im Vergleich zum Vorjahr, indem sie ambitioniertere Ziele zur Verringerung ihrer Geschäftsreisen eingeführten. Die Allianz plant, Reisen bis 2025 um 40 Prozent zu reduzieren. Simon-Kucher sieht eine Reduktion um 25 Prozent bis 2030 vor. Die restlichen deutschen Unternehmen schnitten mit den beiden schlechtesten Noten C oder D ab, darunter Bayer (C), Siemens (C), und Volkswagen (D). Die Wolfsburger standen zuletzt in der Kritik, nachdem die Zahl der Privatjetflüge des Konzerns deutlich gestiegen ist.

„Simon-Kucher unternimmt große Anstrengungen, um sicherzustellen, dass wir Reiseemissionen reduzieren. Unsere Bestrebungen um die Offenlegung und Verringerung von Reiseemissionen sowie unsere SBTi-Verpflichtung zeigen unser Engagement für den Klimaschutz. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Verlagerung von Flugreisen in den Bahnverkehr und Investitionen in neue Technologien der langfristige Schlüssel zur Reduzierung der Emissionen sind. Wir fordern andere auf, sich uns anzuschließen und mit uns für eine bessere Zukunft nachhaltig zu reisen", erklärt Anne Rupp, Global Head of ESG bei Simon-Kucher.

Vielflieger jetten weiter um die Wette

Ähnlich ambitioniert sind im weltweiten Branchenvergleich die Pharmaunternehmen Pfizer (A) und die Industriegiganten Michelin und Tetra Pak (beide B). Sie setzen sich ehrgeizige Ziele und verbessern ihre Klimabilanz mit einfachen Mitteln, indem sie etwa neue Arbeitsmethoden einführen, Flugreisen durch alternative Verkehrsmittel ersetzen oder die virtuelle Zusammenarbeit stärken. 36 Prozent aller Geschäftsreisen-Emissionen der untersuchten Firmen entfallen auf nur 25 international tätige Unternehmen. Unter diesen Vielfliegern sind die deutschen Konzerne Volkswagen, Siemens, SAP, Thyssenkrupp und Bayer. In der Summe haben alle 25 Vielflieger keine Pläne, ihre umweltschädlichen Geschäftsflüge zu reduzieren, obwohl sie in der Öffentlichkeit und gegenüber ihren Aktionären immer wieder mit ihrer Umweltfreundlichkeit werben. Würden die 25 Unternehmen die Hälfte ihrer Geschäftsflüge streichen, dann ließen sich innerhalb von weniger als 2 Jahren 5,9 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspräche den Emissionen von 3 Millionen Autos in einem Jahr.

Zu den Vielfliegern ohne Ziele gehören auch IBM, Johnson & Johnson und Google. Unternehmen, die sich gern als fortschrittlich und bahnbrechend präsentieren, es aber nicht angehen, die Emissionen ihrer Geschäftsreisen zu reduzieren. Um auf diese Diskrepanz aufmerksam zu machen, hat die Travel-Smart-Kampagne Fake-Airlines wie Siemens Airlines, IBM Business Airlines und Johnson & Johnson Airlines gegründet. Wie groß die Verantwortung dieser Firmen ist, verdeutlicht ein einfaches Beispiel: So entsprachen die Geschäftsreise-Emissionen von Siemens 2019 mit 0,31 Mio. Tonnen CO2 dem CO2-Fußabdruck von fast zwei Flügen von London nach New York täglich während eines ganzen Jahres.

Werbung
Werbung