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T&E-Analyse: Verkehrssektor transformiert dreimal langsamer als Wirtschaft generell

Immer wieder ist das Sorgenkind der Verkehr: Bis 2030 macht der Sektor 50 Prozent der Gesamtemissionen aus, weil die Reduktion viel zu langsam vonstatten geht, prognostiziert eine Studie der Umweltdachorganisation. Dringende Eile ist geboten.

Der Verkehr stockt, auch bei der Reduktion der Emissionen, mahnt die Umweltdachorganisation T&E. | Foto: BEE
Der Verkehr stockt, auch bei der Reduktion der Emissionen, mahnt die Umweltdachorganisation T&E. | Foto: BEE
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Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

2030 wird der Verkehr fast die Hälfte aller Treibhausgasemissionen in Europa ausmachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der europäischen Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E). Seit 1990 sind die verkehrsbedingten Emissionen in Europa um mehr als ein Viertel gestiegen. Sie werden nach der T&E-Analyse "State of European Transport" weiter zunehmen, während die Emissionen der Gesamtwirtschaft bereits sinken. Europa muss anfangen, das Problem der Verkehrsemissionen ernst zu nehmen, wenn es bis 2050 Netto-Null-Emission erreichen will, so T&E.

Dekarbonisierung deutlich langsamer als im Rest der Wirtschaft

Nachdem der Verkehrssektor seinen Höchststand an Emissionen 2007 erreicht hatte, dekarbonisiert sich der Sektor dreimal langsamer als der Rest der Wirtschaft. Unter den derzeitigen klimapolitischen Maßnahmen könnte der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen insgesamt von heute 29 Prozent auf 44 Prozent im Jahr 2030 steigen. Die verkehrsbedingten Emissionen in der EU belaufen sich derzeit auf mehr als 1.000 MtCO2e, was der Summe aller Emissionen von Deutschland und den Niederlanden entspricht. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die verkehrsbedingten Emissionen ihren jüngsten Spitzenwert aus dem Jahr 2019 wieder erreichen, doch wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden, wird es Europa nicht gelingen, 2050 netto null Emissionen zu erreichen.

"Auf europäischer Ebene zeichnet sich das gleiche Bild ab, wie in Deutschland: der Verkehrssektor bleibt das Sorgenkind. Andere Sektoren schaffen es inzwischen dreimal so schnell zu dekarbonisieren. 2030 wird fast die Hälfte von Europas Emissionen aus dem Mobilitätssektor stammen. Statt in Brüssel bereits vereinbarte Klimaschutzmaßnahmen zu sabotieren und blockieren, sollte Deutschland endlich wieder Führung zeigen und alles dafür tun, damit der Verkehrssektor möglichst schnell die Emissionen senkt", erklärt Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland.

    Benziner und Diesel machen 40 Prozent der Emissionen aus

    Mit Benzin und Diesel betriebene Autos sind für über 40 Prozent aller Verkehrsemissionen verantwortlich. Die Abhängigkeit vom Auto hat seit den 1990er Jahren zugenommen, was die wachsende Fahrzeugflotte und der Bau von Autobahnen zeigt. Erst seit kurzem ist ein Rückgang der durchschnittlichen Pkw-Emissionen zu verzeichnen, da mehr E-Autos auf den Markt kommen. Die Emissionen des Luftverkehrs haben sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt – schneller als in jedem anderen Verkehrsbereich.

    Zusätzlich können Kondensstreifen die Klimaauswirkungen des Fliegens verdreifachen. In der Analyse untersucht T&E die Auswirkungen der EU-Klimaregelungen auf die ausufernden Verkehrsemissionen und kommt zu dem Ergebnis, dass sie die Verkehrsemissionen 2040 um nur 25 Prozent und 2050 um 62 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 verringern werden.

    Autos, Lieferwagen und Lastwagen, die bis Mitte der 2030er Jahre gekauft werden, werden noch jahrelang auf den europäischen Straßen unterwegs sein und Benzin und Diesel verbrennen. Schifffahrtsunternehmen haben kaum Anreize, ihre betriebliche Effizienz zu steigern, und die Nachfrage nach Flügen, die durch die wachsende Flughafenkapazität angekurbelt wird, macht in diesem Jahrzehnt alle Emissionseinsparungen durch umweltfreundlichere Kraftstoffe wieder zunichte.

      Die Analyse von T&E zeigt, dass neben der vollständigen Umsetzung der wichtigsten Green-Deal-Maßnahmen zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind, um den Verkehr vollständig zu dekarbonisieren. Dazu gehören:

      • Neue und ständig wachsende Verkehrsnachfrage durch den Stopp des Ausbaus neuer Flughafen- und Autobahnkapazitäten verhindern.
      • Ehrgeizige und verbindliche Zielvorgaben für den Kauf von E-Autos für Unternehmen, die aufgrund ihrer großen Fahrzeugflotten den Übergang zur E-Mobilität beschleunigen können. Zusammen mit Maßnahmen für den aktuellen Fahrzeugbestand und zur Verhinderung von dessen Wachstum könnten bis 2040 Emissionen um weitere 213 MtCO2e gesenkt werden.
      • Durch die Erschließung von Effizienzgewinnen im Schifffahrtssektor könnten bis 2030 weitere 93 MtCO2e eingespart werden, was entscheidend ist, um Emissionsfreiheit bis Mitte des Jahrhunderts zu erreichen.
      • Die direkte Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist mehr als 2-mal effizienter als die Nutzung von Wasserstoff und 4-mal effizienter als die Nutzung von E-Fuels. Europa kann es sich nicht leisten, erneuerbare Elektronen zu verschwenden.
      • Vorläufige Daten zeigen, dass die Emissionen des Straßenverkehrs im vergangenen Jahr um 8 Mio. t CO2e und die des Schiffsverkehrs um 5 Mio. t CO2e gesunken sind. Dieser Rückgang wurde durch den anhaltenden Aufschwung im Luftverkehr zunichte gemacht. Hier stiegen die Emissionen um 15 MtCO2e.
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